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2024-1029

Entlassen trotz Anzeichen einer MS

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Fallbeschreibung:

MS-Diagnose verzögert: Entlassung trotz neurologischer Symptome

Ich wurde mit Kribbeln in Hand und Fuß sowie Doppelbildern nach sieben Stunden in der Notaufnahme entlassen, mit der Begründung, es sei kein Schlaganfall und kein Gehirntumor. Weiteres sollte ich mit dem Hausarzt besprechen. Später erfuhr ich, dass kein Bett frei war.

Fünf Tage später wurde ich erneut in die Notaufnahme eingewiesen, mit gleichen bzw. verschlimmerten Symptomen. Dieses Mal wurde ich stationär aufgenommen. Eine Woche später stand die gesicherte Diagnose Multiple Sklerose! Die erforderliche Therapie ist erst mit einer Woche Verzögerung begonnen worden. Die Doppelbilder sind auch nach mehreren Wochen noch nicht weg.

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Die Symptome deuteten schon bei meiner ersten Einweisung in die Notaufnahme auf eine Multiple Sklerose hin. Das hätten die Ärzte erkennen müssen. Ein Schub bei der MS ist immer ein Notfall, der sofortiges Handeln erfordert, das weiß ich heute.

Verbesserungsvorschläge:

Beim Verdacht auf MS sollten sofort Therapieansätze in Betracht gezogen werden. Eine sofortige Einleitung einer Cortisontherapie hätte mehrere Tage früher helfen können.

Weitere Infos:

Ich bin traurig, wütend und depressiv verstimmt. Ich kann noch nicht wieder richtig sehen. Niemand kann mir sagen, ob und wie lange das andauern wird. Mittlerweile erhalte ich Krankengeld. Habe ich Anspruch auf Schadensersatz? Was wäre, wenn …

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Diagnose wie Multiple Sklerose (MS) – eine Erkrankung des zentralen Nervensystems – zu erhalten, ist ein einschneidendes Erlebnis, besonders wenn der Weg dorthin beschwerlich war. Symptome wie Kribbeln in Händen und Füßen oder Doppelbilder können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen und sind in einer Notaufnahme nicht immer eindeutig zuzuordnen – manchmal verzögert sich dadurch die richtige Einordnung und Behandlung.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer mit unklaren neurologischen Beschwerden – also Beschwerden, die das Nervensystem betreffen – in eine Notaufnahme kommt, kann durch gezielte Kommunikation dazu beitragen, dass die eigene Situation vollständig erfasst wird.

  • Alle Symptome benennen – auch die unscheinbaren: Es ist möglich, eine kurze Liste der Beschwerden mitzubringen oder diese beim Gespräch vollständig zu schildern – einschließlich Beginn, Verlauf und Intensität. Auch Symptome, die zwischenzeitlich nachgelassen haben, können wichtig sein.
  • Direkt nachfragen, was ausgeschlossen wurde – und was noch offen ist: Eine Formulierung wie „Sie haben gesagt, es ist kein Schlaganfall – welche anderen Ursachen kommen noch in Frage?“ kann helfen, das Gespräch zu vertiefen und offene diagnostische Fragen sichtbar zu machen.
  • Um eine Einschätzung zur Dringlichkeit bitten: Es ist möglich zu fragen: „Woran erkenne ich, ob sich mein Zustand verschlechtert – und wann komme ich am besten wieder?“ So lässt sich für den Fall einer Verschlechterung eine klare Orientierung gewinnen.
  • Eine Begleitperson einbeziehen: Wer möchte, kann eine Vertrauensperson mitbringen, die im Gespräch zuhört, Notizen macht und bei Bedarf nachhakt – besonders wenn man sich durch Symptome oder Erschöpfung eingeschränkt fühlt.

Worauf Sie achten können

  • Bei der Entlassung aus einer Notaufnahme ist es möglich, nach einem schriftlichen Entlassungsbrief oder einer Zusammenfassung der durchgeführten Untersuchungen zu fragen.
  • Kehren Symptome zurück oder verschlimmern sie sich, ist eine erneute Vorstellung in der Notaufnahme jederzeit möglich – auch wenn man erst kürzlich dort war.
  • Wer das Gefühl hat, dass wichtige Aspekte nicht berücksichtigt wurden, kann um ein klärendes Gespräch mit einer vorgesetzten Ärztin oder einem vorgesetzten Arzt bitten.
  • Bei anhaltenden Beschwerden nach einer Notaufnahme-Behandlung kann eine rasche Vorstellung beim Hausarzt oder einer Fachärztin – etwa einer Neurologin – sinnvoll sein, um die weitere Abklärung nicht zu verzögern.

Sie sind nicht allein

Wer nach einer solchen Erfahrung Fragen zur eigenen Behandlung hat oder wissen möchte, welche Rechte Patientinnen und Patienten haben, kann sich kostenlos und unabhängig an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. Eigene Erlebnisse – ob belastend oder auch positiv – lassen sich auf mehr-patientensicherheit.de anonym berichten und helfen dabei, die Versorgung für alle zu verbessern.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: keine Angabe

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