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2025-289

Wegeunfall wurde zur Lüge erklärt

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Fallbeschreibung:

Wegeunfall: Fehleinschätzung beim Durchgangsarzt

Ich kam in die Praxis eines Durchgangsarztes, weil ich einen Wegeunfall hatte: Mir ist ein Auto hinten auf meines aufgefahren.
Nachdem der Schock weg war, fingen die Schmerzen an. Da aber Wochenende war, dachte ich, ich kann bis Montag warten. Die Schmerzen im Nacken und noch mehr in der LWS wurden immer schlimmer. Ich durfte dennoch 5 Stunden warten, bis ich überhaupt zum Röntgen kam. Dort wurde nur die LWS geröngt, weil ich gesagt hatte, dass da die größten Schmerzen sind.
Der Arzt sah sich das Röntgenbild an und sah, dass ich eine Skoliose habe. „Na, da wissen wir ja, woher es kommt“ Die Schmerzen habe ich aber erst seit des Unfalls… „Nun, das kann getriggert sein; Grund dafür bleibt aber die Skoliose und… wenn ich Sie so ansehe: kein Wunder bei dem Übergewicht – da sollten Sie mehr Sport machen und weniger essen.“
Ich habe Lipödeme… „Lipödeme, haha, eine gern genommene Ausrede von Patienten wie Ihnen. Da müssten Sie ja auch Kompressionswäsche tragen…“ Trage ich, an Armen und Beinen, wie Sie sehen sollten… „Oh, ich dachte, das wäre nur eine enge Leggins… Ja, nee trotzdem, Sie machen zu wenig.“ Da kann ich Ihnen einige Zeugen nennen, die genau wissen, dass ich viel Sport treibe und mich gesund ernähre. Das ist aber auch gar nicht das Thema… „Nun, Patienten lügen immer. Das hier ist auf jeden Fall KEIN BG-Fall, schönen Tag noch.“

Für 6 Stunden Aufenthalt mit Schmerzen… bekam ich nur eine Bescheinigung, dass ich dort war. Mein Arbeitgeber blieb auf seinem Arbeitsausfall hängen. Auf Nachfrage bzgl. AU hieß es von der Praxis, ich soll doch einfach Urlaub nehmen.

Gut gelaufen:

Nichts!

Schlecht gelaufen:

Im Prinzip alles!

Verbesserungsvorschläge:

Alles. Vor allem der Umgang mit Menschen, die nicht der gewünschten „Norm“ entsprechen. Und das Ernstnehmen von Symptomen.

Weitere Infos:

Diskriminierendes Verhalten scheint kein Einzelfall von Ärzten zu sein. Gleichgültigkeit kommt noch dazu. Keine Hilfe, in keiner Weise.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Nach einem Unfall mit Schmerzen ärztliche Hilfe zu suchen ist das Richtige – und es ist belastend, wenn man dabei das Gefühl bekommt, nicht ernst genommen zu werden. Situationen wie diese, in denen Beschwerden auf vorbestehende Befunde oder den Körper der betroffenen Person zurückgeführt werden, ohne die eigentliche Unfallursache zu prüfen, können dazu führen, dass notwendige Schritte – wie die Anerkennung als Berufsgenossenschaftsfall (kurz: BG-Fall, d. h. ein durch die gesetzliche Unfallversicherung anerkannter Arbeits- oder Wegeunfall) – ausbleiben.

Ein Durchgangsarzt (kurz: D-Arzt) ist eine speziell zugelassene Ärztin oder ein speziell zugelassener Arzt, der Arbeits- und Wegeunfälle im Auftrag der gesetzlichen Unfallversicherung beurteilt. Seine Einschätzung hat direkte rechtliche und finanzielle Konsequenzen für Betroffene. Es ist wichtig zu wissen: Eine vorbestehende Erkrankung schließt die Anerkennung eines Wegeunfalls grundsätzlich nicht aus – maßgeblich ist, ob der Unfall ursächlich an den aktuellen Beschwerden beteiligt war.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Einige Möglichkeiten können dabei helfen, die eigene Situation besser zu dokumentieren und rechtliche Ansprüche zu sichern.

  • Den Unfallhergang schriftlich festhalten: Unmittelbar nach einem Unfall ist es möglich, Datum, Uhrzeit, Ort, Ablauf und erste Symptome zu notieren – auch auf dem Smartphone. Diese Aufzeichnung kann bei späteren Rückfragen hilfreich sein.
  • Alle Beschwerden benennen: In der Sprechstunde ist es möglich, alle Körperstellen zu nennen, die schmerzen – nicht nur die mit den stärksten Beschwerden. Eine Formulierung wie „Ich habe seit dem Unfall Schmerzen im Nacken und in der Lendenwirbelsäule – ich möchte, dass beides dokumentiert wird“ kann dabei helfen, den vollständigen Befund festzuhalten.
  • Aktiv nach der BG-Einstufung fragen: Es ist möglich, direkt zu fragen: „Wird das als Wegeunfall bei der Berufsgenossenschaft gemeldet? Wenn nicht, was ist der Grund dafür?“ – und zu bitten, die Begründung schriftlich zu erhalten.
  • Eine zweite ärztliche Meinung einholen: Bei Zweifeln an der Einschätzung des D-Arztes ist es möglich, eine andere D-Arzt-Praxis aufzusuchen oder die zuständige Berufsgenossenschaft direkt zu kontaktieren. Die BG kann auch eigenständig tätig werden, wenn ein Versicherter einen Unfall meldet.

Worauf Sie achten können

  • Wegeunfälle lassen sich direkt bei der eigenen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse melden – unabhängig davon, was der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin entschieden hat.
  • Vorbestehende Erkrankungen (wie eine Skoliose oder ein Lipödem) schließen eine Unfallkausalität nicht automatisch aus – diese Einschätzung steht dem D-Arzt zu, kann aber angefochten werden.
  • Kompressionsmittel, Hilfsmittel oder Behandlungsunterlagen, die eine vorbestehende Erkrankung belegen, lassen sich bei der Konsultation vorzeigen und dokumentieren lassen.
  • Diskriminierende oder entwürdigende Äußerungen im Behandlungskontext können der Ärztekammer gemeldet werden – das ist ein legitimes Recht und kein ungewöhnlicher Schritt.

Sie sind nicht allein

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose und neutrale Beratung zu Patientenrechten – auch bei Fragen zur Unfallversicherung und zur Abwehr diskriminierender Behandlung. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihre Erfahrung anonym melden und damit dazu beitragen, dass ähnliche Situationen sichtbar werden und sich etwas verändert.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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