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2024-899

Mit schwerem Herzinfarkt nicht ernst genommen

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Fallbeschreibung:

NSTEMI verkannt: Herzinfarkt trotz fast normalem EKG

Vor ein paar Jahren hatte ich akute Atemnot und seit dem Mittag ein Druckgefühl in der Brustgegend, welches nicht verschwand. Als es am späten Abend nicht besser wurde rief ich die 112 an und schilderte meine Symptome. Der Disponent versprach jemand zu schicken, nach 15 Min war noch niemand da, also ging ich auf die Straße um zu schauen ob der Rettungswagen sucht. nach 5-10 weiteren Minuten kam der Rettungsdienst. Leider war mein EKG fast normal, dennoch fuhr man mich in die Klinik mit Verdacht auf Angina Pectoris. Der Arzt der Notaufnahme sagte „Sie haben keinen Infarkt“, eine Schwester nahm mir einige Ampullen Blut ab, welches angeblich schnell ins Labor gebracht werden würde. Leider kam das Blut dort nie an. Meine Schmerzen wurden schlimmer, schließlich entschied man mich dennoch ins Katheterlabor zu schicken. Da es kurz vor Weihnachten war, kam nur ein Facharzt und seine Assistentin, er fragte telefonisch nach im Labor, die hatten keine Laborwerte. So entschied der Arzt nun den Herzkatheter zu legen und schaute mich mit großen Augen an: „Ihre Aorta ist zu mehr als 90% dicht“, er setzte einen Stent und es ging mir deutlich besser. Er ließ aber die Schiene für den Katheter im Bein, weil man nicht sicher war ob ich am kommenden Tag nochmal ins Katheterlabor soll. Die Intensivstation kümmerte sich gut um mich, es wurden ständig Blutproben genommen. Am nachfolgenden Tag wurde mir die Schiene ohne Betäubung gezogen, was enorm schmerzhaft war, ich kam auf die normale Innere Station und blieb noch 5 weitere Tage dort. Die Stationsärztin war sehr unhöflich, sprach schlecht Deutsch und gab mir, nur Medikamente für 3 Tage mit. Dadurch musste ich erneut zur Notsprechstunde, dort schrieb man mit nur kleine Packungen auf, ein Medikament hatten die Apotheken nicht als kleine Packung, so musste ich die große Privat bezahlen. Trotz meiner Vorerkrankungen Typ 1 Diabetes und starkes Übergewicht kam ich mir vor wie ein Simulant. Eine Reha erfolgte nicht. Es war ein NSTEMI, also ein Infarkt ohne Hebung Senkung im EKG. Die Folge war eine Herzschwäche EF30%, weil alle zu langsam agierten.

Gut gelaufen:

Einzelzimmer weil über Weihnachten kaum Patienten in Klinik waren. Sehr nettes Personal auf der Intensivstation.

Schlecht gelaufen:

Kein Notfallmanagement Rettungsdienst brauchte deutlich zu lange (es wurde mir gesagt dass die zuvor einen Patienten mit Wiederbelebung hatten, daher so spät). Der Arzt der Notaufnahme hielt mich für ein Simulant, die Blutproben kamen nie im Labor an. Die Katheterschiene blieb bis zum nächsten Tag und wurde ohne Betäubung gezogen. Unzureichende Menge an Medikamenten nach Entlassung Keine Reha

Verbesserungsvorschläge:

Die Rettungshilfsfrist hätte durch First Responder (zB freiwillige Feuerwehr eingehalten werden müssen – die Wache ist 2 Minuten von meinem Wohnort entfernt) Die Ärzte der Notaufnahme sollten gutes Deutsch auf C2 Niveau verstehen und nicht pauschal jeden als Simulant abtun.Sie sollten auf NSTEMI geschult werden, sie sollten garantieren das Notfalllabore auch das abgenommene Blut erhalten. Sie sollten Patienten mit echten Beschwerden ernst nehmen.

