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2026-141

Fehldiagnose Glaukom mit Hochdruck

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Fallbeschreibung:

Fehldiagnose Glaukom: Wenn Druckmessung in die Irre führt

Bei mir wurde beim Augenarzt ein Glaukom mit erhöhtem Augeninnendruck diagnostiziert.

Der Druck wurde NUR per Luftstoß gemessen (24 und 25), es wurde nicht mit der genaueren Applanationstonometrie (Goldmann) nachgemessen. (Ich wusste gar nicht dass es verschiedene Methoden gibt).
Ein OCT wurde dann gemacht, wegen dringenden Glaukomverdacht.
Sichtbar auf dem Ausdruck gelbe und rote Segmente. Diese wurden als krankhaft gewertet, also als Bestätigung. Perimetrie wurde auch gemacht.
Aufklärungsgespräch fand nicht statt, es stünde alles bei Google.
Es wurden sofort Tropfen verschrieben (Einzelwirkstoff), ohne vorher mehrere Druckwerte im Tagesverlauf zu messen (Tagesdruckprofil). Zeitnahe Druck-Kontrollen erfolgten auch nur per Luftstoß. Die Druckwerte wurden noch immer als zu hoch bewertet und daraufhin Zweifachwirkstoff verschrieben.
Im Verlauf reagierte der Arzt patzig auf meine Fragen, zB nach konservierungsmittel-freien Tropfen.

Stutzig wurde ich als ich morgens bei der 1. Zweitmeinung war, der Arzt bezweifelte die Diagnose und fand die bei ihm gemessenen Luftstoßwerte von knapp über 20 ok.
Mittags dann reguläre Kontrolle mit Luftstoß, dort wurde erstmal bezweifelt ob ich überhaupt getropft hätte, dann stärkere Tropfen verschrieben. Hier ebenfalls mit Luft-Werten von knapp über 20.

5 weitere Augenärzte (3 Niedergelassene, 1x Glaukomsprechstunde, 1x OA in derselben Klinik) konnten direkt nach der Spaltlampenuntersuchung diese Diagnose nicht bestätigten.
Erst der Dritte von diesen befragten Ärzten hat allerdings den Druck nach Goldmann gemessen, ich habe ganz normale Druckwerte, auch nach Absetzen der Tropfen im Tagesdruckprofil.
Auch das Icare zeigt bei mir zu hohe Werte an. Mit Luftstoß (NCT) waren die Werte im Vergleich zu Goldmann bis zu 9 Punkte zu hoch.
Ich weiß jetzt:
Luftmessung gilt als grobe Screeningemethode, oft zu hohe Werte..
OCT- Aufnahmen werden mit einer Referenzgruppe verglichen. Die eigene, individuelle „Konfiguration“ des Sehnervs kann zu fehlerhafter Anzeige/ Auswertung führen. Bei einem schrägen Sehnerveintritt z.B. (Normvariante), wie bei mir, ist ein OCT nur eingeschränkt auswertbar. Dieses hatte der 1. Arzt zwar bemerkt, aber nicht berücksichtigt.
In dieser Praxis war ich jahrzehntelang, seit 15 Jahren wurde bei 3 Terminen gesagt mein Druck sei zu hoch und ich sollte ohne große Erklärung OCT machen lassen. Verdacht auf OHT, immer nur mit Luft gemessen. Die diagnostizierende Ärztin jetzt war neu in der Praxis.

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Alles schlecht gelaufen. Schnellabfertigung.

Verbesserungsvorschläge:

Es muss nach Goldmann nachgemessen werden wenn Luftwerte zu hoch ausfallen, man darf sich nicht auf Luftstoß- Werte verlassen.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Diagnose wie ein Glaukom – also eine Erkrankung des Sehnervs, die unbehandelt zur Erblindung führen kann – kann sehr belastend sein. Umso schwerer wiegt es, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Befunde, auf denen die Diagnose beruhte, möglicherweise nicht ausreichend abgesichert waren.

In diesem Fall wurde der Augeninnendruck ausschließlich mit der sogenannten Non-Kontakt-Tonometrie (NCT, auch „Luftstoßmessung“ genannt) gemessen – einer Methode, die als grobe Orientierung gilt, aber vergleichsweise häufig zu hoch ausfallende Werte liefert. Die genauere Referenzmethode, die Applanationstonometrie nach Goldmann, wurde zunächst nicht eingesetzt. Zusätzlich wurden die Ergebnisse einer OCT-Untersuchung (optische Kohärenztomografie – ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung des Sehnervs) als krankhaft bewertet, ohne eine anatomische Besonderheit – in diesem Fall ein schräg einmündender Sehnerv – in der Auswertung zu berücksichtigen. Augentropfen wurden verschrieben, bevor ein sogenanntes Tagesdruckprofil erstellt wurde, das Schwankungen des Augeninnendrucks über den Tag abbildet. Ein ausführliches Aufklärungsgespräch fand nach Angabe der Betroffenen nicht statt. Erst nach mehreren Zweitmeinungen und einer Goldmann-Messung stellte sich heraus, dass die Druckwerte im Normbereich lagen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer eine Diagnose erhält, die eine dauerhafte Behandlung nach sich zieht, kann sich in verschiedenen Schritten zusätzliche Sicherheit verschaffen.

  • Bei erhöhten Augeninnendruckwerten per Luftstoßmessung ist es möglich, gezielt nach einer Bestätigung durch die Goldmann-Applanationstonometrie zu fragen – zum Beispiel: „Kann der Druck auch mit der Goldmann-Methode gemessen werden, bevor weitere Schritte eingeleitet werden?“
  • Vor Beginn einer dauerhaften medikamentösen Behandlung kann die Frage nach einem Tagesdruckprofil sinnvoll sein – also einer Messung zu verschiedenen Tageszeiten, die ein vollständigeres Bild der Drucksituation ergibt.
  • Wenn OCT-Befunde als auffällig bewertet werden, ist es möglich zu fragen, ob anatomische Besonderheiten des Sehnervs bei der Auswertung berücksichtigt wurden: „Gibt es Hinweise auf eine Normvariante, die das Ergebnis beeinflussen könnte?“
  • Bei einer folgenreichen Diagnose ist eine Zweitmeinung eine legitime und in Deutschland ausdrücklich anerkannte Möglichkeit – vorzugsweise in einer auf Glaukome spezialisierten Einrichtung oder Hochschulambulanz.

Worauf Sie achten können

  • Wurden bei erhöhten Luftstoßwerten ergänzende Messverfahren (z. B. Goldmann) angeboten oder auf Nachfrage durchgeführt?
  • Wurde vor Beginn einer Dauermedikation ein Tagesdruckprofil erstellt?
  • Wurden OCT-Befunde im Gespräch erklärt, und wurde dabei auf individuelle anatomische Gegebenheiten eingegangen?
  • Hatten Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen – etwa zur Wahl des Medikaments oder zu verträglicheren Alternativen wie konservierungsmittelfreien Augentropfen?

Sie sind nicht allein

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Diagnose oder Behandlung ausreichend abgesichert ist, kann die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlos und neutral weiterhelfen. Eigene Erfahrungen – positive wie negative – lassen sich auf mehr-patientensicherheit.de anonym berichten und tragen dazu bei, die Versorgung für andere zu verbessern.

Infos zum Fall:

Perspektive: keine Angabe
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

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