2026-030
Propofol Paravasat führte zur Nekrose
Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular
Während der Anästhesie für eine Operation wurde mir ein Zugang in der Armbeuge gelegt, über den Propofol gespritzt wurde. Bereits bei der ersten Dosis platzte die Vene, es brannte wie Feuer aber ich dachte noch, ich würde mich vielleicht anstellen. Als ich die Frage ob ich schon etwas spüren könnte verneinte, wurde eine zweite Dosis verabreicht. Wieder direkt ins Gewebe.
Als der Fehler durch ausbleibenden Narkoseaustritt und deutliche Schwellung auffiel, wurde mir sehr schnell ein neuer Zugang gelegt und ich wurde endlich in Narkose gelegt.
Leider wurde die Problematik zurück auf der Station drei Tage lang mit „kühlen Sie das einfach“ abgetan. Danach wurde ich entlassen.
Am vierten Tag bildeten sich Bläschen und braune, ledrige Haut, an Tag fünf wurden die Blasen deutlich größer, die Haut war glühend heiß. Während dieser gesamten Zeit hatte ich furchtbare Schmerzen, die sich durch für mich erreichbare Schmerzmittel nicht behandeln ließen.
Am fünften Tag suchte ich die Notaufnahme eines anderen Krankenhauses auf, dort wurde zuerst eine Entzündung vermutet und Blut abgenommen. Als die Ergebnisse der Blutwerte keine Entzündung zeigten, wurde ich weggeschickt – wieder mit den Worten „kühlen Sie das einfach“.
An Tag sechs fuhr ich dann zurück in das Krankenhaus, in dem das Ganze passiert ist. Gott sei Dank nahm dort in der Notaufnahme das erste Mal jemand die Symptome ernst und führte einen Ultraschall durch. Dieser zeigte, dass eine starke lokalisierte Entzündung vorlag, die bereits die Bizepssehne betraf. Außerdem war die von innen nach außen getretene Verätzung mittlerweile nekrotisch.
Ich wurde stationär aufgenommen und bekam eine intravenöse Antibiose, trug zwei Tage lang eine Schiene und erhielt endlich eine Schmerztherapie mit sehr starken Schmerzmitteln.
Jetzt, acht Tage nach Entstehung des Paravasats, ist die Entzündung zwar unter Kontrolle, die Schmerzen sind aber nach wie vor höllisch.
Der Chefarzt weigerte sich, das nekrotische Gewebe chirurgisch zu entfernen, somit stehen mir noch mindestens zwei weitere Wochen langsamer, schmerzhafter Heilungsprozess bevor.
Diese Erfahrung war mit erheblichen Schmerzen, wiederholten Enttäuschungen und großer Unsicherheit verbunden – und sie zeigt, wie belastend es sein kann, wenn ernsthafte Beschwerden über mehrere Tage nicht angemessen eingeordnet werden. Ein Paravasat bezeichnet dabei den ungewollten Austritt eines Medikaments aus einem Blutgefäß in das umliegende Gewebe. Bestimmte Substanzen – darunter das Narkosemittel Propofol – können dabei erheblichen Schaden im Gewebe anrichten, der sich unter Umständen erst nach einigen Tagen in seiner vollen Schwere zeigt.
Wichtig anzuerkennen: Die betroffene Person war während der Narkosevorbereitung nicht in der Lage, das Geschehen selbst zu beeinflussen oder zu kontrollieren. Dass das Paravasat entstand, lag außerhalb ihres Einflussbereiches. Was jedoch folgte – der wiederholte, mutige Versuch, angemessene Hilfe zu erhalten – hat nach aktuellem Stand wesentlich dazu beigetragen, Schlimmeres zu verhindern.
Wenn nach einem Eingriff ungewöhnliche Symptome an der Einstichstelle auftreten, können folgende Schritte hilfreich sein:
Wer nach einem solchen Erlebnis Fragen hat oder Unterstützung sucht, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – kostenlos und neutral unter 0800 011 77 22. Eigene Erfahrungen – auch belastende – lassen sich außerdem auf mehr-patientensicherheit.de anonym melden und tragen dazu bei, dass andere von ähnlichen Situationen lernen können.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Ein 14-jähriges Kind erhielt Atomoxetin und Fluoxetin kombiniert – mit schweren Folgen. Dieser CIRS-Fall zeigt, warum Wechselwirkungen geprüft werden müssen.
Fall lesen →Ein falsch liegender Venenzugang wurde trotz Hinweis nicht korrigiert – Propofol gelangte ins Gewebe. Ein CIRS-Fall über übersehbare Risiken.
Fall lesen →Nach einer Bandscheibenversteifung und Notoperation entwickelte ein Patient eine Oxycodon-Abhängigkeit. Ein CIRS-Fall über Schmerztherapie-Risiken.
Fall lesen →Patient mit schlechten Leberwerten erhielt im Krankenhaus wiederholt Paracetamol angeboten – obwohl dies kontraindiziert war. Was dieser Fall lehrt.
Fall lesen →Brennende Schmerzen bei Narkoseeinleitung, stundenlange Übelkeit, stationäre Aufnahme – ein CIRS-Fall zeigt, wie wichtig Kommunikation und Kontinuität sind.
Fall lesen →Propofol lief ins Gewebe statt in die Vene – eine Patientin entwickelte eine schwere Entzündung am Arm. Was dieser CIRS-Fall über Aufklärung lehrt.
Fall lesen →Ein CIRS-Fall zeigt, wie unzureichende Osteoporose-Diagnostik und Cortisontherapie zu schweren Mehrfachfrakturen führen können – und was das verhindert hätte.
Fall lesen →Ein Paravasat mit Doxorubicin führte zu schwerer Nekrose und Brustamputation. Dieser CIRS-Fall zeigt, wie wichtig frühes Handeln bei Chemotherapie-Zwischenfällen ist.
Fall lesen →Ein Erfahrungsbericht über jahrelange Akathisie als übersehene Nebenwirkung von Neuroleptika – und wie eine Betroffene überlebte.
Fall lesen →Eine Heimbewohnerin wurde 6-mal notfallmäßig hospitalisiert – mögliche Ursache: Polymedikation. Was dieser CIRS-Fall über Medikationssicherheit lehrt.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team