2024-1520
Physician Assistant gibt sich als Ärztin/ Arzt aus
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In einem onkologischen MVZ wurde meine Mutter – ich war dabei – zu einem Aufklärungs- und Behandlungsgespräch gebeten. Der Raum wirkte auf mich wie ein klassisches Arztzimmer, und es wurde der Eindruck vermittelt, dass die Dame/ der Herr, die/ der uns das Gespräch führte, eine Ärztin/ ein Arzt sei. Wir sprachen sie/ ihn mehrmals als „Frau Dr.“/ „Herr Dr“ an, und sie/ er korrigierte uns nicht.
Sie/ Er erklärte, dass sie/ er die bevorstehende Punktion selbst durchführen würde. Erst durch Gespräche im Wartezimmer mit anderen Patienten und Angehörigen erfuhren wir, dass die Dame/ der Herr tatsächlich keine Ärztin/ kein Arzt ist, sondern eine Physician Assistant (PA). Zudem hörten wir, dass sie/ er zuvor am Empfang der Praxis tätig war, was mich bereits misstrauisch machte.
Von einer weiteren Angehörigen erfuhr ich dann, dass bei einer Punktion, die von dieser/ diesem PA durchgeführt wurde, erhebliche Komplikationen auftraten. Für uns war dies der Anlass, die Praxis zu wechseln, da ich in der Onkologie auf die Behandlung durch ausgebildete Mediziner mit abgeschlossenem Medizinstudium bestehe.
Diese Vorgehensweise erweckte den Eindruck, als würden Patienten und ihre Angehörigen über die tatsächliche Qualifikation der PA bewusst im Unklaren gelassen. Gerade in der Behandlung von Krebspatienten erscheint mir dieses Vorgehen als unethisch und als eine Täuschung von verletzlichen Patienten in einer äußerst belastenden Situation.
Ein Aufklärungsgespräch in der Onkologie – also bei der Behandlung von Krebserkrankungen – ist eine Situation, in der Patient:innen und ihre Angehörigen volles Vertrauen in das Behandlungsteam brauchen. Es ist nachvollziehbar, dass Unsicherheit über die Qualifikation einer behandelnden Person dieses Vertrauen erheblich erschüttern kann.
Im Gesundheitssystem arbeiten neben Ärzt:innen auch andere Fachpersonen, darunter sogenannte Physician Assistants (PAs) – das sind medizinische Fachkräfte mit einer Hochschulausbildung, die Ärzt:innen bei bestimmten Aufgaben unterstützen. Welche Tätigkeiten eine PA eigenständig übernehmen darf, ist gesetzlich geregelt und hängt von der jeweiligen Einrichtung ab. Patient:innen haben ein Recht darauf zu wissen, von wem sie behandelt und aufgeklärt werden – und in welcher Funktion diese Person tätig ist.
Wer möchte, kann bereits zu Beginn eines Gesprächs oder Termins nachfragen, mit wem man es zu tun hat – das ist jederzeit möglich und gehört zur guten medizinischen Praxis.
Wer nach einem belastenden Erlebnis in der medizinischen Versorgung Unterstützung sucht oder Fragen zu Patientenrechten hat, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – kostenlos, anonym und ohne bürokratischen Aufwand. Auf mehr-patientensicherheit.de finden Betroffene und Angehörige weitere Informationen sowie die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu teilen.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
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Die Betriebskrankenkassen:
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