Icon Mehr-Patientensicherheit
2025-374

Über einen Tag hungern, da kein allergiekonformes Essen während stationären Aufenthalt verfügbar!

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Ich wurde im Winter via Rettungsstelle wegen generalisierter Gürtelrose mit schwerem Krankheitsgefühl (Durchfall, Fieber, Kopfschmerzen, Juckreiz am ganzen Körper) stationär aufgenommen. Eigentlich wollte ich nur Tabletten oder ein Rezept über Aciclovir, was in der Vergangenheit prima gewirkt hat. Zu meinem großen Erstaunen wurde ich stationär aufgenommen, geplant für eine bis mehrere Wochen. Ich muss dazu sagen, dass ich NICHTS dabei hatte: keine Wechselwäsche, Kosmetik, Nahrungsmittel (bis auf ein Butterbrot und einen halben Apfel, die ich bereits in der Notaufnahme während der Wartezeit verspeiste) und natürlich auch nicht alle meine Medikamente. Ich hatte noch eines der Asthmasprays, Migränetabletten und etwas gegen Übelkeit in der Handtasche. Außerhalb der regulären Dienstzeit kam ich auf Station. Kurz danach gab es Abendessen. Da ich viele Allergien und Unverträglichkeiten habe, war mir klar, dass das schwierig wird. Schließlich meide ich aus diesem Grund Krankenhäuser und Rettungsstellen wie die Pest und gehe, wenn überhaupt, nur mit ausreichender Vorbereitung und einer größeren Menge Nahrungsmitteln in eine Klinik! Trotz bekannter Allergie auf Weizen wurde mir ausschließlich Weizenbrot angeboten. Meine weiteren Allergien (Fleisch, Nüsse, Mandarinen, Paprika, Farb-, Süß- und Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Aromen) wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Folglich blieb mir zum Abendessen nur Kamillentee übrig. Der sättigt nur leider zu null Prozent Da ich Diabetikerin bin, wäre eine regelmäßige Nahrungsaufnahme eigentlich notwendig, aber vielleicht nehme ich das auch zu wichtig. Ich weiß schon, warum ich zu Hause alles selbst koche und backe. Mir die Zutatenliste von A bis Z durchlese und mir daher auch nichts zu essen vom Lieferdienst bringen lasse: Da habe ich keine Kontrolle über die Zutaten. Die Nacht wurde ich von meinem Magenknurren, den Schmerzen und dem Juckreiz wachgehalten. Am Morgen ging es so weiter: Zum Frühstück Weizenbrot mit Nussnugatcreme (echt sinnvoll bei Weizen- und Nussallergie!), zum Mittagessen Weizennudeln mit Fleischsauce. Ich habe nichts davon gegessen, weil ich nicht wollte, dass es mir noch schlechter geht. Folglich musste ich weiter unfreiwillig fasten. Es war nicht möglich, mir Haferflocken, Joghurt pur, Banane/Apfel oder irgendein Gemüse zu geben! Meine zahlreichen Nachfragen, wann ich endlich allergiekonformes Essen erhalten könne, wurden zunehmend unwirsch beantwortet: Es würde eine Schwester kommen, bei der ich das Essen bestellen könne. Genau das hatte ich am Vortag auch schon gehört, als ich statt Abendessen nur „Luft“ bekam. Schließlich kam diese Mitarbeiterin (Krankenschwester oder Diätassistentin war sie nicht). Sie war völlig überfordert. Meine Nachfragen nach weizenfreiem Brot, Kartoffeln mit Quark, Obst, Gemüse und Joghurt wurden mit dem Herunterrattern von 6 verschiedenen Gerichten quittiert, die natürlich auch alle Varianten enthielten, die ich nicht essen darf. Schließlich konnte ich mir für den nächsten Tag Rührei mit Brokkoli aussuchen. Kartoffeln dazu waren nicht vorgesehen, da nur 1 Beilage vom PC-Programm vorgesehen war. Für den Tag selbst konnte ich nichts mehr zu essen bestellen. Als mir klar wurde, dass mir ein weiterer Tag Hungern mit Kamillentee bevorstand, konnte ich nur noch weinen! Mir war inzwischen richtig schlecht vor Hunger, unterzuckert war ich auch. Dazu wurde mir schwindlig. Die Schwestern konnten nicht verstehen, warum ich mich beklagte: Wenn ich so Hunger hätte, könne ich doch das essen, was angeboten wird. Logisch, ein anaphylaktischer Schock ist sooo toll, dass man den bei jeder Mahlzeit wiederholen will, ne? Danke, nee. Meine auswärts studierende Tochter, rief mich an und merkte auch, dass es mir immer schlechter geht. Als sie merkte, dass ich bis zum Folgetag nichts zu essen bekommen würde (nachdem ich am Vortag zu Hause NUR das Frühstück hatte, sonst nichts), schwänzte sie die weiteren Vorlesungen für den Tag, erklärte ihrer Professorin die Lage, bat mich, eine Liste zu schreiben, kaufte als Erstes ein Roggenbrot (ich werde ihr ewig dafür dankbar sein!) und buchte eine Fahrkarte. Nachmittags (meine Tochter war