Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-1178

Es existiert keine Behandlung beim Gastroenterologen

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Facharzt-Überweisung: Wenn Patienten im System feststecken

Ich bin seit Jahren wg. unklarer Bauchschmerzen bei verschiedenen Ärzten in Behandlung. Niemand weiß mehr weiter, daher war meine Idee eine Spezialklinik für Reizdarm aufzusuchen, diese benötigt eine Überweisung vom Facharzt.

Also erstmal zum Hausarzt, nochmal darüber gesprochen, Überweisung zum Gastroenterologen wg. „Behandlung/Mitbeurteilung erbeten“, um das nochmal mit einem Facharzt zu klären und ggf. eine Überweisung zu erhalten.

Diverse Anrufe bei Gastroenterologen führen zu der Auskunft „Behandlung machen wir nicht, wir machen nur spezifische Untersuchungen, die ihr HA explizit nennen muss.“ Mein Hinweis, dass der HA eben nicht weiterweiß und ich eine Beratung brauche, ist egal. Zurück zum HA, Überweisung für eine möglichst wenig invasive Untersuchung erhalten, in der Hoffnung, so wenigstens Kontakt zum Facharzt zu kriegen und beim Vorgespräch vielleicht das eigentliche Thema unterzubringen.

Diverse Anrufe später „Diese Untersuchung (Atemtest) machen wir nicht, wir machen nur Magen-/Darmspiegelungen.“

Gut gelaufen:

Gute Mitarbeit des HA, der hier wieder Mist ausbadet, der nichts mit ihm zu tun hat.

Schlecht gelaufen:

Ich müsste jetzt Schläuche in mich reinstecken lassen, um ein nötiges Gespräch beim Facharzt zu erhalten. Das ist ein risikobehafteter, unangenehmer und überflüssiger Eingriff, der außerdem bereits durchgeführt wurde. Ohne Facharzt komme ich nicht weiter, Fachärzte reden aber selbst mit Überweisung nicht mit mir, wenn ich nicht überflüssigen Behandlungen zustimme. Terminservicestellen helfen mir nicht, weil ich kein Notfall bin. Ich weiß nicht weiter.

Verbesserungsvorschläge:

Unnötiges Hin-und Her, Ärzte machen keine Facharztberatung mehr (selbst wenn man mal einen Termin kriegen würde), Förderung unnötiger Untersuchungen

Weitere Infos:

Als Patient fühlt man sich absolut hilflos und das zieht sich teilweise über diverse Jahre

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wer seit Jahren mit ungeklärten Beschwerden von Arzt zu Arzt geht, ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten, erlebt das als zermürbend – körperlich wie emotional. Dieser Fall zeigt, wie strukturelle Hürden im Gesundheitssystem dazu führen können, dass Menschen trotz großer Eigeninitiative keinen Zugang zu der Versorgung finden, die sie benötigen.

In Deutschland arbeiten Facharztpraxen häufig hochspezialisiert: Manche führen nur bestimmte technische Untersuchungen durch und bieten keine allgemeine Beratung oder Mitbeurteilung an. Das ist für Betroffene, die genau diese Beratung brauchen, eine schwer zu überwindende Hürde – und keine Frage fehlender Ausdauer.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Es gibt verschiedene Wege, die in festgefahrenen Situationen wie dieser neue Möglichkeiten eröffnen können.

  • Gezielt nach Spezialambulanzen oder Ermächtigungsambulanzen fragen: An größeren Krankenhäusern und Universitätskliniken gibt es sogenannte Ermächtigungsambulanzen – das sind spezialisierte Sprechstunden, bei denen Klinikärztinnen und -ärzte auch ambulant, also ohne stationären Aufenthalt, beraten dürfen. Hier ist eine fachärztliche Beratung ohne vorab festgelegte Untersuchung oft möglich. Der Hausarzt oder die Hausärztin kann helfen, eine solche Einrichtung zu finden.
  • Die Überweisung konkret auf Beratung ausrichten: Es ist möglich, gemeinsam mit der Hausarztpraxis eine Überweisung zu formulieren, die ausdrücklich eine Beratungsleistung anfordert – zum Beispiel mit dem Hinweis „Beratung erbeten, keine Untersuchung geplant“. Das kann den Suchprozess erleichtern. Eine mögliche Formulierung: „Ich bitte um eine fachärztliche Einschätzung meiner Beschwerden – eine diagnostische Untersuchung ist nicht das Ziel dieses Termins.“
  • Unabhängige Beratung durch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) in Anspruch nehmen: Die UPD berät kostenlos und trägerübergreifend – auch zu der Frage, welche Versorgungsformen und Anlaufstellen für eine konkrete Situation geeignet sein könnten. Sie ist erreichbar unter 0800 011 77 22 (kostenfrei, Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr).
  • Direkten Kontakt zu Spezialkliniken oder Studienzentren aufnehmen: Einige Spezialkliniken und Forschungszentren – etwa für funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom – nehmen auch Anfragen direkt von Betroffenen entgegen oder vermitteln an geeignete Anlaufstellen. Ein Anruf dort kann klären, welcher Weg zur nötigen Überweisung führt.

Worauf Sie achten können

  • Vor einem Termin telefonisch klären, ob die Praxis auch allgemeine Beratungsgespräche anbietet – und nicht nur spezifische Untersuchungen durchführt.
  • Alle bisherigen Befunde, Überweisungen und Arztbriefe gesammelt und übersichtlich bereithalten, um den Einstieg in ein Gespräch zu erleichtern und Doppeluntersuchungen zu vermeiden.
  • Sich vorab informieren, ob die gewünschte Spezialklinik oder -ambulanz bestimmte Voraussetzungen für eine Überweisung benennt – das spart Umwege.
  • Keine diagnostischen Untersuchungen akzeptieren, die bereits durchgeführt wurden und deren Ergebnisse vorliegen – es ist möglich, das klar anzusprechen: „Diese Untersuchung wurde bereits gemacht, die Ergebnisse liegen vor – ich bitte darum, dass wir darauf aufbauen.“

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team