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2026-004

Lungenentzündung, Sepsis und Monate danach die gleichen Bakterien im künstlerischen Kniegelenk

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Fallbeschreibung:

Verzögerte Notfallversorgung: Sepsis bei älterer Patientin

Meine Anfang 80-jährige Mutter ist im Sommer, nachdem sie 3-4 Wochen zuvor starken Husten hatte, an einem Infekt mit Fieber und starkem Schüttelfrost erkrankt. Ich habe täglich in der Hausarztpraxis angerufen und um einen Hausbesuch gebeten. Der Hinweis, dass meine Mutter keine Kraft hat zu kommen, sie zwei künstliche Kniegelenke hat und Z. n. Lungenembolie vor ein paar Jahren, hätte der Praxis ja bekannt sein müssen. Da ich im Infektionsschutz tätig bin, habe ich auch darauf aufmerksam gemacht, dass sich bei älteren Menschen oftmals eine 2te Infektion darauf setzt und meine Mutter ja vor ein paar Wochen erst diesen Infekt mit dem Husten hatte. Die MFA sagte, wegen Fieber kommt der Arzt nicht. Meine Mutter wollte nicht ins Krankenhaus. Am Freitag ging es Ihr so schlecht, dass wir den kassenärztlichen Notdienst um einen Hausbesuch bitten mussten. Man hat uns einen Besuch um 20 Uhr abends versprochen. Es kam kein Arzt. Samstag habe ich erneut 116117 angerufen und gesagt, dass es meiner Mutter immer schlechter geht. Die waren verwundert, das der Arzt nicht da war. Am Vormittag hat sich der diensthabende Arzt gemeldet und sich entschuldigt, es war soviel los. Er könnte erst gegen 15:00 Uhr kommen. Er kam am 15:00 Uhr und hat den Rettungsdienst für die Fahrt ins Krankenhaus gerufen. Der Rettungsdienst brauchte weitere 2-3 Stunden bis er frei war und hat dann abends meine Mutter ins Krankenhaus gefahren.

Gut gelaufen:

Die Arzthelferin hat sich bei mit entschuldigt, nachdem meine Mutter aus der Klinik kam. Der Arzt hat wohl nach Rücksprache mit Ihr nach dem Namen meiner Mutter gefragt, den hatte sie aber vergessen (obwohl ich täglich angerufen hatte). Der Hausarzt hätte sonst zurück gerufen da er meine Mutter kennt. Da die Krankengeschichte erst im Ende 2025 mit Bakterien im Knie und Knietepausbau richtig losgegangen ist, mit zusätzlich weiteren Komplikationen (Entlastung für 7 Wochen mit Zementplombe im Bein und keinem Hinweis der Klinik über Dekubitus Grad 3 am Steiss + in der Reha Patellaluxation, nach Sturz, der von den behandelnden Ärzten nicht entdeckt wurde, obwohl das Bein plötzlich keine Kraft mehr hatte, später kam es dann noch zu einer Perineuslähmung durch den über Wochen abgedrückten Perinaeus. Erst bei der Kontrolle in der operierenden Klinik ist die Luxation der Patella aufgefallen und musste operiert werden. Hätte die Rehaklinik rechtzeitig reagiert hätte sie einfach wieder zurück geschoben werden können). Nach all dem hat der Hausarzt vor lauter schlechtem Gewissen alles für meine Mutter getan.

