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2024-1062

Krebs mit typischen Symptomen nicht erkannt, stattdessen Harnwegsinfekt diagnostiziert

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Fallbeschreibung:

Krebsdiagnose verzögert: Harnwegsinfekt statt Tumor erkannt

Anfang 2023 ging es mir nicht gut (Unterleibsschmerzen etc.) somit habe ich als erste Anlaufstelle meine Hausärztin/ meinen Hausarzt aufgesucht. Es wurde ein kompletter Gesundheitscheck gemacht. Es wurde eine Blasenentzündung diagnostiziert. Ausserdem fiel ein geschwollener Lymphknoten auf, diesem wurde aber keine Beachtung geschenkt. Ich bekam ein Antibiotikum und gut. Das hat nicht geholfen, die Schmerzen blieben. Es hat sich dann so entwickelt, dass ich über 4 Wochen lang jede Woche ein anderes Antibiotikum bekommen habe. Ich wurde stutzig und fragte nach, es stellte sich heraus, dass aus welchen Gründen auch immer…(um Kosten zusparen?) …die abgeben Urinprobe nicht einmal an ein externes Labor zur Untersuchung bzw Ermittlung des richtigen Antibiotikums eingeschickt worden ist.

Hätte man dies getan, hätte sich wohl auch herausgestellt, dass es sich nicht um einen Harnwegsinfekt handelte. Es war fortgeschrittener gynäkologischer Krebs, Stadium IV (geschwollener Lymphknoten, Wasser in Lunge etc)

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Als Patient*in nicht ernst genommen worden, typische Symptome nicht erkannt, leider bin ich auch kein Einzelfall, selbiger Allgemeinmediziner*in hat mind. 1 weiteren Krebsfall nicht erkannt (Patient*in ist mittlerweile verstorben)

Verbesserungsvorschläge:

Schulungen, ländliche Arztpraxen sind überlastet da bleibt zu wenig Zeit für Patienten

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine solche Erfahrung ist einschneidend und belastend – anhaltende Beschwerden, wiederholte Behandlungen ohne Besserung und schließlich eine schwerwiegende Diagnose. Es ist wichtig anzuerkennen, dass Patient:innen in dieser Situation auf die Einschätzung und die diagnostischen Entscheidungen ihrer behandelnden Ärztin oder ihres behandelnden Arztes angewiesen sind. Der Spielraum, selbst in den Ablauf einzugreifen, ist dabei strukturell begrenzt.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, die eigene Situation aktiv zu begleiten – besonders dann, wenn Beschwerden trotz Behandlung nicht besser werden.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer merkt, dass eine Behandlung nicht anschlägt oder immer wieder gewechselt wird, kann verschiedene Schritte in Betracht ziehen:

  • Bei ausbleibender Besserung ist es möglich, gezielt nachzufragen, warum die Behandlung geändert wird und ob weiterführende Untersuchungen sinnvoll wären – zum Beispiel: „Die Beschwerden sind trotz mehrerer Antibiotika noch da. Wäre eine Laboruntersuchung des Urins oder eine Überweisung zum Spezialisten möglich?“
  • Eine Laboruntersuchung einer Urinprobe (Urinkultur) dient dazu, den genauen Erreger und das passende Antibiotikum zu bestimmen. Es ist möglich, direkt danach zu fragen, ob diese Untersuchung veranlasst wurde.
  • Auffällige körperliche Veränderungen – wie ein geschwollener Lymphknoten (eine Vergrößerung der Lymphdrüsen, die auf Infektionen oder andere Erkrankungen hinweisen kann) – können aktiv angesprochen werden, auch wenn sie nicht im Mittelpunkt des Gesprächs stehen: „Ich habe bemerkt, dass dieser Bereich geschwollen ist – lässt sich das abklären?“
  • Eine zweite ärztliche Meinung einzuholen ist jederzeit möglich und legitim – etwa bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Gynäkologie oder Innere Medizin. Das ist kein Misstrauensbeweis, sondern ein anerkanntes Mittel zur Absicherung.

Worauf Sie achten können

  • Beschwerden, die sich trotz Behandlung nicht bessern oder nach kurzer Zeit wiederkehren, lassen sich dokumentieren – mit Datum, Art der Beschwerden und bisheriger Behandlung. Das erleichtert Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten.
  • Bei mehrfach wechselnden Antibiotika ohne Labor-gestützte Diagnostik ist es möglich, nach einer Urinkultur oder einem Antibiogramm (einem Test, der zeigt, welches Antibiotikum wirksam ist) zu fragen.
  • Wenn mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten – zum Beispiel Unterleibsschmerzen und ein geschwollener Lymphknoten – kann es sinnvoll sein, diese gemeinsam und vollständig zu schildern, damit das Gesamtbild berücksichtigt werden kann.
  • Eine Überweisung zu einer Fachärztin oder einem Facharzt kann eingefordert werden – das ist ein Recht von Patient:innen in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder Fragen zu Ihren Rechten als Patientin oder Patient haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und unabhängige Beratung an. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihre Erfahrungen anonym melden und damit dazu beitragen, dass andere von ähnlichen Situationen erfahren und besser vorbereitet sind.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

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Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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