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2025-027

Fast 10 Jahre bis zur Diagnose Rheuma – Einstufung von Frauen viel zu schnell als „psychisch“

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Fallbeschreibung:

Rheuma-Diagnose nach 10 Jahren: Frauen in der Medizin

Vor knapp 10 Jahren fing es an mir körperlich schlecht zu gehen. Die Leistungsfähigkeit nahm stark ab. Ich litt unter starken Bauchschmerzen und starkem Schwindelgefühl, Schmerzen in den Knochen und Weichteilen.

Die Ärzte schickten mich zu verschiedenen Untersuchungen, die kein Ergebnis ergaben. Das einzige, was man gefunden hatte, waren Tachykardien, gegen die ich ein Medikament bekam. Das zweite Medikament hat auch geholfen, aber nur gegen Schwindel.

Die Knochen- und Gelenkschmerzen hielten weiter an, meine Leistung war weiterhin stark gemindert. Von den Ärzten hörte ich immer nur, es ist alles psychisch und ich sollte Sport machen. Dabei bin ich eine Person, die sich immer viel bewegt hat. Aber gerade bei sportlicher Betätigung hatte ich immer das Gefühl, als wenn mich etwas blockierte, mich zu bewegen und meine Leistung zu steigern.

An einem Tag des Herzen, bei dem es um Karditis ging, kamen die Symptome mir sehr bekannt vor. Der Hausarzt wollte aber nichts davon wissen. Stufte alles nur an psychisch ein und sagte, er könne mit so viel Symptomen nichts anfangen. Auch ein Arztwechsel brachte hier keine Besserung.

Selbst als ich zum Gutachter zur Einstufung in die Erwerbsminderungsrente musste, wurde ich als Frau nicht ernst genommen. Es wurde sogar im Gutachten behauptet, ich könnte hauswirtschaftliche Tätigkeiten ausführen und damit wäre die Rente abgelehnt. Bei einem Mann wäre dieses Manko nicht passiert!

Heute nach 10 Jahren habe ich endlich meine Diagnose, Rheuma, und kann die Symptome dem Rheuma zuordnen. Die Diagnose ist nur zustande gekommen, weil mein Orthopäde meinen Wunsch unterstützt hat, in eine Rheumaklinik zugehen.

Mittlerweile habe ich zum Glück auch eine neue Ärztin gefunden. Als Diplom-Pflegewirtin habe ich genügend Psychologie und Soziologie gelernt, um zu erkennen, das wir Frauen immer noch viel zu schnell nur als psychisch eingestuft werden und nicht ernst genommen werden.

Die Ärzte machen sich keine genauen Gedanken über die Symptome. Das hat etwas mit dem völlig veralterten Rollenbild der Frau zu tun und auch damit, dass die Medizin nur männlich geprägt war und zu Forschungen immer nur Männer herangezogen wurden.

Somit blieben die Symptome bei Frauen unerklärlich. Ich wünsche mir, dass sich in der Medizin das Rollenbild der Frau endlich ändert, und unbekannte Symptome nicht immer gleich als psychisch eingestuft werden, sondern die Ärzte/tinnen sich Gedanken machen, welche Erkrankungen dahinterstecken könnte.

Leider werden in schwierigen Fällen auch Männer sehr leicht als psychisch eingestuft.

Gut gelaufen:

Dass mein Orthopäde sich über die Meinungen von 2 Rheumatologen, die mir diagnostiziert haben, dass ich kein Rheuma habe, hinweggesetzt hat, und mich eine Rheumaklinik eingewiesen hat. Das hat leider auch 9 Jahre gedauert.

Schlecht gelaufen:

Das Verhalten der Ärzte/tinnen, mich immer nur als psychisch einzustufen, ohne genau nachzufragen und nachzudenken.

