Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-1165

Unnötige Fuss-OP

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Sprunggelenkverletzung: Fehldiagnose führt zu unnötiger Fuß-OP

Durch einen Arbeitsunfall (!): Mit dem re. Fuß eine Stufe verfehlt, sozusagen „ins Loch“ getreten und beim aufkommen umgeknickt, wurde der Fuß i. L. d. Nachmittags, am Aussengelenk dick und blau. Sofort nach Arbeitsende bin ich in die Notaufnahme eines Krankenhauses, die diesen Fuß geröngt hat und das auch als AU aufgenommen hat. Diagnose: ‚Sprunggelenksdistorsion. Kein Bruch! Durch Kühlung und hochlegen sollte die Sprunggelenkdistorsion geheilt werden. Da auch nach einer Woche keine Besserung eintrat, führte ich den Fuß einem Orthopäden vor. Der nur durch abtasten und bewegen des Fußes ebenfalls zur Kühlung und Ruhe geraten hat. Und dem Tragen einer Unterstützenden Bandage.

Es wurde nicht als AU aufgenommen! Nach Wochen trat immer noch keine Besserung ein: Das Außengelenk zeigte immer noch blaue Spuren, bei Belastungen wurde der Fuß unangenehm dick, suchte ich den Arzt wieder auf. Dieses Mal untersuchte ein anderer Orthopäde dieser Gemeinschaftspraxis, mit Ambulantem OP. Der Arzt untersuchte per Ultraschall und ordnete eine OP an.

Da ich als Patient keinerlei Wissen hatte, stimmte ich dem zu, und wurde 2 Monate später ambulant an der Ferse (!) operiert, was mich dann stutzig machte: Die zu behandelnde Stelle sitzt im Außenbereich des Gelenks, nicht an der Ferse! Die Fuß-OP wurde durchgeführt, wobei am Fersenknochen (?) ein Teil weggeflext wurde. Sofort nach der OP erklärte der Arzt sein Einverständnis für jegliche Krankschreibungen, „solange ich es wünsche!“ Das hat einen gewissen Verdacht erhärtet, dass diese OP nicht gut gelaufen ist! Diese OP ist über 1 Jahr her: Eine Besserung bezüglich der Belastbarkeit ist nicht eingetreten. Im Gegenteil, dazu kommen nun Probleme beim tragen normaler Schuhe, besonders im Fersenbereich, das Berühren der Ferse beim waschen, eincremen ist sehr unangenehm: Nach Aussage einer Physiotherapeutin sitzt die Narbe sehr ungünstig auf der Ferse, im Achillessehnenbereich, was diese Empflindlichkeit hervorruft.

Ein Tragen von Pumps, Schuhen mit verstärkter Ferse (Winterstiefel, feste Straßenschuhe), Riemchenschuhe, Sneaker etc. ist unangenehm. Der normale Ablauf ist gestört, da nach Belastungen im Bereich der Ferse, Achillesferse, Knöchel-Außenbereich immer wieder Schwellungen und Verfärbungen entstehen. Nach sehr starken Belastungen habe ich das Gefühl, dass ich mit dem Hacken gar nicht mehr auftreten kann. Inzwischen habe ich den Arzt gewechselt, bekomme weiter Physiotherapie (was die andere Praxis auch nicht mehr verschreiben wollte: „Das bringt wenig!“), habe ich eine Kortison-Spritze in die Achillessehne bekommen: Was auch keinerlei Besserung gebracht hat!

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Nach Herausgabe und Durchsicht der Krankenakte, ist mir aufgefallen, dass 1 Monat vor der OP eingetragen wurde: „Fuß re. ohne Befund“. Und dann wurde der Fuß trotzdem operiert?!

Verbesserungsvorschläge:

Orthopäden sollten keine ambulanten OP’s mehr durchführen dürfen! Ein anderer Patient, der am Rücken operiert wurde, hat im Wartezimmer von dem Misslingen seiner OP berichtet. Eine Bekannte wurde an der Hand operiert, vor wenigen Wochen, was auch nicht erfolgreich war! Es sollten nur noch OP’s von Krankenhäusern durchgeführt werden!

