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2024-445

Mangelnde Kommunikation: Verlegungsbrief wurde nicht gelesen – dringende Sectio empfohlen

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Fallbeschreibung:

Ich stellte mich in der 36+6. SSW in der Geburtshilfe einer Klinik vor, um eine äußere Wendung durchführen zu lassen. Bei der CTG-Kontrolle kam es zu einer prolongierten Dezelleration, sodass kein Wendungsversuch durchgeführt wurde und ich erneut für 60 min ans CTG sollte. Da eine weitere prolongierte Dezelleration auftrat, wurde uns geraten, das Baby noch am selben Tag per Sectio zu holen. Da die Klinik über keine Kinderklinik verfügte und wir befürchteten, dass im Falle von Anpassungsstörungen unser Baby ohne mich in eine andere Klinik verlegt werden müsste, wurde ich per Krankentransport liegend in eine andere Klinik mit Level-1-Versorgung verlegt. Dort wurde ein 30-minütiges CTG geschrieben, danach musste ich 5 Stunden auf dem Gang warten, bis uns eine Ärztin/ ein Arzt Aufruf, eine kurze Anamnese erhob und dann zur Übergabe verschwand. Wir warteten also nochmal eine Stunde, bis der nächste Arzt/ die nächste Ärztin kam, nochmal die Anamnese erfragte und eine Sonografie durchführte. Seit dem Auftreten der Unregelmäßigkeiten im ersten Krankenhaus waren bereits 8 Stunden vergangen. Ich wurde zur Überwachung da behalten, auf meine Nachfrage, warum denn nicht wie von der ersten Klinik empfohlen ein Kaiserschnitt durchgeführt werde, bekam ich die Antwort, dass Dezellerationen nichts Schlimmes seien und bei vielen Babys auftreten würden. Ich erklärte nochmal, dass es sich nicht um variable Dezellerationen, sondern um prolongierte Dezellerationen handele, weshalb der Oberarzt/ die Oberärztin aus der ersten Klinik empfohlen hatte, das Baby noch am selben Tag per Sectio zu entbinden. Mein Eindruck war, dass sich die/der diensthabende Ärztin/ Arzt dadurch in ihrer/seiner Autorität angegriffen gefühlt hat, weil ich das Wort „Oberärztin/Oberarzt“ gesagt habe. Er/Sie erklärte mir, dass er/sie schon wisse, was sie tue. Ich blieb zwei Nächte stationär, dreimal am Tag wurde ein 30-minütiges CTG geschrieben. Bei Wehen sollte ich mich neu der Pflege melden – was ich auch tat, da sagte man mir bloß, solange sie nicht regelmäßig seien, sei das alles kein Problem. Ich war verwirrt, wurde mir doch in der ersten Klinik gesagt, dass die prolongierten Dezellerationen darauf hindeuteten, dass mein Baby bei Wehen mangelversorgt sei und es womöglich die Geburtswehen nicht überleben könne. Im Entlassbrief stand „Z. n. variabler Dezelleration“ – ein Fehler, der erklärt, warum der Auftrag der ersten Klinik, mein Baby noch am selben Tag zu holen, nicht aufgegriffen wurde. Der Verlegungsbrief der ersten Klinik wurde offenbar weder von den Ärzten noch den Pflegenden der zweiten Klinik gelesen. Für uns ging alles gut aus, ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass mit mir und meinem Baby alles gut ist, und das auffällige CTG entweder ein Ausreißer oder ein Messfehler war. Ich habe mein Baby termingerecht spontan aus Beckenendlage entbunden – in noch einer anderen Klinik mit Erfahrung mit BEL. Trotzdem hätte es anders ausgehen können für uns.

Gut gelaufen:

Die Hebammen in der ersten Klinik haben uns nach der großen Verunsicherung durch das auffällige CTG sehr gut beruhigt und ermutigt, eine Zweitmeinung in der zweiten Klinik einzuholen und auf unser Gefühl zu hören. Das war sehr wichtig für uns, da der Vorfall mein Vertrauen in mein eigenes Körpergefühl und mein Gefühl für mein Baby erschüttert hat. Es war grundsätzlich auch gut, dass die zweite Klinik erst noch selbst ein CTG erhoben hat und nicht sofort die Sectio gestartet hat.

Schlecht gelaufen:

Dass der Übergabebrief nicht gelesen wurde. Dass wir in der Erwartung, unser Baby werde gleich wegen Mangelversorgung per Kaiserschnitt geholt, auf dem Gang warten mussten und uns immer nur gesagt wurde „die Ärzte kommen gleich“ – 5 Stunden lang. Ich habe mich nicht einmal getraut etwas zu essen (hochschwanger, die letzte Mahlzeit lag 12 Stunden zurück). Dass wir dann kurz vor Übergabe von den Ärzten gesehen wurden, nur um noch eine Stunde zu warten und der nächsten Schicht alles nochmal zu erklären. Dass uns gesagt wurde „mein/e Kollege/ Kollegin kommt gleich und macht den Ultraschall“ und nicht gesagt wurde, dass die Übergabe eine weitere Stunde Wartezeit für uns bedeutet. Dass ich in der zweiten Klinik ständig das Gefühl hatte, keiner wissen Bescheid, warum ich dort bin.

Verbesserungsvorschläge:

Den Verlegungsbrief der ersten Klinik wurde offenbar weder von den Ärzten noch den Pflegenden der zweiten Klinik gelesen lesen! Kommunikation während der Warterei. Statt zu sagen „Der/ Die Arzt/ Ärztin kommt gleich“ lieber ehrlich sein und sagen „keine Ahnung, wann Sie zu Ihnen kommen können, es kann fünf Minuten oder fünf Stunden dauern“ Bessere Übergaben – bei 6 Stunden warten macht es auch nichts, noch weitere 5 min zu warten, bis die Ärzte die Übergabe ihrer Kollegen gelesen haben.

Weitere Infos:

Ich denke es liegt an Personalmangel bei den Klinikärzten. Ich habe selbst im Krankenhaus gearbeitet und weiß, dass die Arbeitsbedingungen dort für die Ärzte extrem schwierig sind. Kaum Einarbeitung, unerfahrene Assistenzärzte*innen übernehmen eigenverantwortlich Nacht- und Wochenenddienste.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Geburt, Kreißsaal, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

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