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2024-1321

Jahrelange Gabe von Tavor durch einen Hausarzt, der jedoch den Patient nur 3 mal gesehen hat

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Fallbeschreibung:

Tavor jahrelang verschrieben – Patient kaum untersucht

Unser Sohn erlitt einen Burn out vor einigen Jahren, den seine damalige Freundin als Depression beschrieb. Ihr Hausarzt kam ins Haus, verschrieb Tavor und weitere Schlafmittel. Unser Sohn stand wochenlang nicht auf, lag nur im Bett. Als er nach Wochen dann doch mal mit zum Hausarzt fuhr, wurde ihm diese Medikamente weiter verschrieben, abgeholt hat die Rezepte jahrelang die Freundin/dann Ehefrau. Unser Sohn hatte sich völlig verändert, war ängstlich, unsicher, instabil und nicht mehr er selbst. Als die Beziehung dann in die Brüche ging, schmiss er den ganzen Medikamentencocktail in die Mülltonne, erlebte unheimlich schwere Wochen und Monate des Entzuges. Warum darf ein Hausarzt solche Medikamente jahrelang verschreiben, ohne den Patienten zu sehen? Nur die Ehefrau hatte mit dem Kontakt – sie ist im übrigen Krankenschwester und kennt solche „Beruhigungsmittel“. Die Ehe ist im Ar…, er ist jedoch mit eigener Kraft und viel Kampf los von diesem Zeug. Er ist diesbezüglich wieder ein lebensfroher und toller Mensch. Nun kämpft er zwar immer noch, jedoch gegen die Ehefrau und nicht mehr mit diesem verfluchten Medikamenten. Die Geschichte ist längst nicht aufgearbeitet, auch wir als Eltern kämpfen aus diesen Gründen für unseren Sohn, der aufgrund seines damaligen Entzugsbildes viele Dinge getan hat, die er im „Normalzustand“ nie getan hätte, nämlich verbal gegen seine Ehefrau vorgegangen ist. Er hat sie nie angegriffen oder gar verletzt, aber durch die verbalen Attacken aufgrund des kalten Entzuges der Medikamente von heute auf morgen, hat er nun Probleme mit Gerichten und Anwälten, die sie eingeschalten hat. Ihr ist bis heute nur Unterstützung zugekommen, unser Sohn hat seinen Weg alleine gekämpft, nur mit unserer Hilfe. Dem Hausarzt und der Noch-ehefrau passiert nichts. Ein Anwalt, den wir zu Rate gezogen hatten, hat uns gesagt(sinngemäß: Wenn Sie viel Geld haben und ganz viel Zeit, kann ich gegen den Arzt und die Ehefrau vorgehen, aber das wird ein langer, langer Weg. Das haben wir nicht, weder Geld noch Zeit. So verläuft diese Sache sicher im Sande, dem Arzt und der Frau passiert nichts, das ist dieses kranke System.

Gut gelaufen:

Bitte an alle, lasst Euch nicht von Euren Partnern/Lebensgefährten/Ehepartnern zu solchen Aktionen: Da hol ich Dir mal ein paar Beruhigungspillen – hinreißen. Geht entweder selbst zum Arzt oder sucht Euch gute Freunde, die Euch in der Zeit unterstützen oder vertraut Euch Euren engsten Familienangehörigen sofort an.

Schlecht gelaufen:

Besonders schlecht ist gelaufen, dass dieser Hausarzt die Medikamente über einen Zeitraum von 4 Jahren verordnet hat und dies in erster Linie nur mit der Ehefrau des Sohnes besprochen hat – sehr lange wurde sogar wöchentlich am Telefon besprochen, wie es ihm so geht, ob er Fortschritte macht, ob er früh aufsteht usw. niemals darf sowas passieren; entweder der Patient ist bereit selbst zu sprechen oder die Sprechstunde zu besuchen oder die Medikamente werden nicht mehr verordnet.

Verbesserungsvorschläge:

Niemals dürfen solche Medikamente wie Tavor einfach nur über Jahre verordnet werden, wenn der Patient nicht selbst in der Praxis erscheint. Die Mittel sind nicht einfach so zu verschreiben, sondern nur nach eindeutiger Klarstellung des Krankheitsbildes.

