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2024-1581

Unnötige Schmerzen nach Schulter-Luxation

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Fallbeschreibung:

Schulter-Luxation: Unnötige Schmerzen durch verzögerte Behandlung

Danke dafür, dass ich endlich die Möglichkeit bekomme, meine Erfahrungen adressieren zu können.

Meine Schulter ist im Laufe meines Lebens etwa ein Dutzend mal luxiert. Die Luxation erfolgte jedesmal spontan in Folge einer falschen Bewegung. Die Luxation ist extrem schmerzhaft (die schlimmsten mir vorstellbaren Schmerzen- wenngleich zum Glück zeitlich begrenzt).

Die Schmerzen hören in dem Moment auf, wo die Schulter wieder an ihrem Ort sitzt. Ich kann das nicht alleine richten, sondern benötige Hilfe eines ausgebildeten Menschens. Es gibt leider auch keine Kurse, wo ich lernen könnte, meine Schulter selbst wieder einzurichten. Ich bin also in diesem Moment angewiesen auf den Rettungsdienst.

Was meiner Meinung nach falsch läuft, ist das folgende:

Das Einkugeln ist ein an sich einfacher Prozess, der vor allem bei schlanken Menschen wie mir unkompliziert von statten geht. Dennoch ist es in Deutschland verboten, die Schulter zu richten, bis sie geröngt wurden. Das Problem ist, wie gesagt, dass es höllische Schmerzen sind, die der Bertroffenen aushalten muss. Das Prozedere ist unnötig langwierig. Bei jedem Vorfall geschieht das folgende:

Die Schulter kugelt aus, ich bin nicht mehr bewegungsfähig, ich rufe um Hilfe, dass ein Notruf abgesetzt wird und bitte darum, dass sofort ein Notarzt kommt, da ich Schmerzmittel benötige. Doch jedesmal kommen erst Sanitäter, welche die Situation beurteilen und daraufhin einen Notarzt beordern. Für mich völlig unnötig erlebte Schmerzen. Währenddessen bettel ich darum, dass mir einfach jemand die Schulter wieder richtet. Man muss wissen, die allermeisten Notfallsanitätet sind darin ausgebildet und würden mir zu gerne helfen. Sie dürfen aber im deutschen System nicht.

Der Notarzt kommt also, spritzt ein Schmerzmittel und lässt mich in die Notaufnahme fahren. Die letzte Erfahrung war die schlimmste. Mir wurde ein Schmerzmittel gespritzt, das eigentlich gar nicht mehr benutzt wird, da es schlimme Halluzinationen auslösen kann (Ketamin). So auch bei mir. Es war furchtbar. In der Notaufnahme wachte ich auf, die Schulter ist immer noch nicht gerichtet, ich bin völlig verstört von den Halluzinationen, die ich eben erlebt habe und habe nach wie vor höllische Schmerzen. Wieder bettelte ich förmlich darum, dass die Schulter einfach wieder eingekugelt wird. Stattdessen besteht das Universitäre Krankenhaus darauf, dass ich erst geröntgt werden muss. So seien die Vorschriften. Das Röntgengerät war aber besetzt.

Ich habe schon mehrmals gesagt: es war furchtbar. Und unnötig. Ich habe seitdem chronische Schmerzen, da mein Körper komplett verkrampft hat. Und es hat keiner geholfen, während ich in der Notaufnahme war.

Da war zwar das schlimmste Erlebnis, doch auch die die davor waren, wie gesagt, unnötig. Je länger die Schulter luxiert ist, desto mehr leiert das Gewebe aus, was die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Luxation begünstigt. Die Schmerzen sind furchtbar und so einfach zu vermeiden. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, direkt vor Ort einzukugeln. Ich bete dafür, dass dies in Deutschland endlich geändert wird und die Patienten selbst entscheiden dürfen, ob ihnen geholfen werden darf.

Dies kann anders geregelt werden. Einmal ist meine Schulter in Norwegen luxiert. Für die dortigen Notfallsanitäter war es selbstverständlich, mir die Schulter direkt vor Ort zu richten. Es war so unglaublich unkompliziert und mir wurden sooo viele Schmerzen erspart!

Gut gelaufen:

Es gibt in dieser Gschichte keine positiven Aspekte.

Schlecht gelaufen:

– kein Einkugeln vor Ort – der Notarzt wurde erst von den Sanitätern gerufen – der Notarzt hat ein veraltetes Medikament gespritzt, das Halluzinationen auslöst (Ketamin) – noch nicht mal in der Notaufnahme wurde mir geholfen – es hat Stunden gedauert, bis die Schulter endlich eingekugelt war.

