Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-263

Entlassen trotz aufdringlicher Suizidgedanken

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Suizidgefahr: Patient trotz Suiziddruck aus Klinik entlassen

Im Rahmen der Therapie kam es zu einer Retraumatisierung. Ich bekam starken Suiziddruck. Ich meldete mich wie vereinbart umgehend beim Pflegepersonal. Der zuständige Arzt übersendete mich in die nahegelegene Psychiatrie. Dort entließ man mich wieder und brachte mich zurück in die ursprüngliche Klinik mit dem Argument, weil ich ja bereits in einer psychosomatischen Klinik sein. Zurück in der Klinik gab es ein Gespräch mit dem Chefarzt. Dieser entließ mich daraufhin umgehend mit dem Argument, das man mich nicht weiter behandeln könne…..mit starken Suizidgedanken wurde ich allein gelassen. Ich musste allein zurück fahren und meldete mich im zuständigen Bezirkskrankenhaus….

Gut gelaufen:

Im Grunde gutes Therapiekonzept. Aber die Ärzte warwn total überfordert. Trotz meiner Lebensgeschichte waren sie nicht Traumasensibel.

Schlecht gelaufen:

Entlassung trotz starker und den Ärzten bekannt gegebenen Suizidgedanken.

Verbesserungsvorschläge:

Therapiezeiten sind viel zu kurz…20Min/Woche/Patient…Armutszeugnis. Psychologen haben keine Traumaerfahrung. Geschweige das das Thema Trauma überhaupt thematisiert wird.

Weitere Infos:

Dieser Vorfall hat mich in meinem Therapieerfolg derart zurückgeworfen. Für mich war das unterlassene Hilfeleistung!

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Es ist nachvollziehbar, wie belastend und beängstigend eine solche Situation sein kann – insbesondere, wenn man in einer akuten Krise Hilfe sucht und sich nicht ausreichend aufgefangen fühlt. Wenn im Rahmen einer Therapie belastende Erinnerungen wieder aufbrechen (Fachbegriff: Retraumatisierung), kann das intensive Gefühle auslösen, die eine sofortige Unterstützung erfordern.

Übergänge zwischen verschiedenen Einrichtungen – etwa von einer psychosomatischen Klinik in eine psychiatrische Notaufnahme und zurück – stellen in der Versorgung eine bekannte Schwachstelle dar. In solchen Momenten kann es zu Missverständnissen über Zuständigkeiten kommen, die dazu führen, dass Betroffene ohne ausreichende Begleitung oder Weiterversorgung dastehen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer sich in einer Krise befindet oder eine solche Situation im Voraus bedenken möchte, findet hier einige Möglichkeiten, die in einer ähnlichen Lage hilfreich sein können.

  • Krisenplan vor Therapiebeginn besprechen: Zu Beginn einer stationären oder ambulanten Behandlung ist es möglich, gemeinsam mit dem Behandlungsteam einen schriftlichen Krisenplan zu erarbeiten. Dieser legt fest, was bei akuten Suizidgedanken (also dem dringenden Wunsch, sich das Leben zu nehmen) konkret geschieht – wer informiert wird, welche Schritte folgen und wie eine Entlassung in einer solchen Situation verhindert wird.
  • Zuständigkeiten schriftlich festhalten: Es kann hilfreich sein zu fragen: „Wer übernimmt die Verantwortung für meine Weiterversorgung, wenn ich in eine andere Einrichtung verlegt werde?“ Eine Antwort auf diese Frage lässt sich zu Beginn der Behandlung einholen und schriftlich festhalten.
  • Eigene Belastbarkeit offen ansprechen: Falls bekannt ist, dass bestimmte Therapieinhalte (etwa die Auseinandersetzung mit traumatischen Erlebnissen) starke Reaktionen auslösen können, ist es möglich, das frühzeitig anzusprechen – zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen, dass dieses Thema mich überwältigen könnte. Was passiert dann?“
  • Eine Vertrauensperson einbeziehen: Es ist möglich, eine nahestehende Person vorab zu benennen, die im Krisenfall informiert und einbezogen werden kann – auch wenn man selbst gerade nicht handlungsfähig ist.

Worauf Sie achten können

  • Gibt es in der Einrichtung einen klaren, schriftlichen Krisenplan für den Fall akuter Suizidgedanken?
  • Ist geregelt, was bei einer Verlegung in eine andere Einrichtung mit der Weiterbehandlung passiert – und wer die Übergabe begleitet?
  • Hat das Behandlungsteam Erfahrung mit traumabezogener Therapie (Traumasensibilität) – und ist das für Sie ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Einrichtung?
  • Kennen Sie die telefonischen Krisenanlaufstellen für den Notfall – zum Beispiel die Telefonseelsorge (kostenlos, 24 Stunden erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222)?

Sie sind nicht allein

Erfahrungen wie diese können tief belasten – und es ist wichtig, dass sie nicht ungehört bleiben. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) berät kostenlos und vertraulich zu Fragen rund um Patientenrechte und Versorgungssituationen: 0800 011 77 22 (kostenfrei, Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr).

Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie eigene Erfahrungen anonym melden – jeder Bericht trägt dazu bei, dass solche Situationen in Zukunft besser erkannt und verhindert werden.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, sonstiger Bereich
Geschlecht: männlich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team