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2024-621

Hirnblutung bei jungem Patienten wegen Beharrlichkeit der Mutter noch rechtzeitig erkannt

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Fallbeschreibung:

Hirnblutung erkannt: Mutter kämpft für ihren Sohn

Unser Sohn wurde vom Rettungsdienst, wegen Kreislaufproblemen, Erbrechen, Schwindel, motorischen Ausfällen und starken Kopfschmerzen in die Notaufnahme gebracht. Die Sanitäter haben die motorischen Ausfälle wohl nicht weiter erwähnt, da im Krankenhaus kein CT gemacht wurde. Er wurde zunächst als evtl. ansteckend im Quarantänezimmer wegen Magen-Darm-Beschwerden behandelt. Dann meinte man, er habe eine Unverträglichkeit. Zum Schluss wurde er nach einer Nacht als gesund entlassen, es könnte auch ein Migräneanfall gewesen sein, und er solle sich mal beim Neurologen, der immer wieder ins Krankenhaus kommt, vorstellen.
Am Abend zuvor habe ich den drei Pfleger/innen auf der Station mitgeteilt, dass mein Sohn mir nicht gefällt, weil er seine linke Körperhälfte nicht spürt. Ich wurde nur belächelt.
Nach der Entlassung bin ich mit ihm gleich wieder zum Hausarzt, weil er die Treppenstufen nur mit beiden Händen am Geländer bewältigen konnte, mit dem linken Fuß an der Treppenstufe hängen blieb und seine Jacke nicht zubekam, weil er nicht bemerkte, dass sein linker Arm gar nicht im Ärmel war. Zudem war er unendlich müde und wollte eigentlich nur schlafen. Unser Arzt machte einige kleine Tests und schickte uns sofort in ein größeres Krankenhaus in die Notaufnahme.
Nach einigen Stunden stand dann fest:
CT – Hirnblutung
Es wurde sich dann sofort fachgerecht um ihn gekümmert. Gott sei Dank.
Jedoch musste er zu einem operativen Eingriff noch einmal das Krankenhaus wechseln. Dort konnte er erfolgreich operiert werden.

Gut gelaufen:

Das wir dem Entlassungsbericht des ersten Krankenhauses nicht geglaubt haben und mit unserem Sohn direkt zu einem anderen Arzt gegangen sind. Wir haben ihm somit eigentlich das Leben gerettet.

Schlecht gelaufen:

Die oberflächliche Behandlung b.z.w. Untersuchung des Arztes im ersten Krankenhaus. Die schlechte Berichterstattung der Sanitäter, woraufhin der Arzt sich nicht viel Mühe mit der Diagnose gemacht hat.

Verbesserungsvorschläge:

Die Sanitäter müssen besser auf ihr Bauchgefühl hören. Sie sagten uns nämlich bei der Abholung unseres Sohnes, dass ihnen sein Verhalten nicht gefällt und sie ihn gerne in eine Neurologie fahren würden. Dann haben sie sich umentschieden und ihn in das nächste Krankenhaus gebracht, weil dort ein CT-Gerät vorhanden war. Aber was nützt das wenn dort der Arzt schlecht untersucht und kein CT durchführt?

Weitere Infos:

Wenn einem etwas seltsam vorkommt, soll man auch mal stur bleiben. Als ich im Krankenhaus war und bemerkte, dass mein Sohn nicht merkt, dass er gleich aus dem Krankenbett fällt, weil er zu weit links liegt, oder er nicht merkt, dass er mit seinem linken Fuß auf dem Hausschuh steht, hätte ich nach einem Arzt verlangen müssen. Ich hätte soviel Rabatz machen müssen, dass ich ernst genommen werde. Aber man hatte mich nur belächelt, als ich die Auffälligkeiten gemeldet habe. Hätte ein Arzt darauf hin gehandelt hätte alles viel schneller gehen können.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Es ist eine außerordentlich belastende Erfahrung, wenn man als Angehörige oder Angehöriger das Gefühl hat, dass die eigene Sorge um eine nahestehende Person nicht gehört wird. Fälle wie dieser zeigen, dass medizinische Informationen auf dem Weg vom Rettungsdienst in die Klinik manchmal unvollständig weitergegeben werden – und dass dies die nachfolgende Diagnostik beeinflussen kann.