Weitere Infos:

Es hat selbst uns als Eltern im Rentenalter unendlich viel Kraft und Ausdauer gekostet. Wir sind selbst nun angeschlagen, seelisch und körperlich an unseren Grenzen. Wir warten nun auf das Gerichtsverfahren gegen unseren Sohn u.a. wegen „Beleidigung, Verleumdung“ und weiteren Müll unserer Nochschwiegertochter. Es wird ein langer Weg, der weitergeht, ohne dass die Menschen, die dies wirklich zu verantworten haben, zur Verantwortung gezogen werden, sondern die, die diese Geschichte erlebt haben. Das ist unser Sohn, der sich nun wieder ins Leben und den Alltag zurück kämpfen muß.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Dieser Fall zeigt, wie tief eine solche Erfahrung nicht nur den direkt betroffenen Menschen, sondern auch sein gesamtes nahes Umfeld erschüttern kann. Was die Familie hier über Jahre durchlebt hat, ist außerordentlich belastend – und die Nachwirkungen dauern an.

Tavor (Wirkstoff: Lorazepam) gehört zur Gruppe der Benzodiazepine – das sind Medikamente, die beruhigend und angstlösend wirken, aber bereits nach wenigen Wochen regelmäßiger Einnahme zu körperlicher Abhängigkeit führen können. Ein Absetzen ohne ärztliche Begleitung kann schwere Entzugserscheinungen auslösen. In diesem Fall wurde das Medikament über mehrere Jahre verordnet, ohne dass der Patient regelmäßig persönlich in der Praxis gesehen wurde. Der direkte Kontakt zwischen Arzt und Patient fehlte dabei weitgehend – medizinische Informationen liefen stattdessen über eine dritte Person.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Für Menschen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden oder Angehörige begleiten, gibt es einige Möglichkeiten, die zur eigenen Sicherheit beitragen können.

  • Wenn jemand aus dem Familien- oder Freundeskreis erkrankt und ein Arzt aufgesucht wird, ist es möglich, darauf zu bestehen, dass der Patient oder die Patientin – soweit es der Zustand erlaubt – persönlich in die Behandlung einbezogen wird. Ein möglicher Einstieg in das Gespräch: „Kann ich meinen Sohn / meine Tochter beim nächsten Termin selbst mitbringen, damit er oder sie direkt mit Ihnen sprechen kann?“
  • Bei Medikamenten, die eine Abhängigkeit verursachen können, ist es möglich, gezielt nachzufragen: „Wie lange ist diese Behandlung geplant, und wann wird sie gemeinsam überprüft?“ Ein gutes Behandlungskonzept sieht regelmäßige Kontrolltermine mit dem Patienten oder der Patientin selbst vor.
  • Wenn Rezepte über längere Zeit ohne persönlichen Arztkontakt über eine dritte Person abgeholt werden, kann das ein Hinweis sein, dass die medizinische Beobachtung des Verlaufs eingeschränkt ist. Es ist möglich, in solchen Situationen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – zum Beispiel bei einer anderen Hausarztpraxis oder bei einem Facharzt für Psychiatrie oder Neurologie.
  • Angehörige, die sich Sorgen machen, können sich auch an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. Die UPD berät kostenlos und unabhängig zu Fragen rund um Medikamente, Behandlungen und Patientenrechte.

Worauf Sie achten können

  • Benzodiazepine wie Tavor sind laut Fachinformation in der Regel nur für einen kurzen Zeitraum vorgesehen. Eine Verordnung über Monate oder Jahre ohne regelmäßige persönliche Kontrolle des Patienten oder der Patientin ist ein Zeichen, das eine Nachfrage rechtfertigt.
  • Rezepte für Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial sollten grundsätzlich nur nach einem persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient ausgestellt werden – nicht allein auf der Grundlage von Berichten durch Dritte.
  • Veränderungen im Verhalten, der Stimmung oder der Persönlichkeit eines nahestehenden Menschen, der Medikamente einnimmt, können mit der Medikation zusammenhängen. Ein solches Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson ist jederzeit möglich.
  • Ein eigenständiger, abrupter Entzug von Benzodiazepinen ist medizinisch riskant. Wenn ein Absetzen gewünscht wird, ist eine ärztlich begleitete schrittweise Reduktion die sicherere Möglichkeit.

Sie sind nicht allein

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose und vertrauliche Beratung für Betroffene und Angehörige an – auch zu Fragen rund um Medikamente und Patientenrechte: www.patientenberatung.de.

Weitere Informationen und die Möglichkeit, eigene Erfahrungen anonym zu teilen, finden Sie auf www.mehr-patientensicherheit.de – damit andere von Ihren Erlebnissen lernen können.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: männlich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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