Verbesserungsvorschläge:

Die Schmerzen sind furchtbar und so einfach zu vermeiden. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, direkt vor Ort einzukugeln. Ich bete dafür, dass dies in Deutschland endlich geändert wird und die Patienten selbst entscheiden dürfen, ob ihnen geholfen werden darf. Das Einkugeln ist ein einfacher Vorgang. Er sollte, wenn der Patient es wünscht, direkt vor Ort erfolgen. Danach kann immer noch ins KH gefahren werden, um zu überprüfen, ob alles am rechten Ort sitzt.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine ausgekugelte Schulter – medizinisch als Schulter-Luxation bezeichnet – gehört zu den schmerzhaftesten akuten Verletzungen überhaupt. Wer diese Situation kennt, weiß, wie dringend und belastend jede zusätzliche Warteminute sein kann.

In Deutschland gilt derzeit die Regelung, dass eine ausgekugelte Schulter vor dem Einrichten (dem sogenannten Reponieren) zunächst geröntgt werden muss – auch dann, wenn die betroffene Person die Situation gut kennt und eine schnelle Hilfe wünscht. Das bedeutet in der Praxis: Zuerst beurteilen Notfallsanitäter:innen die Lage, dann wird ein Notarzt oder eine Notärztin angefordert, und erst in der Notaufnahme – nach einem Röntgenbild – erfolgt das Einrichten. Dieser Ablauf kann dazu führen, dass Betroffene über einen langen Zeitraum starke Schmerzen aushalten müssen. Hinzu kommen mögliche Belastungen durch Schmerzmittel, die im Notfall eingesetzt werden und unerwünschte Wirkungen haben können.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer wiederholt von Schulter-Luxationen betroffen ist, kann sich im Vorfeld auf solche Situationen vorbereiten – das gibt im Notfall mehr Handlungsspielraum.

  • Einen Notfallbrief erstellen lassen: Gemeinsam mit der behandelnden orthopädischen Praxis oder dem Schulter-Spezialisten ist es möglich, ein kurzes Notfalldokument zu erstellen, das die Vorgeschichte, die Diagnose und relevante Informationen für den Rettungsdienst und die Notaufnahme enthält. Ein solches Dokument kann dazu beitragen, dass das Personal die Situation schneller einschätzt.
  • Direkt nach einem Notarzt fragen: Beim Absetzen des Notrufs ist es möglich, klar zu benennen, dass es sich um eine bekannte Schulter-Luxation mit starken Schmerzen handelt und dass ein Notarzt oder eine Notärztin benötigt wird – zum Beispiel: „Ich habe eine bekannte habituelle Schulter-Luxation, ich benötige dringend einen Notarzt mit Schmerzmitteln.“ Das kann die Einsatzplanung beeinflussen.
  • Medikamentenunverträglichkeiten dokumentieren: Wer bestimmte Schmerzmittel nicht verträgt oder schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, kann das im Notfallbrief und auf einem Allergiepass oder einer Notfallkarte festhalten – und im Rettungseinsatz aktiv darauf hinweisen: „Ich habe auf Ketamin mit starken Halluzinationen reagiert, bitte verwenden Sie es nicht.“
  • Eine Begleitperson einbeziehen: Wenn möglich, ist es hilfreich, eine Vertrauensperson zu haben, die im Notfall die eigenen Angaben gegenüber dem Rettungsdienst oder dem Krankenhauspersonal wiederholen und unterstützen kann – gerade dann, wenn man selbst durch Schmerzen oder Medikamentenwirkungen eingeschränkt ist.

Worauf Sie achten können

  • Liegt ein aktuelles Dokument (z. B. Arztbrief, Notfallpass) vor, das die Diagnose einer habituellen (wiederkehrenden) Schulter-Luxation sowie relevante Vorinformationen enthält?
  • Sind bekannte Unverträglichkeiten oder schlechte Erfahrungen mit bestimmten Schmerzmitteln schriftlich festgehalten und im Notfall griffbereit?
  • Ist einer Vertrauensperson bekannt, wie sie im Notfall helfen kann – zum Beispiel durch die Weitergabe von Informationen an das Rettungspersonal?
  • Ist die eigene behandelnde Fachpraxis darüber informiert, welche Erfahrungen im Rettungsdienst oder in der Notaufnahme gemacht wurden – damit sie gegebenenfalls auf eine individuell angepasste Versorgung hinwirken kann?

Sie sind nicht allein

Erfahrungen wie diese – auch wenn sie in einem durch Vorschriften geprägten System entstehen – können als anonymisierter Bericht auf mehr-patientensicherheit.de eingereicht werden und so zur Verbesserung der Versorgung beitragen. Bei Fragen zu Rechten als Patientin oder Patient steht die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlos zur Verfügung.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus, Rettungsdienst/Krankentransport
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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