2024-1191
Während Krankenhausaufenthalt Dekubitus erworben – Entlassung in desolatem Zustand
Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular
Meine Mutter (über 90 Jahre), vorher mobil, wurde wegen einer luxierten Hüfte stationär behandelt. Während ihres Krankenhausaufenthaltes (mehr als 10 Tage) erwarb sie einen Dekubitus an beiden Fersen und am Steiß.
Die Dekubiti waren vorher nicht vorhanden. Sie wurden bei Entlassung weder im Arztbrief vermerkt, noch gab es eine Pflegeüberleitung an die Senioreneinrichtung, in der meine Mutter lebte. Das Personal der Pflegeeinrichtung war entsetzt über den Zustand meiner Mutter und berichtete, dass Patienten häufig in einem desolaten und ungepflegten Zustand aus dem Krankenhaus entlassen werden, der Fall meiner Mutter jedoch besonders schlimm sei.
Eine physiotherapeutische Mobilisierung war im Krankenhaus nachweislich erst einige Tage nach der OP eingeleitet worden. Seit ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus war meine Mutter aufgrund der Dekubiti bettlägerig und konnte nicht mehr laufen.Trotz intensiver Betreuung durch die Pflegekräfte verheilten die Dekubiti nicht.
Meine Mutter, die vorher in der Lage gewesen war, sich mithilfe ihres Rollators in der Einrichtung zu bewegen, soziale Kontakte zu pflegen und am Alltagsgeschehen teilzunehmen, litt sehr darunter, nicht mehr laufen zu können, verlor im Laufe der Zeit Hoffnung und Lebensmut, zog sich immer mehr in sich selbst zurück, verweigerte zum Schluss die Nahrung und verstarb ca. zwei Monate nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus.
Der Verlust eines nahestehenden Menschen unter solchen Umständen ist ein tiefer Einschnitt – und der Schmerz darüber, dass es vielleicht anders hätte kommen können, ist absolut nachvollziehbar. Dieser Fall zeigt, wie gravierend die Folgen sein können, wenn während eines Krankenhausaufenthalts wichtige pflegerische und rehabilitative Maßnahmen nicht rechtzeitig eingeleitet werden und beim Übergang in eine andere Einrichtung wesentliche Informationen fehlen.
Ein Dekubitus (auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt) entsteht, wenn empfindliche Körperstellen – etwa Fersen oder Steißbein – über längere Zeit Druck ausgesetzt sind, ohne dass regelmäßige Umlagerung oder Druckentlastung stattfindet. Besonders ältere und wenig mobile Patient:innen tragen ein erhöhtes Risiko. Die Pflegeüberleitung bezeichnet die strukturierte Weitergabe von Informationen über den Gesundheitszustand einer Person bei Wechsel zwischen Einrichtungen – sie ist entscheidend dafür, dass die weiterbehandelnde Einrichtung sofort weiß, was zu tun ist. In diesem Fall war beides – Dekubitusprophylaxe und Pflegeüberleitung – unzureichend. Für die Betroffene selbst gab es in dieser Situation keinen realistischen Spielraum, auf diese Abläufe Einfluss zu nehmen. Das ist wichtig anzuerkennen.
Angehörige können in ähnlichen Situationen eine wichtige Brückenfunktion übernehmen – nicht als Kontrollorgan, sondern als aufmerksame Begleitpersonen, die Beobachtungen kommunizieren und Fragen stellen.
Wenn Sie nach einem solchen Erlebnis Unterstützung suchen oder offene Fragen zu Ihren Rechten als Angehörige haben, steht Ihnen die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlos zur Verfügung. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie außerdem Erfahrungen wie diese anonym berichten – denn solche Berichte helfen dabei, Schwachstellen im System sichtbar zu machen und Verbesserungen anzustoßen.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Drei unbehandelte Druckstellen, kein Eintrag im Arztbrief: Wie fehlende Dokumentation bei der Entlassung Patienten gefährdet.
Fall lesen →Ein Patient wurde mit unbehandeltem Dekubitus entlassen und konnte nicht selbstständig trinken. Wie es dazu kam und was dieser Fall für die Patientensicherheit bedeutet.
Fall lesen →Ein 85-Jähriger entwickelt nach OP schwere Druckwunden. Wie fehlende Dekubitusprophylaxe in Reha und Klinik zu vermeidbarem Leid führte.
Fall lesen →Eine 80-jährige Patientin erlitt nach stundenlangem Warten ohne Trinkangebot einen Kreislaufkollaps. Was dieser CIRS-Fall über Basisversorgung lehrt.
Fall lesen →Nach einer Hüftprothesen-OP kam es zu Nervenschaden, Gefühlsverlust an der Fußsohle und Dekubitus. Ein CIRS-Fall über Komplikationen und deren Folgen.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team