Icon Mehr-Patientensicherheit
2026-074

Unzureichende Versorgung und Entlassung von hilfloser Person

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Entlassung schwerkranker Patient in unzumutbare Unterkunft

Es geht um einen Flüchtling, der in Notunterkunft lebt. Er ist seit Wochen auf der Station und es wurden 12 OP an der Lunge durchgeführt.Ergebnis: 10 Kilo Gewichtsverlust und er ist sehr schwach. Er soll jetzt wieder ins unhygienische Lager entlassen werden, mit 4 Leidensgenossen im Container im Hangar kniehoch im Dreck, WC draußen und weit weg. Kurz, verschickt in den sicheren Tod, kaum in der Lage zu gehen, mit zwei Schläuchen aus dem Brustkorb ragend.

Gut gelaufen:

Vielfache Bitten um Kurzpflege im Klinikum zu erhalten wurden vom Chefarzt abgelehnt. Man kann zwar eine Umverlegung organisieren, aber erst nach der Entlassung aus der Klinik. Die KK würde es prüfen, aber der Chefarzt hat das blockiert. Dies wäre aber dringend notwendig, da der Patient eine seltene Krankheit hat, Abszesss in der Lunge bzw. Ostemyelitis des Sternoklvikulargelenks, und Lungenentzündung, daher eine Kurmassnahme oder eine passendere Unterkunft benötigt. Kurzpflege würde der Überbrückung dienen.

Schlecht gelaufen:

Die erste notwendige OP wurde erst nach 3 Tagen durchgeführt, eigentlich hätte eine Notoperation gemacht werden müssen. Die Akteneinsicht in die Behandlungsunterlagen wurden zuerst blockiert , bzw. bisher wurden sie nicht vollständig ausgehändigt. Es waren immer wieder neue jungen Ärzte am OP Tisch, Jugend forscht. Der Eindruck entsteht die Ärmsten und Schwächsten werden hier zum Experimentieren als Übungsmaterial verbraucht, diese Patienten können sich eh nicht wehren, von Menschenwürde oder Mitmenschlichkeit hat man leider zu wenig gehört.

Verbesserungsvorschläge:

Keine Angaben

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Der in diesem Fall beschriebene Verlauf ist erschütternd – ein schwer kranker Mensch, der nach zahlreichen Eingriffen körperlich stark geschwächt ist und nun in eine Unterkunft entlassen werden soll, die eine angemessene Genesung unmöglich macht. Solche Situationen, in denen medizinische, soziale und rechtliche Schwierigkeiten zusammentreffen, können Betroffene und ihre Angehörigen in eine extreme Hilflosigkeit treiben.

In einer Lage wie dieser – schwere körperliche Einschränkung, Sprachbarriere, unsicherer Aufenthaltsstatus, fehlender Zugang zu medizinischen Unterlagen – gab es für den Betroffenen selbst keinen realistischen Spielraum, aktiv in seine eigene Versorgung einzugreifen. Das ist wichtig anzuerkennen: Das Scheitern einer sicheren Weiterversorgung liegt nicht in der Verantwortung des Patienten.

Was Angehörige oder Begleitpersonen tun können

  • Unabhängige Beratung suchen: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose, unabhängige Beratung – auch bei komplexen Fällen mit Entlassungsplanung, Kostenträgerfragen und Akteneinsicht. Eine Beratung ist telefonisch, online und in vielen Sprachen möglich.
  • Sozialberatung im Krankenhaus ansprechen: Jedes Krankenhaus verfügt über einen Sozialdienst. Dieser kann bei der Organisation einer Anschlussheilbehandlung, einer Kurzzeitpflege (vorübergehende professionelle Pflege nach einem Krankenhausaufenthalt) oder einer geeigneteren Unterkunft unterstützen – unabhängig von ärztlichen Entscheidungen auf Stationsebene.
  • Akteneinsicht schriftlich und förmlich beantragen: Das Recht auf vollständige Einsicht in die eigenen Behandlungsunterlagen ist gesetzlich verankert (§ 630g BGB). Ein schriftlicher Antrag – gerne mit dem Satz: „Ich beantrage hiermit formell die vollständige Einsicht in alle Behandlungsunterlagen gemäß § 630g BGB“ – kann helfen, Verzögerungen zu dokumentieren und rechtlich abzusichern.
  • Unterstützung durch Beratungsstellen für Geflüchtete einbeziehen: Spezialisierte Organisationen wie Malteser Migranten Medizin, Caritas, Diakonie oder lokale Flüchtlingshilfen kennen die Schnittstellen zwischen Aufenthaltsrecht, Sozialrecht und medizinischer Versorgung und können konkret vermitteln.

Für die Zukunft: Was sich vorbereiten lässt

  • Eine Vertrauensperson oder Begleitperson benennen, die im Krankenhaus als Ansprechpartner auftritt und bei Gesprächen mit dem medizinischen Personal anwesend sein kann – idealerweise mit einer schriftlichen Vollmacht.
  • Alle Gespräche mit dem Krankenhaus, Kostenträgern und Behörden schriftlich festhalten: Datum, Name der Ansprechperson, Inhalt des Gesprächs und etwaige Zusagen oder Ablehnungen dokumentieren.
  • Bei Verdacht auf eine nicht sichere Entlassung ist es möglich, den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einzuschalten – dieser prüft, ob eine Entlassung medizinisch vertretbar ist.
  • Wenn der Verdacht besteht, dass eine Beschwerde nicht intern bearbeitet wird, kann die Beschwerde an die zuständige Krankenhausaufsicht des Bundeslandes oder an die Patientenfürsprecherin bzw. den Patientenfürsprecher des Krankenhauses gerichtet werden.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie eine ähnliche Situation erlebt haben oder gerade erleben, steht Ihnen die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) unter 0800 011 77 22 (kostenlos, mehrsprachig) zur Verfügung. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Erfahrungen anonym melden und damit dazu beitragen, dass solche Situationen sichtbar werden und sich etwas verändert.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus
Geschlecht: männlich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team