2026-079
Schlechte TIPS Anlage mit Folge: starke Blutung, Reanimation & fast verstorben
Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular
Mir wurde bei vollem Bewusstsein versucht, ein TIPS von Pfortader zur linken Lebervene zu legen (klassisches Vorgehen). Leider war aufgrund zirrhotischer Veränderungen das Leberparenchym so hart, dass dies nicht ging und der Operateur 4 Nadeln verbogen hat. Dann hat man sich entschlossen, den TIPS von Pfortaderast über die mittlere Lebervene direkt in die untere Hohlvene zu legen. Dies schien auch zu funktionieren, aber leider hat man einen viel zu kurzen Shunt dafür gewählt. Da ich schon über 2 Stunden bei vollem Bewusstsein diese Tortur ertragen musste, hat sich der Operateur entschlossen, abzubrechen und am nächsten Tag weiter zu machen.
Am nächsten Tag musste ich dann wieder diese extrem unangenehme Prozedur bei vollem Bewusstsein mit machen, wo eine TIPS Revision mit Verlängerung durchgeführt wurde.
Nach dieser OP hatte ich so viel Wasser in Beinen, Bauch und Genitalbereich, dass schon von einer Elephantiasis gesprochen wurde und es mehr als 3 Wochen dauerte, bis durch viele Diuretika das Wasser endlich ausgeschieden war.
Leider war die Linderung meiner Symptome, weswegen der TIPS gelegt wurde nur von kurzer Dauer und 8 Wochen später wurde ich erneut wegen sehr starker GI Blutungen eingewiesen.
Dort hat man eine Art Draht von einer Varizencoilung entfernt und meinte, das sei es gewesen.
4 Wochen nach meiner Entlassung bekam ich erneut starke GI Blutungen und wurde notfallmäßig in einer anderen Klinik aufgenommen.
Beim Versuch, den TIPS zu korrigieren, bin ich verblutet, Reanimation von über 12 Minuten, Gott sei Dank in einer TOP Klinik, die alles menschenerdenkliche tut, für den Patienten zu handeln und habe dadurch so gut wie keine Folgeschäden erlitten. TIPS wurde dann revidiert und auf den notwendigen Durchmesser gedehnt, Varizen gecoilt und seitdem gab es keine Probleme mehr. Dachte ich zumindest.
Leider hat die erste Klinik nicht nur den TIPS nicht ausreichend aufgedeht, so dass es zu diesen schweren Folgen kam, sondern auch bei der Anlage des TIPS nicht darauf geachtet, wo genau sie den TIPS legen. Und so haben sie den TIPS so nahe an den rechten intrahepatischen Gallengang gelegt, dass dieser bei sitzender Tätigkeit immer abgedrückt wird und somit eine massive intrahepatische Cholestase verursacht.
Diese Cholestase wird nun versucht, durch einen langen Stent ab zu leiten und eine Druckentlastung zu erreichen, dass der anliegende TIPS den Gallengang nicht mehr abdrücken kann.
Sollte dies funktionieren, dann muss alle 3 Monate der Stent erneuert werden und das wahrscheinlich ein Leben lang. Funktioniert dies nicht, dann kann ich nur darauf warten, bis die Cholestase eine Gelbsucht verursacht, die Leber entzündet, und ich dann letztendlich eine Transplantation benötige, die ich ohne diesen massiven Fehler bei der TIPS Anlage nicht brauchen würde.
Ein solcher Verlauf ist außerordentlich belastend – körperlich wie seelisch. Wenn im Rahmen einer komplexen Eingriffsserie schwerwiegende Komplikationen auftreten und eine lebensbedrohliche Situation entsteht, hinterlässt das tiefe Spuren, die lange nachwirken.
Der beschriebene Fall betrifft einen TIPS – einen transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt. Das ist eine Verbindung, die in der Leber zwischen zwei Blutgefäßen angelegt wird, um den Druck im Pfortadersystem (dem Blutgefäßsystem, das Blut aus dem Darm zur Leber führt) zu senken. Dieser Eingriff kommt bei schweren Lebererkrankungen zum Einsatz, etwa wenn es zu gefährlichen inneren Blutungen aus erweiterten Blutgefäßen (sogenannten Varizen) kommt. Der Fall zeigt, wie eine Abfolge technischer Schwierigkeiten, unzureichender Nachsorge und mangelnder Kommunikation zu einem lebensbedrohlichen Verlauf führen kann – und wie entscheidend die Behandlung in einer spezialisierten Klinik letztlich war.
In mehreren Phasen dieses Verlaufs – insbesondere während der Eingriffe selbst und während der Notfallsituation mit Reanimation – gab es für den Betroffenen keinen realistischen Spielraum, aktiv einzugreifen. Das ist wichtig anzuerkennen. Dennoch gibt es Phasen davor und danach, in denen Informationen und Handlungsmöglichkeiten einen Unterschied machen können.
Wer sich einem komplexen Eingriff wie einem TIPS unterzieht oder nach einem schwierigen Krankenhausaufenthalt weiterbetreut wird, kann auf verschiedene Weise zur eigenen Sicherheit beitragen.
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose und neutrale Beratung zu Fragen rund um Behandlungsfehler, Akteneinsicht und Patientenrechte – erreichbar unter 0800 011 77 22 (kostenfrei, Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr). Weitere Informationen und Möglichkeiten zur anonymen Fallmeldung finden Sie auf mehr-patientensicherheit.de – denn jeder berichtete Fall kann dazu beitragen, die Versorgung für alle zu verbessern.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Ein CIRS-Fall zeigt: Knieoperation ohne Sichtung der MRT-Bilder führte zu Narben, Verzögerungen und dauerhaften Beschwerden. Was daraus zu lernen ist.
Fall lesen →Ein Patient erlebte während einer Nierentumor-OP kurzzeitig das Bewusstsein. Lesen Sie den CIRS-Bericht über Anästhesie und Kommunikation im Aufwachraum.
Fall lesen →Nach einer Wirbelkanal-Operation blieben die Beschwerden – ein CIRS-Fall über unvollständige OP, Dura-Verletzung und bleibende Taubheit im Fuß.
Fall lesen →Ein Patient zweifelt, ob seine Dickdarm-Teilentfernung nötig war. Konservative Optionen wurden erst nach der OP besprochen. Ein CIRS-Fall zur Aufklärung.
Fall lesen →Ein Patient erlebte während einer Handgelenk-OP Schmerzen wach mit – weil der Venenzugang verrutschte. Was passierte und was daraus gelernt werden kann.
Fall lesen →Nach dem Wechsel einer entzündeten Hüftprothese trat eine schwere Beinlähmung auf. Ein CIRS-Fall über operative Risiken und ihre Folgen.
Fall lesen →Nach einer Hüft-OP tritt Taubheit am Oberschenkel auf – ein Nerv wurde verletzt. Dazu kam fehlende Nachsorge. Was dieser CIRS-Fall zeigt.
Fall lesen →Ein CIRS-Fall zeigt: Komplikationen bei einer Gebärmutterspiegelung hatten schwere Folgen – Uterusperforation, Kehlkopfschaden und unerfüllter Kinderwunsch.
Fall lesen →Hüftbruch nach Sturz: mangelnde Schmerztherapie, Schraubenfehler, Re-Operationen und widersprüchliche Infos – ein Patientenbericht aus der CIRS-Datenbank.
Fall lesen →Ein CIRS-Fall zeigt, wie eine Wahl der OP-Methode bei Speiseröhrenkrebs zu schweren Komplikationen führte – mit fast 11 Wochen Krankenhausaufenthalt.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team