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2025-301

Leitlinie falsch verstanden – Dosis zu niedrig

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Fallbeschreibung:

Falsche Dosierung bei Autoimmunerkrankung: 15 Monate Unterversorgung

Umstellung der Therapieform bei bekannter und behandelter Autoimmunerkrankung nach Umzug. Arzt wählt zum Einstieg möglichst kleine Dosis statt der Initialdosis nach den Leitlinien für Hausärzte. Es folgt eine Unterversorung, in den folgenden Monaten treten immer mehr typische Symptome der Krankheit auf. Dennoch wird die Dosis sehr langsam gesteigert, Kontrollen erfolgen nicht nach den Grundsätzen der Leitlinie. Trotz mehrfacher Nachfrage dauert es 15 Monate bis die Dosierung hoch genug ist und die Unterversorung ausbalanciert ist. Sämtliche gemeldete Symptome werden auf Stress und Physche geschoben. Es werden keine Fachärzte hinzugezogen noch die Therapie schneller gesteigert.

Gut gelaufen:

Das Ereignis hat gezeigt, dass man sich als Patient informieren muss, die Leitlinien selbst durchlesen sollte und für seine Gesundheit auch den Behandler gegen über einstehen muss. Es ist deutlich geworden, dass ein Arzt- bzw. Praxiswechsel schnell überdacht werden darf, wenn man sich aktuell nicht ernst genommen fühlt.

Schlecht gelaufen:

Es wurden die geltenden Leitlinien nicht korrekt gelesen und verstanden und der Patient daher nicht korrekt behandelt. Es hätte ggf. Sinn gemacht, direkt eine Überweisung an einen Spezialisten abzugeben, um sich abzusichern, wenn man als Hausarzt nicht ausreichend Expertise hat. Gemeinsam hätte dann eine Therapie entwickelt werden können, die auf den Patienten besser zugeschnitten ist. Das wäre auf Augenhöhe gewesen und hätte Integrität und Stärke gezeigt.

Verbesserungsvorschläge:

Es muss sichergestellt werden, dass Ärzte sich an geltende Leitlinien halten müssen und nicht nach ihrem Gutdünken handeln können. Es sollte verbessert werden, Spezialisten und Fachärzte hinzuziehen, die den Hausarzt unterstützen und Therapien vorgeben.

Weitere Infos:

Ich habe als Patient ein großes Stück Vertrauen in das Gesundheitswesen verloren und muss darüber hinaus lernen mit den, hoffentlich, reversiblen Einschränkungen, die aktuell noch vorhanden sind, zu leben. Das hat meinen Alltag sehr eingeschränkt.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Ein Umzug bedeutet oft auch einen Neustart in der medizinischen Versorgung – und das kann gerade dann belastend sein, wenn eine chronische Erkrankung bereits gut eingestellt war. Wenn eine bestehende Therapie bei einer Autoimmunerkrankung (einer Erkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift) neu aufgesetzt wird und dabei von den geltenden Behandlungsempfehlungen abgewichen wird, kann es zu einer anhaltenden Unterversorgung kommen – mit spürbaren Folgen für den Alltag und das Wohlbefinden.

Leitlinien sind medizinische Handlungsempfehlungen, die auf wissenschaftlicher Evidenz basieren und unter anderem Vorgaben zur Anfangsdosierung und Kontrolluntersuchungen enthalten. Weicht eine Behandlung davon ab, ohne dass dies transparent begründet wird, kann das – wie in diesem Fall – über Monate unerkannte Konsequenzen haben.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer eine chronische Erkrankung hat und die Behandlung wechselt, kann durch eigenes Engagement frühzeitig dazu beitragen, Unstimmigkeiten zu erkennen – auch wenn das keine Selbstverständlichkeit ist und nicht zur alleinigen Verantwortung von Patient:innen werden darf.

  • Bei einem Arztwechsel ist es möglich, vorhandene Befunde, Medikamentenpläne und frühere Laborwerte vollständig mitzubringen oder vorab übermitteln zu lassen. Das erleichtert die Einschätzung der bisherigen Therapie und kann einen reibungsloseren Einstieg ermöglichen.
  • Für viele Erkrankungen gibt es öffentlich zugängliche Patientenleitlinien – vereinfachte Versionen der medizinischen Fachempfehlungen. Ein Blick in diese Materialien kann helfen, die eigene Behandlung besser einzuordnen und gezielt nachzufragen, etwa: „In der Patientenleitlinie habe ich gelesen, dass am Anfang üblicherweise eine bestimmte Dosis empfohlen wird – können Sie mir erklären, warum wir einen anderen Weg gehen?“
  • Wenn Symptome über längere Zeit bestehen oder zunehmen, ist es möglich, aktiv um eine Überweisung zu einem Facharzt oder einer Fachärztin zu bitten – zum Beispiel an eine rheumatologische oder endokrinologische Praxis, je nach Erkrankung. Das ist kein Misstrauensvotum, sondern ein legitimer Schritt zur Absicherung der Versorgung.
  • Ein Wechsel der Arztpraxis ist jederzeit möglich und kann sinnvoll sein, wenn das Gefühl entsteht, mit Anliegen nicht ernst genommen zu werden. Das Recht auf eine zweite Meinung – auch „Zweitmeinung“ genannt – ist gesetzlich verankert.

Worauf Sie achten können

  • Werden Ihre Symptome konkret besprochen und dokumentiert – oder pauschal auf äußere Faktoren wie Stress zurückgeführt, ohne weitere Abklärung?
  • Erhalten Sie nachvollziehbare Erklärungen zur gewählten Dosierung und zu geplanten Kontrolluntersuchungen?
  • Werden Laborwerte oder andere Kontrollparameter in den von der Leitlinie empfohlenen Abständen überprüft?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Eigenwahrnehmung und Ihre Berichte über Veränderungen in die Behandlungsentscheidungen einfließen?

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

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