Psychose, Diagnose -und der Beginn der eigentlichen Hölle. Ich verlor den Halt, bekam eine Psychose, kam in die Psychiatrie und erhielt die Diagnose Schizophrenie. Ich musste Neuroleptika nehmen. Ich habe fast alle ausprobiert – außer zwei.
Dann begann etwas, das ich nicht in Worte fassen konnte. Eine unbeschreibliche Unruhe.Es war nicht Unruhe“, wie man sie kennt – es war Folter.
Akathisie – das Wort, das niemand aussprach.
Ich konnte nicht mehr stillsitzen, nicht liegen, nicht denken, nicht schlafen. Ich war gezwungen, mich ständig zu bewegen – aber jede Bewegung brachte keine Erleichterung.Es fühlte sich an, als würde meine Seele brennen. Ich verlor mich selbst. Ich war nur noch Schmerz. Nur noch ,Nicht-Aushalten“.
Ich schnitt mich tief. Nahm potentiell tödliche Überdosen, trank Alkohol bis zur Bewusstlosigkeit, nichts half.. Ich bat um Hilfe – niemand verstand mich. Viele hielten es für eine Traumareaktion.
Aber es war Akathisie.
Die Akathisie dauerte in voller Wucht drei Jahre. Danach folgten sieben weitere Jahre in einem Zustand permanenter Hochspannung. Ich konnte mich zehn Jahre lang nicht entspannen. Mein Körper sieht aus wie ein Schlachtfeld – über 1.000 Schnitte. Ich verlor alles: Hoffnung, Vertrauen, Selbstbild, fühlte mich dumm und wertlos. Allein wegen dieser Nebenwirkung musste ich in ein Wohnheim.
Ich suchte Hilfe. War bei einem Endokrinologen – ein Strohhalm. Vielleicht war es die Schilddrüse? Als sich herausstellte, dass körperlich ,alles in Ordnung war, beschloss ich, mich umzubringen. Ich hatte die tödliche Dosis Tabletten schon vor mir.
Doch dann, in dieser dunkelsten Stunde, traf ich eine Entscheidung.
Ich sagte mir: ,Ich bleibe. Ich entscheide mich für das Leben – auch wenn es nie besser wird.“ Das hieß kein Ja ich lebe, sondern ich entscheide mich gegen die Dunkelheit. Das half nicht gegen die Akathisie, aber meine Suizidgedanken waren nicht mehr so präsent. Und es schuf etwas mehr Raum in meinem nur Unruhe Unruhe…Kopf.
Letztendlich setzte ich das Neuroleptika ab. Es dauerte ein halbes, dreiviertel Jahr bis die Akathisie weg ging.
Wie ich das alles aushielt? Gar nicht. Es war schlichtweg nicht auszuhalten. Gott trug mich in dieser Zeit. Ich erlebte ihn in dieser Zeit.
Warum ich das erzähle
Weil ich weiß, dass da draußen andere sind, die diese Qual durchleben – und glauben, sie seien verrückt, falsch, kaputt. Du bist nicht verrückt.
Du hast eine Nebenwirkung, die viele Ärzte nicht erkennen. Du bist nicht allein.
Akathisie ist real. Sie ist Folter. Und sie wird noch immer viel zu oft übersehen.
Ich habe überlebt. Und wenn du das gerade liest, dann lebst du auch noch. Bitte bleib.
Auch wenn es unvorstellbar schwer ist -irgendwann wird es besser.
Bitte halte durch.
Das keiner genau hinfahren, das Therapeuten/Psychiater diese Nebenwirkung abtun, als lapidare Unruhe. Es ist Folter. Unsichtbare Folter mit hohem Suizidrisiko!
Aufklärung, das dies eine häufiger Nebenwirkung vieler unterschiedlicher Medikamente sein kann.
Den Unterschied erkennen, was eine ängstliche Unruhe ist, was agitierte Depressionen, was Ruhelosigkeit bei Psychosen bedeutet. Ich habe alles erlebt und kann es ganz klar differenzieren.
Art der Einrichtung:Pflege, Betreute Wohn-/Pflegegemeinschaft, Ambulante Praxis, Psychotherapiepraxis