Mein Freund befand sich nach einem Klinikaufenthalt, vor vielen Jahren, in einer Langzeittherapie mit Quetiapin. Eine sehr belastende Mobbingsituation und hoher Stress auf seiner Arbeitsstelle führten zu einem Ausnahmezustand, infolgedessen er Verfolgungswahn entwickelte. In der Klinik wurde Ihm das genannte Medikament verabreicht. Seine Situation stabilisierte sich über die Jahre und seine begleitende Gesprächstherapie wurde mit dem Fazit beendet, dass er diese nicht mehr nötig hatte, das Quetiapin wurde reduziert und sollte ausgeschlichen werden.
Als im letzten Jahr die Belastung auf der Arbeit zunahm und er hohem Stress ausgesetzt war, suchte er wieder seinen Therapeuten auf und schilderte dies, seine Dosis wurde auf Anhieb von 50mg auf 150mg erhöht.
Er entwickelte starke Symptome, wie Schlafstörungen, Angstzustände, Herzrasen, das Gefühl innerlich zu brennen, ständigen Bewegungsdrang. Ich riet ihm nochmal zum Arzt zu gehen und dies abklären zu lassen. Ihm wurde ein weiteres Medikament verschrieben, ein Beruhigungsmittel, das er zusätzlich einnehmen sollte.
Mein Freund hat sich das Leben genommen.
Ich kann hier nichts positives erwähnen.
Es gab 3 beteiligte Ärzte. Der Therapeut, ein Psychiater und der Hausarzt, die Medikamente verordnet haben, ohne auf Wechselwirkungen zu achten und, was noch viel wichtiger ist, die nicht auf die Nebenwirkung des Medikaments Quetiapin hingewiesen haben: Suizidgedanken!
Zusätzlich zu dem sedierend wirkenden Medikament Quetiapin, erhielt mein Freund ein Beruhigungsmittel, Lorazepam, was seinen Zustand rapide verschlechterte.
Ebenfalls wurde die Dosis Quetiapin derart sprunghaft erhöht, dass seine anschließenden Symptome hätten beachtet werden müssen.
Mein Freund hatte mit Entzündungen der Haut zutun, was zusätzlich zu seinen Akutsymptomen, eine Nebenwirkung des Medikaments ist. Ihm wurde vom Hausarzt ein Antibiotikum (Ciprofloxacin 750mg) verschrieben, das er 3 Monate einnehmen musste, auch hier gab es Wechselwirkungen. Sein Zustand verschlechterte sich in dieser Zeit deutlich. Mein Freund entwickelte eine Prostataentzündung, auch hier wurde ein Antibiotikum verschrieben, dies musste er 6 Monate einnehmen. Inwieweit das zu der Verschlechterung seines Gesamtzustandes beigetragen hat, vermag ich nicht zu sagen.
Die Absprache zwischen Ärzten, gerade in Bezug auf derart weitreichende Folgen durch Medikamerntenvergabe und deren Nebenwirkungungen, ist meiner Beobachtung nach quasi gar nicht erfolgt.
Dosierung und Höherdosierung von Medikamenten, die in seinem Fall, meiner Recherche nach, nur in kleinen Schritten hätte erfolgen dürfen.
Die Aufklärung über mögliche Suizidgedanken infolge der Höherdosierung ist nicht erfolgt.
Ich bin mir sicher, dass der Tod meines Partners hätte verhindert werden können, wenn die Aufmerksamkeit der behandelnden Ärzte auf seinen Symptomen und seiner Medikation gelegen hätte und wenn es eine Absprache zwischen den behandelnden Ärzten gegeben hätte.
Es macht zusätzlich den Eindruck, als hätten die behandelnden Ärzte keine genaue Kenntnis über die Wirkung und Wechselwirkung gehabt, da kein besonderes Augenmerk darauf gelegt wurde.
Für einen Arzt ist es ein Einzelfall. Aber hier ging ein Leben zuende, eines Vaters, eines Lebenspartners, eines Sohnes, eines Bruders, eines Freundes. Das bitte ich zu beachten. Soetwas hinterlässt Wunden und mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem.
Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis, Psychotherapiepraxis