Icon Mehr-Patientensicherheit
2025-287

Paravasat durch Zytostatika

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Paravasat durch Zytostatika: Wenn Chemotherapie Gewebe zerstört

Nach einer dramatischen offenen Herzoperation zur Entfernung eines Tumors begann ich eine mehrmonatige Chemotherapie. Doch bei der 9. Gabe kam es zu einem folgenschweren Fehler: Bei einer Infusion mit mehreren verschiedenen Zytostatika, darunter Doxorubicin, lief das Medikament nicht in die Vene, sondern in das umliegende Gewebe (Brust/Axel)– ein sogenanntes Paravasat.

Ich habe sofort gespürt, dass etwas nicht stimmt, und mehrfach das medizinische Personal gewarnt. Doch meine Hinweise wurden ignoriert. Das Gewebe begann sich durch die hochgiftigen Substanzen aufzulösen – eine massive Nekrose entstand.

Monatelang wollte niemand operieren. Die Schmerzen, die Angst, das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden – all das hat mich zermürbt. Am Ende konnte meine Brust nicht mehr gerettet werden. Die Schäden waren zu groß. Ich habe inzwischen eine komplizierte Brustamputation hinter mir – mit all den körperlichen und seelischen Folgen, die das mit sich bringt.

Ich wünsche mir, dass meine Geschichte öffentlich gemacht wird – um auf die Gefahren von Paravasaten aufmerksam zu machen, aber auch auf das Verhalten vieler Ärzt:innen, wenn Fehler passieren. Ich hoffe, anderen Betroffenen Mut machen zu können – und vielleicht dazu beizutragen, dass solche Fehler in Zukunft ernster genommen und verhindert werden

Gut gelaufen:

Wenn man ein ungutes Gefühl hat, sollte man diesem vertrauen und eine Behandlung auch abbrechen. Mutig sein und auf sein Körpergefühl achten.

Schlecht gelaufen:

Arzt hat nach mehreren Hinweisen einfach nicht reagiert und nachdem er es verstanden hat, mich nicht mal rechtzeitig in ein Krankenhaus geschickt. Erst nach 6 Monaten sich telefonisch entschuldigt als er hörte das die Brust entfernt wurde.

Verbesserungsvorschläge:

Ärzte sollten mehr auf die Patienten eingehen und sie ernst nehmen

Weitere Infos:

Leider sind danach noch viele Fehler entstanden, da keiner Erfahrungen mit solchen Paravasaten hatte und keiner operieren wollte.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Diese Erfahrung war außerordentlich belastend – körperlich, seelisch und über einen langen Zeitraum. Wenn körperliche Warnsignale während einer Behandlung nicht gehört werden, können Folgen entstehen, die weitreichend und dauerhaft sind.

Bei einer Chemotherapie (Behandlung mit zellhemmenden Medikamenten, sogenannten Zytostatika) werden Medikamente über einen Zugang in die Vene gegeben. Kommt es dabei zu einem sogenannten Paravasat – das Medikament tritt aus der Vene aus und gelangt in das umliegende Gewebe –, kann das je nach Wirkstoff zu schweren Gewebeschäden führen. Bestimmte Zytostatika wie Doxorubicin gelten als besonders gewebeschädigend. Schnelles Erkennen und konsequentes Handeln sind in solchen Momenten entscheidend.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer während einer Infusion ein ungewöhnliches Gefühl bemerkt – Brennen, Schwellung, Schmerz oder Druck an der Einstichstelle –, kann aktiv werden. Die folgenden Hinweise können dabei unterstützen.

  • Dem eigenen Körpergefühl vertrauen und sofort ansprechen: Jedes ungewöhnliche Körpersignal während einer Infusion ist ein Grund, die Behandlung zu unterbrechen. Es ist möglich, direkt und klar zu sagen: „Ich spüre etwas Ungewöhnliches an der Einstichstelle – bitte schauen Sie sofort nach.“
  • Auf sofortiger Unterbrechung bestehen: Wird ein Hinweis nicht ernst genommen, ist es möglich, die Infusion selbst zu unterbrechen oder nachdrücklich darauf zu bestehen, dass sie gestoppt wird – bis die Situation überprüft wurde. Eine Ablehnung weiterzumachen ist ein legitimes Recht.
  • Eine Begleitperson einbinden: Eine vertraute Person, die bei Chemotherapie-Terminen dabei ist, kann Beobachtungen bestätigen, für Gehör sorgen und im Notfall selbst das Gespräch mit dem Personal suchen.
  • Bei ausbleibender Reaktion eine andere Stelle einschalten: Wenn das direkte Ansprechen nicht wirkt, ist es möglich, im selben Moment eine andere Person aus dem Team zu rufen oder – bei ambulanter Behandlung – auf eine sofortige Weiterleitung in eine Klinik zu bestehen: „Ich möchte, dass das jetzt von jemandem mit Erfahrung mit Paravasaten beurteilt wird.“

Worauf Sie achten können

  • Ungewöhnliche Empfindungen an der Einstichstelle während einer Infusion – wie Brennen, Stechen, Schwellung oder Kälte – können auf ein Paravasat hindeuten und sind ein Grund, die Infusion sofort stoppen zu lassen.
  • Es ist möglich, vor Beginn einer Chemotherapie zu fragen, welche Medikamente gegeben werden und was bei einem Paravasat zu tun ist – und diese Information schriftlich zu erhalten.
  • Bei einem Paravasat mit einem gewebeschädigenden Zytostatikum ist eine Weiterbehandlung in einem spezialisierten Zentrum möglich und sinnvoll – diesen Wunsch lässt sich gegenüber dem behandelnden Team äußern.
  • Eigene Beobachtungen, Symptome und Gespräche mit dem medizinischen Personal lassen sich schriftlich festhalten – das kann bei späteren Fragen oder einer Zweitmeinung hilfreich sein.

Sie sind nicht allein

Wer eine solche Erfahrung gemacht hat, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – dort gibt es kostenlose, unabhängige Unterstützung bei medizinischen und rechtlichen Fragen. Auf mehr-patientensicherheit.de ist es außerdem möglich, eigene Erfahrungen anonym zu teilen – damit andere davon lernen können und solche Situationen künftig besser erkannt werden.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team