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2024-1093

Mehrfache Fehlpunktion bei PDA

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Fallbeschreibung:

PDA-Komplikationen unter der Geburt: Liquorverlust & Kopfschmerz

Nach ca. 13 Stunden im Keißsaal wurde gemeinsam mit mir entschieden eine PDA zu setzen. Beim ersten Versuch wurde diese versehentlich spinal gelegt und ich konnte meine Beine nicht mehr spüren. Leider fand keine vollständige spinalanästhesie statt, sodass ich linksseitig weiter starke Wehen spüren konnte. Weitere zwei Stunden vergingen bis der nächste Versuch einer PDA unternommen wurde. Dieser Versuch scheiterte weitere 4 mal. Durch das Aspirieren des Liquors und den entstandenen Schaden an der Dura mater entstand ein erheblicher Liquorverlust. Nach den 5 Versuchen wurde das Unterfangen abgebrochen und mir wurde die Option des Lachgases angeboten. Dies brachte leider keinerlei Schmerzlinderung. Weitere 6 Stunden vergingen, in denen ich keinerlei Schmerzlinderung erhielt. Nach Rund 20 Stunden im Kreißsaal musste ich um einen Notkaiserschnitt betteln. Im Op stellte sich zusätzlich heraus, dass ich das Kind nicht vaginal entbinden hätte können , da es sich im Becken verkeilt hatte. Dies hatte zuvor niemand bemerkt. Der Muttermund war bereits 7 Stunden lang bei 10 cm.
3 Tage nach der Entbindung entstand unaushaltbarer postspinaler Kopfschmerz, welcher mit Sehstörungen und komplettem Hörverlust einherging. Um mein Baby konnte ich mich nicht mehr kümmern. Ich wurde wieder stationär aufgenommen und musste 6 Tage lang flach liegen und erhielt oxycodon akut 1-1-1-1 , oxycodon retard 1-0-1-0, Ibu 800 1–1-1-0 und paracetamol 1g als Kurzinfusion alle 6 Stunden , Koffeintabletten und viel Flüssigkeit über eine Infusion.

Gut gelaufen:

Ich bin froh, dass sich das Duraleck durch das Liegen geschlossen hat und kein Bloodpatch gesetzt werden musste. Eine Ärztin hat meine Schmerzen sehr ernst genommen und konnte die Kopfschmerzen mit einer hohen Gabe von Oxycodon durchbrechen und anschließend abpuffern.

Schlecht gelaufen:

1.Insbesondere die vielen fehlerhaften Versuche 2. Die Aufklärung , dass es zu einem postspinalen Kopfschmerz kommen kann 3. keinerlei Alternativen nach der Fehlpunktion 4. vorerst keinerlei Überprüfung der Punktionsstellen und Nachsorgeuntersuchungen

Verbesserungsvorschläge:

– Mindestanzahl der Fehlversuche festlegen – Nachkontrolle der Patienten nach Fehlpunktion – Keine Entlassung nach knapp 48 Stunden nach Entbindung bzw. Fehlpunktion mit erheblichem Liquorverlust

Weitere Infos:

Diese Fehlpunktionen haben mir eine weitere natürliche Geburt unmöglich gemacht. Die Angst diese Situation nocheinmal durchleben zu müssen ist zu groß. Mir wurde durch diese Situation sehr viel genommen. Besonders die Anfängliche Bindung zu meinem Kind konnte kaum aufgebaut werden, da ich zu krank war und mich nicht eigenständig um das Kind kümmern konnte. Werder sitzen noch aufstehen war möglich.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Geburt ist ein einschneidendes Erlebnis – körperlich und emotional. Wenn dabei Komplikationen auftreten, die zu anhaltenden Schmerzen, einem langen stationären Aufenthalt und der Trennung vom Neugeborenen führen, ist das eine außerordentliche Belastung, die weit über den Kreißsaal hinauswirkt.

