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2024-1309

Über Nebenwirkungen nicht aufgeklärt.

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Fallbeschreibung:

Nebenwirkungen nicht aufgeklärt: Atorvastatin-Fall

Trotz niedriger Cholesterin-Werte Atorvastatin zur Prophylaxe verschrieben bekommen. Über die Risiken und Nebenwirkungen keine Informationen bekommen. Aus Sorge vor eingebildeten Nebenwirkungen, diese auch nicht gelesen. Schon nach einem Monat Einnahme schwere Muskelschmerzen und ein Sehnenriss am Fußgelenk. Damit zum Arzt. Der geht auf mögliche Nebenwirkungen weiterhin nicht ein. Mit der Zeit kamen noch Atemnot, schwere, krampfartige Hustenanfälle, unsicherer Gang, schwere Schlafstörungen, Schmerzen beim Laufen in den Beinen, Fieber und Durchfall hinzu, bis ich das Medikament endlich eigenmächtig absetzte. Dann habe ich mich genau über die Nebenwirkungen informiert und war psychisch sehr niedergeschlagen darüber, was mir fast acht Monate lang angetan wurde. Das Vertrauen zu meinem Arzt ist zerstört und ich finde nur langsam wieder psychische Stabilität. Aber die körperlichen Beschwerden sind fast alle wieder verschwunden. Auchmein Sehnenriss heilt nun endlich auch

Gut gelaufen:

Ich werde ab jetzt immer gezielt von selbst nach möglichen Nebenwirkungen fragen und mündig entscheiden, ob ich das Risiko eingehen möchte.

Schlecht gelaufen:

Ich fühle mich vom Arzt wie ein unmündiges Kind behandelt, meine Beschwerden wurden nicht als Nebenwirkungen erkannt.

Verbesserungsvorschläge:

Die Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen muss unaufgefordert erfolgen und bei Bedenken des Patienten sollten erst einmal andere Alternativen gesucht werden, als dass man gleich mit so heftigen Tabletten vollgestopft wird.

Weitere Infos:

Ich habe wenig Vertrauen in Ärzte

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Situation wie diese kann tiefgreifende Folgen haben – körperlich wie seelisch. Wenn unerwünschte Arzneimittelwirkungen (also Nebenwirkungen, die ein Medikament auslösen kann) über Monate nicht als solche erkannt werden, bedeutet das für Betroffene nicht nur Schmerzen und Einschränkungen, sondern auch den Verlust von Vertrauen in die eigene Gesundheitsversorgung.

Atorvastatin gehört zur Gruppe der Statine – Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken. Zu den bekannten, teils seltenen Nebenwirkungen zählen Muskelschmerzen, Muskelschwäche und in seltenen Fällen auch Sehnenschäden. Eine vollständige Aufklärung über Nutzen und Risiken vor Beginn einer Behandlung ist ein zentraler Bestandteil guter medizinischer Versorgung – und ein Recht von Patient:innen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer ein neues Medikament verschrieben bekommt, kann von Beginn an aktiv nachfragen – unabhängig davon, ob das Gespräch von ärztlicher Seite von selbst in diese Richtung geht.

  • Direkt nach Nebenwirkungen fragen: Es ist möglich, beim Arztgespräch konkret zu fragen: „Welche Nebenwirkungen sind bei diesem Medikament bekannt, und woran würde ich sie erkennen?“ Das ist kein Misstrauen – sondern informierte Beteiligung an der eigenen Behandlung.
  • Den Beipackzettel als Informationsquelle nutzen: Die Sorge, durch das Lesen des Beipackzettels Beschwerden „einzubilden“, ist verständlich und weit verbreitet. Tatsächlich kann das Lesen helfen, echte Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Bei Unsicherheiten lässt sich der Beipackzettel gemeinsam mit dem Arzt oder der Apotheke besprechen.
  • Neu auftretende Beschwerden ansprechen: Wenn nach Beginn einer neuen Medikamenteneinnahme ungewohnte Symptome auftreten, ist es möglich, diese ausdrücklich mit dem Medikament in Verbindung zu bringen: „Ich habe seit der Einnahme Muskelschmerzen – könnte das mit dem Medikament zusammenhängen?“
  • Eine zweite Meinung einholen: Wenn Beschwerden wiederholt nicht ernst genommen werden oder keine zufriedenstellende Erklärung erfolgt, ist es möglich, eine andere Arztpraxis oder eine unabhängige Beratungsstelle aufzusuchen.

Worauf Sie achten können

  • Vor Beginn einer neuen Dauermedikation gezielt nach Nutzen, Risiken und Alternativen fragen
  • Neu auftretende Beschwerden zeitlich mit dem Beginn einer Einnahme in Verbindung bringen und dokumentieren – zum Beispiel in einem kurzen Tagebuch oder in einer Notiz auf dem Smartphone
  • Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden nicht abwarten, sondern erneut ärztlichen Rat suchen – auch bei einer anderen Praxis
  • Ein Medikament nach Möglichkeit nicht eigenmächtig absetzen, ohne Rücksprache zu halten – bei dringendem Bedarf kann auch die Apotheke kurzfristig beraten

Sie sind nicht allein

Wer nach einer belastenden Erfahrung wie dieser das Vertrauen in die medizinische Versorgung verloren hat, kann sich unabhängige Unterstützung holen – etwa bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), die kostenlos und neutral berät.

Auf mehr-patientensicherheit.de finden Sie weitere Informationen rund um Ihre Rechte als Patient:in und Möglichkeiten, eigene Erfahrungen zu teilen – damit andere davon lernen können.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

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