Schlecht gelaufen:

Dass ich nicht selbst mit dem Arzt tel. sprechen konnte und von der Arzthelferin immer wieder mit den Worten „bei Fieber kommt der Arzt nicht“ abgespeist worden bin. Siehe oben: Sturz in Rehaklinik mit unzureichender Versorgung/Abklärung danach. Ich habe, nachdem die Patellaluxation festgestellt wurde, den Chefarzt der Rehaklinik angerufen und ihm von der neuen Diagnose erzählt und dass meine Mutter erneut operiert wird berichtet und ihn gebeten, sollte nochmal ein Pat. nach Einbau eines künstlichen Gelenkes stürzten, es doch sinnvoll sei eine Röntgenaufnahme zu machen bzw. Abklärung durch einen Orthopäden. Er hat nur geantwortet, bei Ihnen sei der Fokus bekannt gewesen. Ich habe ihn gefragt, warum mir das bei meinen Besuchen die Ärztin nicht gesagt hat. Ich habe gefragt, ob alles okay ist mit dem Knie, da das Bein nicht mehr so stark wie bei Antritt der geriatrischen Reha war. Der Arzt sagte, im Entlassbrief stehe, dass die Pat. eine Schwäche im Bereich der Patella hat. Meine Mutter dürfte gerne nach der Behandlung im Krankenhaus wieder kommen. Ich habe nur gesagt, dass meine Mutter in diesem Fall unter keinen Umständen nochmals eine Reha machen wird und sie daheim mit KG besser versorgt war und ist

Verbesserungsvorschläge:

Die Risiken für eine Sepsis bzw. Lungenembolie müssen dem medizinischen Personal näher gebracht werden.

Weitere Infos:

Ich finde es sehr schade, dass sich der Chefarzt der Rehaklinik nicht für die nicht richtige Abklärung nach dem Sturz entschuldigt hat. Er hätte sich eigentlich bedanken müssen über meine Rückmeldung und seine Mitarbeiter ( Ärzte, Physiotherapeuten, Pflegekräfte) nochmal briefen müssen, damit solche Verläufe anderen Patienten erspart bleiben. Auch in der Dokumentation wurde die Beinschwäche nach Sturz nicht erwähnt!

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wenn ein Mensch schwer erkrankt und trotz wiederholter Kontaktversuche keine ärztliche Versorgung erhält, ist das für Angehörige eine außerordentlich belastende Erfahrung. Besonders bei älteren Patient:innen mit Vorerkrankungen – wie künstlichen Gelenken (sogenannten Endoprothesen), einer früheren Lungenembolie oder einem geschwächten Immunsystem – kann sich eine Infektion rasch zu einer Sepsis (einer lebensbedrohlichen Reaktion des Körpers auf eine Infektion) ausweiten.

Fälle wie dieser zeigen, wie mehrere ungünstige Umstände zusammentreffen können: ein verzögerter Hausbesuch, ein nicht weitergeleiteter Name, ein überlasteter Notdienst und – in der späteren Behandlung – ein Sturz in der Reha, dessen Folgen nicht vollständig abgeklärt wurden. Eine Patellaluxation (Verrenkung der Kniescheibe) sowie eine Peronäuslähmung (Schädigung eines Nervs am Unterschenkel, die zu Kraftverlust führen kann) kamen erst später ans Licht. In einer Situation wie dieser hatten weder die Patientin noch ihre Angehörige vollständigen Einfluss auf den Verlauf – das ist wichtig anzuerkennen.

Was Angehörige in ähnlichen Situationen tun können

Wenn Sie als Angehörige oder Angehöriger einen Menschen begleiten, der sich in einer ähnlichen Lage befindet, kann es hilfreich sein, auf einige Dinge besonders zu achten:

