Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-1109

Fehlerhafte Anamnese, fehlerhafter Befund

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Fehldiagnose in Augenklinik: Multiple Sklerose übersehen

Auf Grund von Seheinschränkungen, die mich im Alltag behinderten, ging ich in die Notaufnahme der Augenklinik. Dort wurden sehr oberflächlich meine Symptome gecheckt und ohne großes Nachdenken eine falsche Diagnose gestellt.

Da ich nicht glauben konnte, dass ich nur trockene Augen haben soll, bin ich zu einem Augenarzt/ einer Augenärztin gegangen. Diese/r hat eine komplette Abfrage der Symptome durchgeführt und alle möglichen Tests gemacht. Aufgrund der gesehenen Einschränkungen, hat er/ sie eine Notfall-Überweisung in eine neurologische Klinik geschrieben.

Daraufhin bin ich sofort in die Notaufnahme der neurologischen Klinik gefahren. Es wurde ein MRT gemacht, sowie Nervenwasser untersucht. Die Diagnose darauf hin lautete Multiple Sklerose.

Doch ein meilenweiter Unterschied zu der ersten Diagnose von trockenen Augen.

Ich fühlte mich als Patientin und als Mensch völlig alleingelassen in der Augenklinik. Dass ich selber nachforschen muss, obwohl ich von einem Facharzt/ einer Fachärztin untersucht werde, ist nicht akzeptabel und zeigt ein fahrlässiges Verhalten der Klinik auf.

Gut gelaufen:

Ich wurde für eine Notaufnahme relativ schnell untersucht. Da die Untersuchung an sich aber fehlerhaft ablief, ist das nachhaltig kein positiver Aspekt für mich.

Schlecht gelaufen:

Zum einen lief die Anamnese und Befundaufnahme komplett rudimentär ab. Es wurde nur kurz in meine Augen geschaut, eine Farblösung reingegeben und das war’s. Auf meinen Wunsch hin wurde das Auge an sich noch abgetastet. Ein Nystagmus wurde in der Augenklinik nicht erkannt! Die Diagnose von trockenen Augen wurde fahrlässig gestellt. Ich hatte das Gefühl, dass der Arzt/ die Ärztin schnell Feierabend machen wollte und sich keine Zeit für mich genommen hat. Meine Gefühle und mein Empfinden wurde schnell abgetan. Auch der Hinweis ich soll tropfen und 5-7 Tage warten, finde ich unangemessen. Trockene Augen benötigen nicht diese Regenerationszeit.

Verbesserungsvorschläge:

Nur ausgebildete Fachärzte arbeiten lassen. Das ein Facharzt in einer Augenklinik ein Nystagmus nicht erkennt, ist nicht akzeptabel. Nachschulung der behandelnden Ärztin/ Arztes.

Weitere Infos:

Ich habe direkt nach dem Vorfall Ende 2023 der Augenklinik geschrieben. Nach zwei Monaten habe ich immer noch keine Antwort auf meine Beschwerde erhalten, obwohl ich monatlich bzw. mehrmals monatlich nachgefragt habe. Aktuell liegt meine Beschwerde dem Beschwerdemanagement der Augenklinik vor. Hier sind aber wieder drei Wochen vergangen in denen ich keine Antwort erhalten habe. Ich warte seit Monaten auf eine Stellungnahme der Klinik.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Seheinschränkung, die den Alltag spürbar beeinträchtigt, ist belastend – und das Vertrauen in eine fachkundige Untersuchung ist dabei völlig verständlich und berechtigt. In manchen Situationen kann es vorkommen, dass eine erste Untersuchung in einer Notaufnahme weniger umfassend ausfällt als erhofft und eine Diagnose gestellt wird, die sich im Nachhinein als unvollständig oder nicht zutreffend herausstellt. Das kann für Betroffene sehr verunsichernd sein – besonders dann, wenn es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, die zunächst übersehen wurde.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer das Gefühl hat, dass die eigenen Beschwerden nicht vollständig erfasst wurden, kann verschiedene Schritte in Betracht ziehen.

  • Das eigene Körpergefühl ernst nehmen: Wenn eine Diagnose sich nicht stimmig anfühlt oder die Beschwerden nicht dazu zu passen scheinen, ist es möglich, eine zweite Meinung einzuholen – zum Beispiel bei einer niedergelassenen Fachärztin oder einem niedergelassenen Facharzt. Das ist ein normaler und legitimer Schritt in der medizinischen Versorgung.
  • Symptome konkret benennen: Eine kurze schriftliche Liste der eigenen Symptome – mit Angaben dazu, seit wann sie bestehen und wie sie sich äußern – kann dabei helfen, dass nichts Wesentliches in einem Gespräch vergessen wird. Eine mögliche Formulierung: „Ich bemerke seit einigen Tagen, dass mein Sichtfeld eingeschränkt ist und sich meine Augen unkontrolliert bewegen – das ist für mich neu und ungewohnt.“
  • Gezielt nachfragen: Es ist möglich, bei der Untersuchung zu fragen, welche Tests durchgeführt wurden und ob es weitere Untersuchungen gibt, die in Betracht kommen – etwa: „Gibt es noch andere Ursachen, die ausgeschlossen werden sollten?“
  • Bei Beschwerden über die Versorgung: offizielle Stellen einbeziehen: Wenn eine Klinik auf eine Beschwerde über viele Wochen nicht antwortet, können unabhängige Stellen weiterhelfen – etwa die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), die kostenlos und neutral berät, oder die zuständige Ärztekammer, die Beschwerden entgegennimmt.

Worauf Sie achten können

  • Eine Diagnose, die sich nicht mit dem eigenen Beschwerdeerleben deckt, ist ein Anlass, nachzufragen oder eine zweite ärztliche Einschätzung einzuholen.
  • Neurologische Symptome wie unkontrollierte Augenbewegungen (sogenannter Nystagmus – ein unwillkürliches Zittern oder Ruckeln der Augen) können auf Erkrankungen außerhalb des Auges hinweisen und eine weiterführende Abklärung nahelegen.
  • Wer auf eine Beschwerde bei einer Einrichtung keine Antwort erhält, kann die Beschwerde schriftlich mit Datum festhalten und sich an die Patientenbeschwerdestelle der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung oder an die UPD wenden.
  • Die Begleitung durch eine Vertrauensperson bei Arztbesuchen – besonders in belastenden Situationen – kann dabei helfen, Informationen besser aufzunehmen und Fragen gemeinsam zu formulieren.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 15-29 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team