2024-1576
Erstickungstod bei Bewusstsein in klinischer Sterbephase
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Zustand des Patienten: Leukämie in Behandlung
Patient kam mit reduziertem Allgemeinzustand und Schmerzen auf die klinische onkologische Station mit dem Ziel einer Beckenkammpunktion zur Klärung der bislang von ärztlicher Seite angenommener gut verlaufender Therapie der Leukämie. Nach eingehenden Voruntersuchungen (CT, Sonographie, MRT, Blutbild) wurde aber ein Rezidiv der Leukämie vermutet. In dem Falle stand keine weitere Medikation mehr zur Verfügung der Grunderkrankung.
Zu diesem Zeitpunkt wurde seitens der vorsorgebevollmächtigten Angehörigen ein Wiederspruch zur schmerzhaften Beckenkammpunktion, sowie aller weiteren invasiven Maßnahmen getätigt – und dies in der Patientenakte dokumentiert.
Auf Station wurde dem Patienten zweimal ein Blasenkatheter angeboten bzw. mitgeteilt, dass einer gelegt wird. Hiergegen widersprachen Patient und Angehörige, zumal die Nutzung der Urinflasche (sofern am Bett vorhanden und bereitgestellt!) möglich war; auch Urin war normal farbig.
In der darauffolgenden Nachtschicht wurde aber dennoch ein Blasenkatheter gelegt (in Akte dokumentiert: Patient wünschte dies angeblich), hierbei wurde der Patient verletzt, Komplikationen traten ein, Spülkatheter musste nachts gelegt werden, um Blutungen aus Genitalbereich zu behandeln. Katheter wurde auch im weiteren Verlauf vom Patienten nicht toleriert. Uns Angehörigen wurde nur die halbe Wahrheit gesagt, nämlich dass der Spülkatheter wg. blutiger Koagel notwendig war, nicht aber dass zuvor Versuche des Legens eines normalen DKs unternommen wurde und es dabei zu Komplikationen und Intoleranz kam (war aus Akte im Nachhinein ersichtlich).
Am Abend des nächsten Tages auf Station wurde Patient von einer Pflegerin gefragt, ob er zum Sterben bereit sei (uns Angehörigen wurde mitgeteilt, dass das urinale Bluten als auch die MRT Ergebnisse auf einen fortgeschrittenen Prozess der Leukämie hindeuteten). Patient willigte dem Sterbeprozess ein (der angeblich sogar über Nacht eintreten könne) und bekam kurz darauf einen Morphiumperfusor, auch aufgrund der Schmerzen angehängt. Es fand aber keine Aufklärung über den weiteren Verlauf statt – besonders: dass Essens und Getränkegabe ab dem Moment eingestellt werden und sich Pflegeteam und Ärzte zurück ziehen werden.
In den folgenden zwei Tagen lag Patient ohne Mundbefeuchtung, ohne Trinken/Nahrung im Bett (wir Angehörigen sollten auch hier nichts machen), und trotz bekannter Verstopfung und Blähbauch wurden auch hier keine pflegerischen Maßnahmen durchgeführt. Im Verlauf bildete sich schleimiges Sekret im Mundbereich, der beim Patient aufgrund Aspiration zu leidenden Hustenanfällen führte.
Die Bitte, den Patient im Mundbereich abzusaugen, wurde nach erfolgloser oraler Absaugung nasal (vermutlich sogar tracheal – Anm.: Widerspruch zu invasiver Maßnahmen bestand weiterhin) versucht; hierbei kam es zu einsetzender nasalen Blutung. In den folgenden Minuten entwickelte sich stärker werdende, brodelige Atemgeräusche, Blut wurde vom Patient gehustet. Wir Angehörige wurden mit Nierenschalen versorgt, um das Blut des Patienten zu sammeln, Pfleger kümmerten sich aber um andere Patienten auf Station, kamen nur bei Betätigung der Notfallklingel. Auf Bitten, ein Arzt möge vorbeikommen zur Sedierung, wurde initial nicht mit Priorität gefolgt.
Erst auf nachdrücklicher Aufforderung sofort ein Arzt herbeizuholen, wurde der Bereitschaftsarzt zu dem Notfall hinzugezogen (dieser hatte allerdings am Abend des Wochenendes das ganze Klinikgebäude zu versorgen). Erst nach ca. 2-3 Stunden langsamen Ertrinkens durch das Nasenbluten des Patienten wurde ein Sedativum per Perfusor angeschlossen, der allerdings nicht mehr richtig wirkte und Patient unter brodeligen Schreien, schweißgebadet bei heftigen Abwehrverhalten erstickend – im Beisein von Arzt, Pflegern und Angehörigen verstarb.
Grausame Bilder eines qualvollen Todes bleiben zurück.
Der Tod eines nahestehenden Menschen ist eine der einschneidendsten Erfahrungen im Leben – und wenn dieser Prozess mit Leid und dem Gefühl von Hilflosigkeit verbunden ist, hinterlässt das tiefe Spuren. Was Angehörige in diesem Fall erlebt haben, ist außerordentlich belastend: Sie waren dabei, haben sich gekümmert, haben eingegriffen, wo sie konnten – und waren dennoch mit einer Situation konfrontiert, die sich ihrer Kontrolle entzog.
In der Sterbephase – dem medizinisch begleiteten Prozess des natürlichen Sterbens – sind Patientinnen und Patienten auf die kontinuierliche Fürsorge des Behandlungsteams angewiesen. Wenn in dieser Phase Entscheidungen ohne vollständige Aufklärung getroffen werden, der dokumentierte Patientenwille nicht konsequent berücksichtigt wird und pflegerische sowie medizinische Maßnahmen nicht rechtzeitig eingeleitet werden, können Situationen entstehen, in denen weder Betroffene noch Angehörige ausreichend schützend einwirken können. In einem solchen Moment gab es für die Betroffenen keinen realistischen Spielraum zum Eingreifen – das ist wichtig anzuerkennen.
Auch wenn in akuten Krisensituationen am Lebensende wenig Raum bleibt, gibt es Punkte, an denen Angehörige im Vorfeld und im Verlauf einer solchen Behandlung eine unterstützende Rolle einnehmen können – wenn sie das möchten und es ihnen möglich ist.
Was Sie als Angehörige erlebt haben, verdient Gehör – und Ihre Erfahrung kann dazu beitragen, die Versorgung anderer Menschen zu verbessern. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD, www.patientenberatung.de) bietet kostenlose Beratung für Betroffene und Angehörige an, auch zu Fragen rund um Patientenrechte und nächste Schritte nach belastenden Erlebnissen. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihre Erfahrungen anonym melden und damit dazu beitragen, dass solche Situationen erkannt und künftig verhindert werden.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
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Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team