Eine Hirnblutung (das ist eine Blutung im Schädelinneren) kann sich durch Symptome wie starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel und neurologische Ausfälle – zum Beispiel Taubheitsgefühl oder Schwäche auf einer Körperhälfte – bemerkbar machen. Diese Anzeichen ähneln manchmal anderen, weniger schwerwiegenden Erkrankungen, was eine Einordnung im Einzelfall schwierig machen kann. In diesem Fall hat die beharrliche Beobachtung einer Mutter dazu beigetragen, dass ihr Sohn rechtzeitig die richtige Behandlung erhielt.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Angehörige kennen die betroffene Person oft sehr gut – ihre Beobachtungen sind wertvolle Informationen für das medizinische Team. Folgende Möglichkeiten können dabei helfen, diese Beobachtungen wirksam einzubringen:

  • Beobachtungen konkret und ruhig benennen: Es ist möglich, dem Pflegepersonal oder dem ärztlichen Team ganz konkrete Veränderungen zu schildern – zum Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass mein Sohn seine linke Körperhälfte nicht wahrzunehmen scheint – er bemerkt nicht, dass er aus dem Bett zu rutschen droht.“ Je konkreter die Beschreibung, desto leichter ist sie für das Fachpersonal einzuordnen.
  • Explizit nach einem Arzt oder einer Ärztin fragen: Wenn Bedenken vom Pflegepersonal nicht aufgegriffen werden, ist es möglich, ausdrücklich darum zu bitten, dass ein Arzt oder eine Ärztin die Beobachtungen beurteilt: „Ich möchte bitte, dass ein Arzt oder eine Ärztin kurz nachschaut – ich mache mir konkrete Sorgen wegen dieser Auffälligkeiten.“
  • Dem eigenen Eindruck trauen und bei Bedarf eine zweite Meinung einholen: Wenn das Gefühl bleibt, dass etwas nicht stimmt, ist es jederzeit möglich, nach der Entlassung eine weitere ärztliche Einschätzung zu suchen – beim Hausarzt, in einer anderen Notaufnahme oder in einer spezialisierten Einrichtung. Eine Entlassungsdiagnose ist keine endgültige Feststellung.
  • Auf eine Übergabe hinwirken: Beim Eintreffen in der Notaufnahme ist es möglich, das Rettungspersonal zu bitten, alle beobachteten Symptome – einschließlich kurz aufgetretener motorischer Ausfälle (also Schwäche oder Lähmungserscheinungen) – ausdrücklich an das aufnehmende Team weiterzugeben, und diesen Wunsch auch gegenüber dem Krankenhauspersonal zu äußern.

Worauf Sie achten können

  • Zeichen wie einseitige Schwäche, Taubheitsgefühl, Gleichgewichtsstörungen oder ungewöhnlich starke Kopfschmerzen – auch wenn sie zwischenzeitlich nachlassen – können auf eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung hinweisen und rechtfertigen eine gründliche Untersuchung.
  • Wenn eine Person nach der Entlassung alltägliche Bewegungen nicht mehr sicher ausführen kann – zum Beispiel Treppen steigen, Kleidung anziehen oder das Gleichgewicht halten –, ist eine erneute ärztliche Einschätzung möglich und sinnvoll.
  • Als Angehörige oder Angehöriger ist es möglich, sich zu notieren, welche Symptome wann aufgetreten sind – diese Dokumentation kann dem nächsten medizinischen Team helfen, die Situation besser einzuschätzen.
  • Es ist möglich, Angehörige oder Vertrauenspersonen zu Gesprächen mit dem medizinischen Team mitzunehmen – vier Ohren hören mehr als zwei, und eine zweite Person kann Beobachtungen ergänzen oder bestätigen.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie als Angehörige oder Angehöriger ähnliche Erfahrungen gemacht haben, können Sie diese auf mehr-patientensicherheit.de anonym berichten – Ihre Schilderung kann anderen helfen, ähnliche Situationen zu erkennen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet unter 0800 011 77 22 (kostenlos) eine neutrale Beratung für Patientinnen, Patienten und Angehörige an.

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 15-29 Jahre
Art der Einrichtung:Notaufnahme, Krankenhaus
Geschlecht: männlich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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