Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-865

Sehr gute Behandlung, aber verheerende Betreuung

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Flüssigkeitsmangel in der Notaufnahme: Kreislaufkollaps bei 80-Jähriger

Eine Bekannte war vor einiger Zeit in einem Klinikum, zur Dekubitus-Nachsorge. Natürlich musste diese in der Notaufnahme einige Zeit warten, aber niemand kümmerte sich trotz Alters von 80+ darum, dass die Bekannte keinen Flüssigkeitsmangel bekam.

Trinkgelegenheiten waren im Untersuchungsraum nicht gegeben, und wurden auch nicht angeboten. Nach zwei Stunden meldete ich mich, und bekam natürlich für die Bekannte was zu Trinken. Diese beiden Fläschen waren aber verschwunden als die Bekannte von einer Röntgenuntersuchung zurück kam.

Weitere Stunden bis zur Nachbesprechung und Entlassung aus der ambulanten Behandlung führten zu einem Flüssigkeitsdefizit. Dieses äußerte sich beim Warten auf den Transportservice im Warteraum sitzend durch einen Kreislaufzusammenbruch mit Herzkammerflimmern.

Die Bekannte musste zudem im Wartebereich trotz bekannter Dekubitusanfälligkeit auf einem Quasi-Rollstuhl ungepolstert mit aus Eisbenblech gefertigter Sitzfläche Platz nehmen, und erlitt dadurch einen Dekubitus 1. Grades.

Gut gelaufen:

Die ärztliche Diagnose und Behandlung, auch die Sorge um die Bekannte nach erfolgtem Kreislaufzusammenbruch.

Schlecht gelaufen:

Die Betreuung während der Zeit in der Notaufnahme. Wie festzustellen, taten alle dort Beschäftigten deren Bestes, doch es fehlte an der Sensibilität für die Patient:innen. Vermutlich wird dort am falschen Ende gespart. Die Notaufnahme sieht im Patient:innen-Bereich auch entsprechend „einfach“ aus.

Verbesserungsvorschläge:

Bessere Kontrolle der Kliniken, vor allem der Notaufnahmen, in dieser Klinik. Es hätte im konkreten Fall zu einer dauerhaften für die betroffene Krankenkasse erhebliche Kosten verursachenden Folgeschaden kommen können.

Weitere Infos:

Der Fall wurde dem Klinikum nicht gemeldet, denn es besteht Angst möglicher Repression.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wenn ältere Menschen stundenlang in einer Notaufnahme warten, können grundlegende Bedürfnisse wie ausreichend Trinken leicht in den Hintergrund geraten – auch dann, wenn alle Beteiligten ihr Bestes geben. Für Menschen im hohen Alter oder mit bestehenden Erkrankungen kann ein Flüssigkeitsmangel (Dehydration) jedoch rasch zu ernsthaften Komplikationen führen, wie dieser Fall zeigt.

Der geschilderte Ablauf macht deutlich, wie schnell mehrere ungünstige Umstände zusammentreffen können: fehlende Trinkmöglichkeiten, lange Wartezeiten und ungeeignetes Sitzmobiliar für eine Person mit bekannter Druckwundenanfälligkeit (Dekubitus-Risiko). Dass eine Begleitperson anwesend war und aufmerksam gehandelt hat, hat in diesem Fall sehr viel bewirkt – und war möglicherweise entscheidend.

Was Angehörige oder Begleitpersonen tun können

Wer eine ältere oder pflegebedürftige Person in eine Notaufnahme begleitet, kann aktiv zur Sicherheit beitragen – ohne dabei aufdringlich sein zu müssen.

  • Trinken aktiv ansprechen: Es ist möglich, das Pflegepersonal oder die Triagefachkraft (die Person, die bei der Ersteinschätzung am Empfang zuständig ist) direkt anzusprechen: „Meine Begleitperson ist über 80 Jahre alt und trinkt leicht zu wenig – gibt es die Möglichkeit, etwas zu trinken zu bekommen?“ Das kann die Situation frühzeitig klären, ohne dass man auf eigene Initiative warten muss.
  • Eigene Getränke mitbringen: Für geplante oder absehbare Behandlungen empfiehlt sich, eine kleine Wasserflasche oder ein Lieblingsgetränk einzupacken – gerade bei langen Wartzeiten, die in Notaufnahmen häufig vorkommen.
  • Auf die Sitzgelegenheit hinweisen: Wenn bekannt ist, dass die begleitete Person druckempfindlich ist oder ein Dekubitusrisiko besteht, kann man das Pflegepersonal darauf aufmerksam machen: „Gibt es eine gepolsterte Sitzgelegenheit oder eine Möglichkeit, hinzuliegen? Es besteht ein erhöhtes Risiko für Druckwunden.“
  • Veränderungen früh melden: Anzeichen wie Benommenheit, Blässe oder Schwächegefühl können frühzeitig beim Personal angesprochen werden – auch dann, wenn man unsicher ist, ob die Beobachtung „wichtig genug“ erscheint.

Für die Zukunft: Was sich vorbereiten lässt

  • Eine Notfallkarte oder ein kurzes Informationsblatt anlegen, auf dem wichtige Risiken und Erkrankungen notiert sind – zum Beispiel: Dekubitusrisiko, Neigung zur Dehydration, Medikamente. Das kann beim Erstkontakt in der Notaufnahme übergeben werden.
  • Eine Begleitperson benennen, die bei Arztbesuchen und Klinikaufenthalten mitkommt und die Interessen der betroffenen Person vertreten kann – gerade bei älteren oder geschwächten Menschen ist das ein wichtiger Schutzfaktor.
  • Eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung vorbereiten, damit Begleitpersonen im Ernstfall auch rechtlich handeln und Auskunft erhalten können.
  • Erfahrungen – positive wie negative – auf mehr-patientensicherheit.de anonym melden: Solche Berichte helfen, strukturelle Schwachstellen sichtbar zu machen, ohne dass Repressionen zu befürchten sind.

Sie sind nicht allein

Wer nach einem belastenden Erlebnis im Gesundheitssystem Rat sucht oder eine Beschwerde anonym weitergeben möchte, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – kostenlos und vertraulich. Auf mehr-patientensicherheit.de besteht außerdem die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen, damit andere davon profitieren können.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 80+ Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team