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2024-769

Mangelnde Erfragung von Vorerkrankungen & Medikation in Notfallambulanz bei Verdacht Sepsis

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Fallbeschreibung:

Urosepsis-Verdacht: Fehlende Anamnese in der Notaufnahme

Ich habe mehrere schwere Vorerkrankungen, u.a. einen septischen Schock mit Multiorganversagen überlebt.

Hatte mich an einem Wochenende in der Ambulanz eines großen Krankenhauses vorgestellt, da ich eine Blasenentzündung hatte und es mir so schlecht ging, dass ich eine beginnende Urosepsis vermutete. Ich bin (nach Rücksprache mit meinem Bruder, ein Intensivmediziner) extra in diese Notaufnahme gefahren, da dort zum einen eine urologische Station vorhanden war, zum anderen ich dort schon in verschiedenen Ambulanzen vorstellig war. Wir gingen davon aus, dass meine Befunde in der Notaufnahme zur Verfügung stehen.

Es wurden jedoch lediglich Allergien abgefragt (und zwar zweimal, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm, da ich sie in einem Fall alle buchstabieren musste). Es wurde nicht nach Vorerkrankungen und aktueller Medikation aufgrund von bestehenden chronischen Krankheiten gefragt.

Als ich darauf hinwies, dass meine Befunde vorliegen müssten, weil ich in diesem Krankenhaus in 5 Ambulanzen behandelt werde sagte man mir, darauf könnten sie nicht zugreifen. Der/Die sehr junge Arzt/Ärztin wollte mich wieder nach Hause schicken als ich sagte, es handele sich um eine Blasenentzündung. Erst als ich von meinen Vorerkrankungen erzählt habe änderte er/sie das Verhalten und untersuchte mich.

Gut gelaufen:

Schnelle Ersteinschätzung

Schlecht gelaufen:

Kein Abfragen von Vorerkrankungen und Medikation!

Verbesserungsvorschläge:

Unbedingt in einer Notaufnahme nach Vorerkrankungen und Medikation fragen! Es sollte zudem die Möglichkeit geben, auf wichtige Befunde oder zumindest Diagnosen, die im gleichen Haus in den letzten zwei Jahren erhoben wurden, Zugriff zu haben. Nicht alle Patienten sind sprachgewandt, sprechen deutsch, sind von ihrer intellektuellen Fähigkeiten her in der Lage ihre Vorerkrankungen ausreichend zu schildern. Ohne diese wichtigen Informationen können schwere Fehldiagnosen gestellt bzw. Behandlungen erfolgen.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Notaufnahme aufzusuchen, wenn man eine schwere Komplikation wie eine Blutvergiftung (Sepsis) befürchtet, erfordert Mut und Eigeninitiative – besonders, wenn man bereits ähnliche lebensbedrohliche Situationen erlebt hat. In einer Notaufnahme arbeiten viele Menschen unter hohem Zeitdruck zusammen, und wichtige Informationen wie Vorerkrankungen oder aktuelle Medikamente werden dabei nicht immer systematisch erfasst. Hinzu kommt, dass Befunde aus anderen Abteilungen desselben Krankenhauses technisch oft nicht ohne Weiteres einsehbar sind – auch dann nicht, wenn Betroffene dort bereits mehrfach behandelt wurden.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer gut vorbereitet in eine Notaufnahme kommt, kann dazu beitragen, dass wichtige Informationen von Beginn an vorliegen – unabhängig davon, was die Einrichtung selbst abrufen kann.

  • Eine persönliche Notfallkarte oder ein Medikamentenplan kann mitgebracht werden. Darauf lassen sich Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente und frühere schwere Ereignisse wie ein Schock oder Organversagen knapp festhalten. Viele Hausarztpraxen helfen beim Erstellen solcher Unterlagen.
  • Wichtige Informationen aktiv und früh ansprechen ist möglich – zum Beispiel direkt bei der Ersteinschätzung (dem sogenannten Triage-Gespräch, bei dem die Dringlichkeit eines Falls bewertet wird). Eine Formulierung wie „Ich habe mehrere schwere Vorerkrankungen und habe bereits einmal eine Sepsis mit Multiorganversagen überlebt – das ist wichtig für die Behandlung“ kann helfen, das Bild schnell zu vervollständigen.
  • Die elektronische Patientenakte (ePA) – ein digitales Dokument, das Befunde und Medikamentenpläne speichert – ist seit 2025 für gesetzlich Versicherte verfügbar. Wer sie nutzt und relevante Dokumente dort hinterlegt, kann dem Behandlungsteam ermöglichen, schneller auf wichtige Informationen zuzugreifen.
  • Eine Begleitperson kann in einer solchen Situation eine wichtige Rolle übernehmen: Sie kann Informationen weitergeben, wenn die betroffene Person dazu nicht in der Lage ist, und darauf hinweisen, dass bestimmte Fragen noch nicht gestellt wurden.

Worauf Sie achten können

  • Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente (mit Dosierung) und bekannte Allergien schriftlich griffbereit haben – zum Beispiel als Ausdruck in der Geldbörse oder als Foto auf dem Smartphone.
  • Bei der Ersteinschätzung in der Notaufnahme gezielt darauf hinweisen, wenn ein früheres schweres Krankheitsereignis vorliegt, das für die aktuelle Situation relevant sein könnte.
  • Wenn das Behandlungsteam keine Fragen zu Vorerkrankungen stellt, ist es möglich, diese Informationen von sich aus anzubieten – das ist kein Eingriff in die Arbeit des Teams, sondern eine hilfreiche Ergänzung.
  • Wer regelmäßig auf eine Notaufnahme angewiesen sein könnte, kann im Vorfeld mit der Hausarztpraxis besprechen, welche Unterlagen im Notfall besonders wichtig sind.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

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