2025-154
Sexualisierte Kommentare des Psychotherapeuten
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Psychotherapie gemacht wegen mittelgradiger Depression. Einen Platz zu bekommen dauerte Monate. Der Psychotherapeut machte dann immer wieder sexualisierte Kommentare und wollte mir sagen, was ich doch mal anziehen sollte für die Therapiesitzungen: sexy Dessous, Minikleid etc.
Einmal meckerte er mich minutenlang an, dass ich im „Schlafanzug“ gekommen sei. Was übrigens nicht einmal wahr war, es war eine Caprihose mit gleichfarbigen Oberteil. Da ich befürchtete keinen anderen Therapieplatz zu bekommen oder dass die GKV diesen dann nicht finanziert, blieb ich bei diesem Therapeuten in der Hoffnung, dass sich die Therapie dennoch als hilfreich erweist.
Unangemessene Kommentare und Grenzüberschreitungen in der Psychotherapie können Betroffene in eine außerordentlich schwierige Lage bringen – besonders dann, wenn die Suche nach einem Therapieplatz bereits Monate gedauert hat und die Angst besteht, die Versorgung zu verlieren. Das Festhalten an einer belastenden Therapiesituation ist unter solchen Umständen eine nachvollziehbare Reaktion, keine Schwäche.
In der Psychotherapie besteht strukturell ein erhebliches Machtgefälle (ein Ungleichgewicht zwischen Therapeut:in und Patient:in). Dieses Gefälle kann dazu beitragen, dass Grenzüberschreitungen nicht sofort benannt oder gemeldet werden – vor allem, wenn der Zugang zur Versorgung ohnehin knapp ist. Fachlich ist eindeutig: Kommentare über Kleidung oder Erscheinung sowie sexualisierte Äußerungen in einer Therapiesitzung sind kein akzeptables therapeutisches Verhalten. Sie verstoßen gegen Berufspflichten und Standesregeln.
Wer sich in einer ähnlichen Situation befindet, kann auf verschiedene Möglichkeiten zurückgreifen – unabhängig davon, ob ein Wechsel des Therapieplatzes zunächst möglich erscheint oder nicht.
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) ist kostenlos erreichbar und unterstützt Betroffene dabei, ihre Möglichkeiten zu verstehen – ohne Druck und ohne Verpflichtung zur Meldung. Auf mehr-patientensicherheit.de ist es möglich, eigene Erfahrungen anonym zu berichten und damit dazu beizutragen, dass solche Situationen sichtbarer werden.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Eine Patientin erlebt nach beschwerdefreier Osteopathie weitere schmerzhafte Behandlungen ohne Aufklärung. Was dieser Fall über Patientenrechte lehrt.
Fall lesen →Eine Patientin erlebt beim Hausbesuch sexualisierte Bemerkungen. Wie Betroffene reagieren können und was dieser CIRS-Fall über Schutz im Versorgungsalltag zeigt.
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Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
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