bereits unterwegs) kam eine andere Schwester zu mir ins Zimmer, maß Blutdruck und wunderte sich, warum der so hoch sei. Meiner Meinung nach wegen der Schmerzen und der Übelkeit aufgrund des erzwungenen Hungerns … Als ich aufstehen wollte, wurde mir richtig schwindlig und ich musste mich übergeben. Damit war dann auch das einzige, was ich im Magen hatte (der Kamillentee), draußen! Ich weinte und konnte mich schwer beruhigen. Daraufhin sagte die Schwester zu mir: Warten Sie bitte, ich komme gleich wieder. Sie war die Erste, bei der das auch stimmte! Dann kam sie wieder mit einer Dose Pumpernickel, kleinen Butterportionen und einem Mini-Becher Quark. Mehr hätte die auf die Schnelle nicht gefunden. Ich war echt sprachlos, aus zweierlei Gründen: Erstens, weil das die ganze Zeit auf Station verfügbar war und mir niemand was gesagt hat, und zweitens, weil diese Schwester so unglaublich nett war! Diese Frau ist ein wahrer Engel. Spätabends war meine Tochter da, um meinen Schlüssel zu holen. Sie brachte mir auch ihren Lieblings-Brotaufstrich mit. Der sollte mir noch gute Dienste leisten! Zum Frühstück bekam ich einen Becher Joghurt pur aus der Küche, ansonsten nur Besteck. Ohne das Brot von der lieben Schwester und meiner Tochter hätte ich an dem Tag auch hungern müssen. Zum Mittagessen gab es das Rührei, allerdings eine sehr kleine Portion. Auf dem Teller war sehr viel Luft. Beides zusammen, das Ei und der Brokkoli, hätten auch auf einer Untertasse Platz gefunden! Der Geschmack war okay. Dann kam meine Tochter zurück, mit meinem Koffer, den Medikamenten, die sie finden konnte, und einer großen Einkaufstasche voll mit Obst, Porridge-Mischung, Joghurt, Quark, weiterem Brotaufstrich und Schokolade für die Seele. Da hatte sie schwer zu schleppen gehabt! Ich hatte ja am Aufnahmetag in der Notaufnahme die Ärztin gefragt, ob ich für 2 Stunden (Busverbindung am Wochenende mit ungünstiger Taktung beim Umstieg auf die nächste Linie) nach Hause kann, um Kleidung, Kosmetik, Medikamente und mein allergietaugliches Essen zu holen. Aber nein, das wurde untersagt. Es sei zu gefährlich, es ginge mir zu schlecht. Meine Tochter musste noch am selben Tag zurück, um am nächsten Tag einen Vortrag zu halten. Das Abendessen bestand – von der Klinikküche – aus einem Becherchen Quark pur. Ohne die „Reserven“ aus dem heimatlichen Vorrats-Schrank hätte ich wieder hungern müssen! Auch am Folgetag bestanden Frühstück und Abendessen aus einem leeren Tablett, plus einem Becher Joghurt früh und ein Mal Quark abends. Den Teller musste ich extra anfordern! Da die in der Stationsküche nur Wasserkocher und Kaffeemaschine haben, und keine Schüssel. Meine Tochter brachte mir meine Müsli-Schale von zuhause mit. -> Was für ein lieber Schatz! Nur ist das eigentlich nicht ihre Aufgabe, meine Verpflegung sicherzustellen, sondern die Aufgabe der Klinik. Wofür ist die Zuzahlung pro Tag im Krankenhaus denn sonst da? Meine Medikamente musste ich auch aus meinem eigenen Bestand verbrauchen, weil die davon nichts auf Station hatten und es innerhalb von knapp einer Woche nicht auf die Reihe bekommen, die Sachen zu bestellen, obwohl die lieferbar sind. Am nächsten Tag entpuppte sich das Krautragout (von der Mitarbeiterin für die Essensbestellung in den höchsten Tönen gelobt) als sehr scharfer Paprika-Weißkraut-Kidneybohnen-Mix. Wie bereits erwähnt, vertrage ich keine Paprika, Chili auch nicht. Da ich so großen Hunger hatte, suchte ich die zahlreichen kleinen Paprikawürfel heraus. Das waren insgesamt mehrere Esslöffel voll. Trotzdem war natürlich die Paprika mitgekocht worden. Den restlichen Tag und den folgenden Tag hatte ich starke Bauchschmerzen, eine taube Zunge, Kopfschmerzen und Juckreiz. Gut, dass mein Kind mir die Cortisontabletten mitgebracht hatte. Die musste ich dann einsetzen. An den Folgetagen bekam ich Frühstück und abends 2 Scheiben glutenfreies Brot. Der Geschmack war anders, als ich das von meinem glutenfreien Brot (was ich mitnehme, wenn ich meine Eltern besuche) kenne, die Konsistenz war gleich. Allerdings waren die Scheiben so klein, dass 2 Scheiben nebeneinander noch nicht mal die Größe einer normalen Scheibe Mischbrot entsprachen. Also wieder Hunger. Mittags gab es Rührei mit Brokkoli, sogar mit Kartoffeln, aber fettfrei. Ich habe es dann mit Sahnequark und Apfel ergänzt. Da es kalt genug war, hatte ich Joghurt und Quark aufs Fensterbrett gestellt.