  • Beim Kontakt mit einer Arztpraxis oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (erreichbar unter 116 117) ist es möglich, ausdrücklich darum zu bitten, direkt mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen – besonders wenn relevante Vorerkrankungen vorliegen, die die Dringlichkeit beeinflussen. Eine mögliche Formulierung: „Ich möchte die Situation kurz persönlich mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, da meine Mutter mehrere schwerwiegende Vorerkrankungen hat.“
  • Es kann sinnvoll sein, bei jedem Anruf den vollständigen Namen der erkrankten Person, das Geburtsdatum und die wichtigsten Vorerkrankungen aktiv zu nennen – auch wenn diese in der Praxis bekannt sein dürften. So verringert sich das Risiko, dass wichtige Informationen nicht weitergegeben werden.
  • Wenn ein zugesagter Hausbesuch nicht stattfindet, ist es möglich, erneut aktiv nachzufragen und dabei auf die vergangene Zusage hinzuweisen: „Gestern Abend wurde uns ein Besuch um 20 Uhr zugesagt – dieser hat nicht stattgefunden. Wie ist der aktuelle Stand?“
  • Bei starker Verschlechterung des Zustands ist es jederzeit möglich, den Notruf 112 zu wählen – auch wenn dies zuvor noch nicht in Betracht gezogen wurde. Der Rettungsdienst beurteilt die Lage vor Ort und entscheidet über das weitere Vorgehen.

Was während eines Aufenthalts in Klinik oder Reha helfen kann

Auch während einer stationären Behandlung oder Rehabilitation können Angehörige – wenn sie möchten und es die Situation erlaubt – aufmerksam mitwirken:

  • Wenn nach einem Sturz oder einem anderen Ereignis eine Veränderung auffällt – etwa nachlassende Kraft in einem Bein oder veränderte Beweglichkeit – ist es möglich, das Behandlungsteam direkt darauf anzusprechen und eine Abklärung anzuregen: „Mir ist aufgefallen, dass das Bein weniger Kraft hat als vor dem Sturz – kann das untersucht werden?“
  • Rückmeldungen an die behandelnde Einrichtung nach einem Aufenthalt – etwa über aufgetretene Komplikationen – können dazu beitragen, dass andere Patient:innen von ähnlichen Erfahrungen verschont bleiben. Auch wenn eine Reaktion ausbleibt: Das Einreichen solcher Rückmeldungen ist wertvoll.
  • Ein Dekubitus (Druckwunde, die durch anhaltenden Druck auf die Haut entsteht) ist eine bekannte Komplikation bei eingeschränkter Mobilität. Es ist möglich, das Pflegepersonal zu fragen, welche Maßnahmen zur Vorbeugung geplant sind – insbesondere bei Patienten, die längere Zeit im Bett verbringen.
  • Der Entlassbrief (die schriftliche Zusammenfassung des Aufenthalts) kann beim Verlassen einer Einrichtung aktiv angefragt werden. Es ist möglich, nach Unklarheiten zu fragen: „Gibt es etwas, auf das wir zuhause besonders achten sollten?“

Worauf Sie achten können

  • Vorerkrankungen, Medikamente und frühere Eingriffe – wie das Vorhandensein künstlicher Gelenke – sind bei jedem Kontakt mit dem Gesundheitssystem aktiv erwähnbar, auch wenn sie in der Akte stehen sollten.
  • Wenn ein Arztbesuch, eine Untersuchung oder eine Rückmeldung zugesagt wurde und ausbleibt, ist aktives Nachfragen möglich – sowohl mündlich als auch schriftlich.
  • Veränderungen im Verlauf – etwa nachlassende Kraft, neue Schmerzen oder verändertes Verhalten – können dokumentiert und dem Behandlungsteam mitgeteilt werden.
  • Das Patientenfürsprechwesen (in vielen Krankenhäusern und Rehakliniken vorhanden) sowie die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bieten kostenlose Unterstützung – auch bei Fragen zur Nachsorge oder bei dem Wunsch, Erlebnisse rückzumelden.

Sie sind nicht allein

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose, unabhängige Beratung für Patient:innen und Angehörige – erreichbar unter 0800 011 77 22 (kostenfrei, Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr). Wenn Sie eigene Erfahrungen teilen möchten, damit andere davon lernen können, ist eine anonyme Meldung auf mehr-patientensicherheit.de jederzeit möglich.

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 80+ Jahre
Art der Einrichtung:Rehaeinrichtung, Ärztin oder Arzt beim Hausbesuch, Ambulante Praxis, stationär
Geschlecht: weiblich

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