Weitere Infos:

Mein Verdacht: Diese Gemeinschaftspraxis führt viele ambulante OP’s durch, damit die Praxis rentabel ist! Die Frau eines der Ärzte ist „zufällig“ auch noch Anästhesistin, so macht sich der „Laden“ bezahlt.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Verletzung, die sich trotz ärztlicher Behandlung nicht bessert, ist belastend – körperlich und emotional. Wenn dann im Nachhinein Zweifel daran entstehen, ob ein operativer Eingriff wirklich notwendig war, kann das zusätzlich verunsichern und das Vertrauen in die medizinische Versorgung erschüttern.

Solche Situationen zeigen, wie komplex die Diagnose und Behandlung von Gelenkverletzungen sein kann. Mehrere Untersuchungen durch verschiedene Behandelnde, unklare Befunde und unterschiedliche Therapieempfehlungen können dazu führen, dass der Weg zur richtigen Behandlung lang und beschwerlich ist. Dabei befinden sich Patient:innen oft in einer Lage, in der sie medizinischen Empfehlungen vertrauen – ohne die Möglichkeit zu haben, deren Richtigkeit einzuschätzen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer sich unsicher fühlt oder Fragen zur empfohlenen Behandlung hat, ist nicht allein. Es gibt einige Möglichkeiten, die zur eigenen Sicherheit beitragen können.

  • Eine Zweitmeinung einholen: Vor einem geplanten operativen Eingriff – also einem Eingriff, der nicht sofort notwendig ist – ist es möglich, eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Das ist ein anerkanntes Recht und kann helfen, Klarheit über die Notwendigkeit und Art einer Operation zu gewinnen. Eine solche Nachfrage könnte lauten: „Ich würde gerne noch eine weitere ärztliche Einschätzung einholen, bevor ich mich entscheide – ist das möglich?“
  • Fragen zur Diagnose und zum Befund stellen: Es ist möglich, sich den Befund erklären zu lassen und nachzufragen, warum ein Eingriff empfohlen wird. Fragen wie „Was genau hat die Untersuchung gezeigt?“ oder „Welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?“ können helfen, die Entscheidungsgrundlage besser zu verstehen.
  • Den geplanten Eingriff im Detail besprechen: Vor einer Operation ist es möglich, gezielt nachzufragen, an welcher Stelle genau operiert wird und was dabei gemacht wird. Stimmt die beschriebene Stelle nicht mit dem überein, was man als Beschwerdeort kennt, kann man das ansprechen: „Meine Beschwerden sitzen eher hier – können Sie mir erklären, warum der Eingriff an dieser anderen Stelle stattfindet?“
  • Krankenakte anfordern: Patient:innen haben das Recht, ihre vollständige Krankenakte einzusehen und Kopien zu erhalten. Das kann helfen, den Behandlungsverlauf nachzuvollziehen – auch im Nachhinein.

Worauf Sie achten können

  • Bei einem geplanten operativen Eingriff ist ausreichend Zeit für eine Zweitmeinung vorhanden – diese Möglichkeit besteht und ist medizinisch üblich.
  • Das Aufklärungsgespräch vor einer Operation erklärt genau, was wo am Körper gemacht wird und welche Risiken damit verbunden sind.
  • Wenn ein Befundeintrag und die daraus folgende Empfehlung widersprüchlich erscheinen – zum Beispiel „ohne Befund“ kurz vor einer geplanten OP –, ist es möglich, diesen Widerspruch direkt anzusprechen.
  • Bei anhaltenden Beschwerden nach einer Behandlung ist ein Wechsel zu einer anderen Praxis oder einem anderen Krankenhaus jederzeit möglich. Eine Weiterbehandlung muss nicht dort stattfinden, wo der Eingriff erfolgte.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Therapeutische Einrichtung (Physio-, Ergo-, Logotherapie, Hebammenhilfe etc.), Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Ihre Meinung hilft uns!
Bitte helfen Sie mit das Portal weiter zu verbessern, damit unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit noch mehr Menschen erreichen.

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Zurücksetzen

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Zurücksetzen
Ihre Meinung 2/2

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Zurücksetzen

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Zurücksetzen

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team