Weitere Infos:

Ich hoffe, dass ich die Ausnahme war, fürchte jedoch kein Einzelfall gewesen zu sein, leider spiegelt die TV Dokuwelt ein „idealistisches Bild“ dar, welches der Realität nicht annähernd entspricht.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Ein Herzinfarkt ist ein lebensbedrohlicher Notfall – und es ist belastend und erschreckend, wenn man in einer solchen Situation das Gefühl hat, nicht ernst genommen zu werden. Fälle wie dieser zeigen, dass selbst bei eindeutigen Beschwerden diagnostische und organisatorische Abläufe ins Stocken geraten können – mit erheblichen Folgen für Betroffene.

Ein sogenannter NSTEMI (Herzinfarkt ohne typische EKG-Veränderungen) ist besonders tückisch: Das EKG – also die Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität – kann dabei nahezu unauffällig ausfallen, obwohl ein schwerwiegender Infarkt vorliegt. Die Diagnose hängt dann entscheidend von Laborwerten und der klinischen Einschätzung ab. Wenn in dieser Kette etwas nicht funktioniert – etwa weil Blutproben nicht ankommen oder Kommunikation fehlt – kann wertvolle Zeit verloren gehen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer akute Brustschmerzen oder Atemnot erlebt, kann durch einige gezielte Schritte dazu beitragen, dass die eigenen Beschwerden vollständig wahrgenommen werden.

  • Symptome klar und wiederholt benennen: Es ist möglich, bei jedem neuen Kontakt mit medizinischem Personal die Beschwerden erneut zu schildern – auch wenn man das Gefühl hat, sich zu wiederholen. Eine Formulierung wie „Ich habe seit heute Mittag ein anhaltendes Druckgefühl in der Brust und es wird stärker, nicht besser“ kann helfen, die Dringlichkeit zu verdeutlichen.
  • Aktiv nach dem weiteren Vorgehen fragen: Es ist möglich zu fragen: „Welche Untersuchungen sind geplant, und wann erhalte ich die Ergebnisse?“ – das schafft Transparenz und kann dabei helfen, Lücken im Ablauf frühzeitig sichtbar zu machen.
  • Eine Begleitperson hinzuziehen: Wenn möglich, kann eine vertraute Person mitgebracht oder nachgerufen werden. Begleitpersonen können Beschwerden bestätigen, Rückfragen stellen und bei der Kommunikation unterstützen – besonders wenn man selbst durch Schmerzen oder Erschöpfung eingeschränkt ist.
  • Bei der Entlassung gezielt nach Nachsorge fragen: Es ist möglich zu fragen: „Erhalte ich eine Überweisung zur Reha, und reichen die Medikamente bis zu meinem nächsten Arzttermin?“ – so lassen sich Lücken in der Weiterversorgung ansprechen, bevor man das Krankenhaus verlässt.

Worauf Sie achten können

  • Anhaltende Brustschmerzen, Druckgefühl oder Atemnot – auch ohne typische Ausstrahlung in den Arm – können auf einen Herzinfarkt hinweisen und rechtfertigen immer einen Notruf (112).
  • Nach einer Herzkatheterbeschreibung (einem Eingriff zur Untersuchung und Behandlung der Herzkranzgefäße) ist es möglich, nach einem Entlassungsbrief und einer klaren Medikamentenliste zu fragen – einschließlich der Information, ob Packungsgrößen ausreichen.
  • Eine Anschlussheilbehandlung (kurz: Reha) ist nach einem Herzinfarkt medizinisch häufig empfehlenswert. Es ist möglich, bereits im Krankenhaus danach zu fragen oder dies über die Hausarztpraxis zu klären.
  • Wer sich in einer Notaufnahme nicht ausreichend wahrgenommen fühlt, kann nach einer Pflegeperson oder einer ärztlichen Ansprechperson fragen und den Wunsch nach einer erneuten Einschätzung äußern.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder Fragen zu Ihren Rechten als Patient oder Patientin haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und neutrale Beratung an. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihren Fall anonym melden und so dazu beitragen, dass andere von solchen Erfahrungen profitieren können.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: männlich

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Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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