Verbesserungsvorschläge:

Die Veränderung in der Medizin generell, dass die Ärzte/tinnen genauer hinsehen, genaue Diagnostik betreiben, Patienten/tinnen genau befragen und nicht alles gleich was schwierig ist als psychisch einstufen. Dazu muss sich aber auch die Ausbildung der Ärzte gravierend ändern.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wenn körperliche Beschwerden über lange Zeit bestehen, aber keine eindeutige Ursache gefunden wird, ist das für Betroffene eine besonders belastende Situation – körperlich wie emotional. Wie dieser Fall zeigt, kann es in solchen Konstellationen vorkommen, dass Symptome vorschnell als psychisch bedingt eingeordnet werden, ohne dass alle möglichen körperlichen Ursachen systematisch geprüft wurden.

Forschung und Praxis zeigen, dass Frauen bei unklaren oder vielschichtigen Beschwerdebildern häufiger als Männer mit der Einschätzung konfrontiert werden, ihre Symptome seien psychischer Natur – ein Umstand, der in der medizinischen Fachwelt zunehmend diskutiert wird. Für Betroffene kann das bedeuten, dass eine körperliche Diagnose erst sehr spät gestellt wird.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer über längere Zeit mit ungeklärten Beschwerden lebt, kann verschiedene Wege nutzen, um die eigene Versorgung aktiv mitzugestalten.

  • Beschwerden systematisch dokumentieren: Ein Symptomtagebuch – also eine schriftliche Aufzeichnung von Art, Häufigkeit, Stärke und Zeitpunkt der Beschwerden – kann es Behandelnden erleichtern, Muster zu erkennen. Wer seine Symptome geordnet vorlegt, kann damit die Grundlage für eine gründlichere Diagnostik schaffen.
  • Den eigenen Verdacht ansprechen: Es ist möglich, im Gespräch konkret nach bestimmten Erkrankungen zu fragen, die einem selbst bekannt vorkommen – etwa nach einem Hinweis aus einer Veranstaltung oder aus zuverlässigen Informationsquellen. Eine Formulierung könnte sein: „Ich habe von einer Erkrankung gehört, deren Beschreibung meinen Symptomen ähnelt – wäre es möglich, das gezielt abzuklären?“
  • Eine zweite oder dritte Meinung einholen: Bei anhaltenden ungeklärten Beschwerden ist der Wechsel zu einer anderen Praxis oder die gezielte Überweisung an eine Fachklinik eine legitime Möglichkeit. Wie dieser Fall zeigt, kann gerade die Einweisung in ein Spezialisierungszentrum – hier eine Rheumaklinik (eine auf Gelenk- und Bindegewebserkrankungen spezialisierte Einrichtung) – entscheidend sein.
  • Unterstützung durch Behandelnde einfordern: Wenn ein Facharzt oder eine Fachärztin in der eigenen Umgebung den eigenen Anliegen offen gegenübersteht, kann es hilfreich sein, diese Person gezielt um Unterstützung bei Überweisungen oder der Koordination weiterer Abklärungen zu bitten.

Worauf Sie achten können

  • Wenn körperliche Beschwerden über Wochen oder Monate anhalten und keine Erklärung gefunden wird, ist es möglich, ausdrücklich nach einem strukturierten Diagnoseplan zu fragen – also danach, welche weiteren Ursachen noch geprüft werden.
  • Die Einschätzung, Beschwerden seien „nur psychisch“, schließt eine körperliche Ursache nicht aus. Beides kann nebeneinander bestehen – und beides verdient eine sorgfältige Abklärung.
  • Selbstrecherche in seriösen Quellen (z. B. Patientenorganisationen zu bestimmten Erkrankungsbildern) kann dabei helfen, das eigene Beschwerdebild einzuordnen und gezielt Fragen zu stellen.
  • Wer das Gefühl hat, im Gespräch mit Behandelnden nicht ausreichend gehört zu werden, kann eine Vertrauensperson zur nächsten Konsultation mitbringen – als Unterstützung und um gemeinsam Fragen zu stellen.

Sie sind nicht allein

Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder Unterstützung im Umgang mit dem Gesundheitssystem sucht, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – kostenlos und vertraulich. Weitere Informationen und Berichte aus der Praxis finden Sie auf mehr-patientensicherheit.de.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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