Der vorliegende Fall beschreibt eine Situation rund um das Legen einer PDA (Periduralanästhesie – eine rückenmarksnahe Betäubung, die häufig zur Schmerzlinderung unter der Geburt eingesetzt wird). Bei mehreren Versuchen kam es zu Komplikationen, darunter eine unbeabsichtigte Punktion der Dura mater (der schützenden Hülle um das Rückenmark) und ein damit verbundener Liquorverlust (Verlust von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit). Tage nach der Entbindung entwickelte sich daraus ein postspinaler Kopfschmerz – ein bekanntes, aber behandlungsbedürftiges Krankheitsbild – mit Begleitsymptomen wie Sehstörungen und vorübergehendem Hörverlust. Eine erneute stationäre Aufnahme war notwendig.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer sich auf eine Geburt vorbereitet oder schon während der Geburt Entscheidungen treffen muss, kann einige Punkte im Blick behalten – auch wenn viele Situationen im Kreißsaal unerwartet und kaum planbar sind.

  • Fragen zur PDA im Vorfeld stellen: Vor der Geburt – zum Beispiel bei der Geburtsplanung oder einem Anästhesie-Aufklärungsgespräch – ist es möglich, gezielt nach möglichen Komplikationen zu fragen: „Was passiert, wenn die PDA nicht korrekt sitzt? Was sind mögliche Beschwerden in den Tagen nach einer Fehlpunktion?“
  • Auf Symptome nach der Entbindung achten: Starke Kopfschmerzen, die im Liegen besser und im Aufstehen schlechter werden, Sehstörungen oder Hörprobleme in den ersten Tagen nach einer rückenmarksnahen Anästhesie können Zeichen eines postspinalen Kopfschmerzes sein. Es ist möglich, diese Symptome umgehend medizinischem Personal zu melden – auch wenn man sich unsicher ist, ob sie „ernst genug“ sind.
  • Eine Begleitperson einbeziehen: Wer eine Vertrauensperson bei der Geburt dabei hat, kann darum bitten, dass diese den Überblick behält und bei Bedarf Fragen stellt oder Symptome kommuniziert – besonders dann, wenn man selbst körperlich nicht mehr dazu in der Lage ist.
  • Entlassung bei anhaltenden Beschwerden ansprechen: Es ist möglich, vor der Entlassung aus dem Krankenhaus direkt nachzufragen: „Worauf muss ich in den nächsten Tagen achten, wenn ich eine Punktion an der Wirbelsäule hatte? An wen wende ich mich, wenn Beschwerden auftreten?“ Eine klare Auskunft dazu ist ein berechtigtes Anliegen.

Worauf Sie achten können

  • Starke Kopfschmerzen nach einer rückenmarksnahen Betäubung, die im Liegen nachlassen und im Aufstehen zunehmen, sind ein Warnsignal – eine sofortige ärztliche Vorstellung ist möglich und sinnvoll.
  • Begleitsymptome wie Sehveränderungen, Ohrgeräusche oder Hörverlust in den Tagen nach der Geburt verdienen besondere Aufmerksamkeit und können ernst genommen werden.
  • Beim Aufklärungsgespräch vor einer PDA ist es möglich, schriftlich festhalten zu lassen, welche Risiken besprochen wurden und welche Nachsorgeschritte vorgesehen sind.
  • Wenn nach einer komplizierten Geburt das Gefühl entsteht, zu früh entlassen zu werden, ist es möglich, dieses Anliegen offen zu äußern und um eine ärztliche Einschätzung zu bitten.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie eine belastende Erfahrung rund um eine Geburt gemacht haben und Fragen zur Versorgung oder zu Ihren Rechten als Patientin haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und neutrale Beratung an.

Eigene Erfahrungen – positive wie negative – lassen sich außerdem auf mehr-patientensicherheit.de anonym berichten und tragen dazu bei, die Versorgung für andere Menschen zu verbessern.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 15-29 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Geburt, Kreißsaal, Krankenhaus
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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