Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-127

Starke Schmerzen im Nierenbereich nicht ernst genommen

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Nierensteine in Notaufnahme: Wartezeit trotz starker Schmerzen

Zwei Monate nach der Geburt meines Kindes kam ich mit starken Schmerzen im Nierenbereich, der in Wellen kam, in die Notaufnahme. Ich sollte eine Urinprobe abgeben und da ich zwischen den Schmerzwellen aufstehen konnte, ging ich dafür zur Toilette.

Die Pflegefachkraft, der/die die Station leitete sagte daraufhin mehrmals, auch zu anderen Patient*innen „wer aufstehen kann, hat hier nix zu suchen und soll nach Hause gehen“.
Ich wurde ganz ans Ende des Flures gestellt und musste insgesamt 8 Stunden warten, während ich mit extremen Schmerzen auf der Bare lag.

Ich hatte Nierensteine, die dann diagnostiziert wurden. Sehr viele Patienten kamen vor mir dran, einige davon waren schlafende alte Personen, die ebenfalls zur Urologie sollten. Ein*e Kollege*in der genannten Pflegefachkraft kam 7 Stunden nach mir mit den gleichen Symptomen in die Notaufnahme und kam sofort dran.

Er/Sie hatte ebenfalls Nierensteine, ich konnte das Gespräch und die Untersuchung mit anhören, da ich im gleichen Raum war und immer noch wartete.

Ich verstehe, dass es in der Notaufnahme nach Dringlichkeit gehen muss, es war aber mehr als deutlich, dass man mich absichtlich in die letzte Ecke gestellt und ignoriert hat, weil meine Symptome nicht ernst genommen wurden.

Gut gelaufen:

Der Arzt/ Die Ärztin, der/die mich letztendlich behandelt und untersucht hat, war sehr freundlich und kompetent und professionell.

Schlecht gelaufen:

Meine Schmerzen wurden nicht ernst genommen und ich hatte Glück, dass es nichts lebensbedrohliches war. Meine Wartezeit wurde absichtlich so lang wie nur irgendmöglich gestaltet.

Verbesserungsvorschläge:

Man sollte unbedingt die Schmerzen von Menschen ernst nehmen, besonders in der Notaufnahme eines Krankenhauses, und nicht solche Pauschalitäten äußern, wie „wer aufstehen kann, soll nach Hause gehen“.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Starke, wellenartig auftretende Schmerzen – wie sie bei Nierensteinen typisch sind – können von außen schwer einzuschätzen sein. Dass Betroffene trotz extremer Schmerzen kurzzeitig aufstehen können, bedeutet nicht, dass ihre Situation weniger ernst ist. In Notaufnahmen, wo viele Menschen gleichzeitig Hilfe benötigen, kann es vorkommen, dass Schmerzsymptome nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie erfordern – mit spürbaren Folgen für die Betroffenen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer mit starken Schmerzen in einer Notaufnahme wartet, hat die Möglichkeit, aktiv auf die eigene Situation aufmerksam zu machen – ohne dass dies eine Pflicht ist oder die Verantwortung für die Versorgung auf Betroffene übergeht.

  • Es ist möglich, beim Pflegepersonal oder an der Anmeldung konkret nach dem sogenannten Triage-Ergebnis zu fragen – das ist die Ersteinschätzung der Dringlichkeit, die bei der Aufnahme vergeben wird. Eine mögliche Formulierung: „Können Sie mir sagen, welche Dringlichkeitsstufe bei mir eingetragen wurde?“
  • Wenn sich der Schmerz während der Wartezeit verändert oder verschlimmert, kann man das aktiv melden. Eine Veränderung des Zustands kann eine Neubewertung auslösen. Möglich ist zum Beispiel zu sagen: „Meine Schmerzen haben sich deutlich verändert – ich möchte das bitte jemandem mitteilen.“
  • Eine Begleitperson kann in solchen Situationen eine wichtige Unterstützung sein: Sie kann stellvertretend beim Personal nachfragen, die Wartezeit begleiten und im Notfall eingreifen, wenn Betroffene selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.
  • Beschwerden über die Behandlung in der Notaufnahme – etwa über unangemessene Äußerungen von Personal – können im Nachhinein bei der Patientenaufnahme, dem Patientenfürsprecher oder der Patientenfürsprecherin des Krankenhauses oder bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) gemeldet werden.

Worauf Sie achten können

  • Bei der Aufnahme in der Notaufnahme findet in der Regel eine Ersteinschätzung (Triage) statt – es ist möglich, nach dem Ergebnis zu fragen und sich erklären zu lassen, was das für die Wartezeit bedeutet.
  • Wenn Schmerzen wellenartig auftreten – also zwischenzeitlich nachlassen und dann wiederkehren – kann es hilfreich sein, das bei der Aufnahme ausdrücklich so zu beschreiben, da dieses Muster für bestimmte Erkrankungen wie Nierensteine typisch ist.
  • Jede Notaufnahme ist verpflichtet, eine Ersteinschätzung vorzunehmen. Wird das Gefühl nicht ernst genommen, ist es möglich, ruhig aber bestimmt nach einer ärztlichen Einschätzung zu fragen.
  • Für den Fall, dass Betroffene sich in einer solchen Situation nicht selbst äußern können, empfiehlt es sich, eine Vertrauensperson mitzunehmen, die diese Aufgabe übernehmen kann.

Sie sind nicht allein

Wer eine belastende Erfahrung in der medizinischen Versorgung gemacht hat, kann sich kostenlos und unabhängig an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. Eigene Erlebnisse – auch anonymisiert – lassen sich auf mehr-patientensicherheit.de melden und helfen dabei, die Versorgung für alle zu verbessern.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team