2025-053
Delir und verstorben: Zu viele Medikamente bei einer Seniorin in Frühreha
Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular
Meine Mutter (Ende 80 Jahre alt), die sich noch selbst versorgt hatte und sehr rüstig war, hatte einen leichten Schlaganfall, der vom Akutkrankenhaus auch optimal behandelt wurde.
Bis auf Schluckstörungen ging es ihr so gut, dass sie mit dem Rollator schon auf den Flur durfte, wo sie einige Runden drehte. Es gab tägliche Physiotherapie und die Therapeuten war alle zufrieden mit meiner Mutter. Die Ärzte stellten uns vor die Wahl. Entweder könnte sie nach Hause oder in eine Frühreha, um noch beweglicher zu werden.
Leider entschieden wir uns für die Frühreha. Wir merkten gleich, dass in dieser Klinik für Frühreha alles anders war. Pflegepersonal und Ärzte sehr desinteressiert, kaum Physiotherapie. Wenn man mit den Stationsärzten reden wollte, musste man 10 Tage vorher einen Termin ausmachen.
Wir wurden nicht mal informiert, dass sich der Zustand meiner Mutter verschlechtert hatte und waren erschrocken zu sehen, dass sie nur noch im Bett lag und im Delir war. Ich musste im Vorbeigehen mit dem zuständigen Stationsarzt auf dem Flur reden und bekam als Antwort, dass es vielleicht an den vielen Medikamenten liegen könnte und es seien ja über 12 Medikamente.
Ich war geschockt. Während man ihr in der Akutklinik 7 Medikamente gab, waren es in dieser Klinik nun 12. Auf mein Bitten hin ließ man die sehr starken Medikamente weg und es ging ihr besser. Doch zwei Wochen später das gleiche. Wieder im Delir.
Die unprofessionellen Stationsärzte versuchten ständig neue Medikamente, so dass am Ende über 15 Medikamente verabreicht wurden. Unsere liebe Mutter starb. Woran haben wir nie erfahren.
Von den achselzuckenden empathielosen Stationsärzten wurde uns gesagt, dass unsere Mutter halt alt und krank war.
Meine Geschwister und ich sind sicher, manche kranke Senioren halten die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen nicht aus, so dass es ihnen immer schlechter geht und versterben. Sie sterben nicht an ihren Krankheiten, sondern an der falschen Behandlung.
Der Verlust eines nahestehenden Menschen unter solchen Umständen ist erschütternd – und die Hilflosigkeit, die entsteht, wenn man sieht, wie sich der Zustand einer geliebten Person verschlechtert, ohne ausreichend informiert oder einbezogen zu werden, ist eine schwere Last. Situationen wie diese zeigen, wie verletzlich ältere Menschen in der stationären Versorgung sein können – und wie viel von einer funktionierenden Kommunikation zwischen Behandlungsteam und Angehörigen abhängt.
Ältere Patient:innen erhalten häufig mehrere Medikamente gleichzeitig – Fachleute sprechen von Polypharmazie. Je mehr Präparate gleichzeitig eingenommen werden, desto größer ist das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen und Nebenwirkungen. Ein Delir – ein plötzlicher Verwirrtheitszustand – kann bei älteren Menschen eine Folge solcher Wechselwirkungen sein, wird aber nicht immer sofort als solches erkannt oder entsprechend behandelt. In einer Situation wie dieser hatten Angehörige nur begrenzten Handlungsspielraum: Medizinische Entscheidungen lagen beim behandelnden Team, und der Zugang zu Informationen und Ansprechpersonen war nach den Schilderungen stark eingeschränkt. Das ist wichtig anzuerkennen.
Auch wenn sich nicht jede Situation beeinflussen lässt, gibt es Möglichkeiten, als Angehörige aktiv zu bleiben und auf Veränderungen aufmerksam zu machen.
Wenn Sie als Angehörige eine ähnliche Erfahrung gemacht haben oder Fragen zu Ihren Rechten haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und unabhängige Beratung an. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihre Erfahrungen anonym melden und damit dazu beitragen, dass solche Situationen sichtbar werden und sich etwas verändert.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Ein 15 Monate altes Kind entwickelte schwere Hypothermie durch unerwärmte Infusionen. Dieser CIRS-Fall zeigt, wie einfache Maßnahmen Leben schützen.
Fall lesen →Ein Patient erhielt jahrelang ein Immunsuppressivum bei fraglicher Diagnose. Erst ein Arztwechsel brachte Klarheit – und deutliche Besserung.
Fall lesen →Wiederholte Unterzuckerungen bei einer Typ-1-Diabetikerin in der Frühreha – weil Angehörige mit Fachwissen nicht eingebunden wurden. Ein CIRS-Fall über Kommunikation.
Fall lesen →Ein Parkinson-Patient erhielt in der Reha das ungeeignete Medikament MCP – mit schwerwiegenden Folgen. Was dieser CIRS-Fall für die Patientensicherheit bedeutet.
Fall lesen →Ein Bisphosphonat-Präparat wurde ohne Untersuchung verordnet und im Liegen eingenommen – mit tödlichen Folgen. Was dieser CIRS-Fall lehrt.
Fall lesen →Eine Seniorin erhielt mehrfach blutdrucksenkende Mittel und wurde zu früh entlassen. Wie kam es dazu? Ein CIRS-Fall über Risiken in der Notaufnahme.
Fall lesen →CIRS-Fall: Propofol für mehrere Patienten genutzt, kaum Monitoring bei ambulanter Narkose. Was das bedeutet und wie Sicherheit aussehen sollte.
Fall lesen →Eine Patientin erhielt vor ihrer Brust-OP versehentlich ihre Blutdruckmittel als Beruhigungsmittel. Ein CIRS-Fall über Sicherheit bei der Medikamentengabe.
Fall lesen →Eine Patientin erhielt im Krankenhaus notwendige Medikamente nicht – mit schwerwiegenden Folgen. Ein CIRS-Fall über Kommunikation und Arzneimittelsicherheit.
Fall lesen →Ein Patient bemerkt selbst unklare Dosierungen seines Medikaments. Was dieser CIRS-Fall über Kommunikation und Arzneimittelsicherheit lehrt.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team