Gut gelaufen:

Zufällig ein Einzelzimmer bekommen, weil kein anderes Zimmer mehr frei war. Die engelgleiche Krankenschwester, die mich am Nachmittag von meiner Null-Nahrungs-Phase erlöst hat.

Schlecht gelaufen:

– keinerlei Kommunikation zwischen Station und Küche – keine Rücksicht auf Allergien und Unverträglichkeiten jeglicher Art – Stattdessen werden einem ausschließlich Lebensmittel angeboten, auf die man bekanntermaßen allergisch reagiert! Wer keine Angehörigen hat, die selbst was mitbringen, ist völlig aufgeschmissen … – Ich habe binnen 2 Tagen über 2 Kilo abgenommen und dabei hatte ich zu dem Zeitpunkt schon ½ Liter Wasser, das Mittagessen, eine Banane und Joghurt (den von zu Hause) im Bauch, als ich gewogen wurde! Bei der 1. Gewichtskontrolle hatte ich einen leeren Magen.

Verbesserungsvorschläge:

– Essen für Neuaufnahmen sollte allergenarm/vegetarisch sein (Kartoffeln/Reis statt Nudeln, Gemüse, Rührei/Tofu) – Auf Station sollte für Sonderfälle was zu essen da sein: etwas Obst, Gurke, gluten- und weizenfreie Kekse/Brot, Haferflocken, Joghurt pur, usw. – Sonst kenne ich es von einer psychiatrischen Tagesklinik so, dass die Ärzte „Sonderkost nach Plan“ verordnen. Das dauerte zwar auch mehrere Tage, bis es funktionierte, aber in der Tagesklinik ist man ja von nachmittags bis morgens „frei“/zu Hause, d. h., kann vorkochen, eigenes Brot backen, usw. – Ernährungsberatung und gesunde Ernährung haben im Krankenhaus erstaunlicherweise keinen hohen Stellenwert. -> WARUM? Wie soll man denn mit einseitiger (oder noch schlimmer: krankmachender Nahrung, weil nicht an Allergie angepasst) Nahrung gesund werden?

Weitere Infos:

S.o.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Normalstation, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ihre Meinung hilft uns!
Bitte helfen Sie mit das Portal weiter zu verbessern, damit unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit noch mehr Menschen erreichen.

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Zurücksetzen

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Zurücksetzen
Ihre Meinung 2/2

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Zurücksetzen

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Zurücksetzen

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team