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2024-087

Symptome negiert und auf Depression geschoben

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Fallbeschreibung:

Rückenschmerzen als Depression abgetan – CIRS-Fall

Ich habe mich mit sehr starken Schmerzen im Bereich Lendenwirbelsäule und Nacken sowie Taubheitsgefühl im Fuss an einen Arzt gewandt, seines Zeichens Neurochirurg in einer orthopädischen Praxis. In meinem Medikamentenplan war ein Antidepressivum aufgelistet, welches ich rein zur Besserung meiner Wechseljahresbeschwerden auf eigenen Wunsch nach Verordnung durch meinen Hausarzt nehme.
Der Arzt hat sämtliche Beschwerden abgetan und mich regelrecht angeschnauzt, ich hätte ja Depressionen, meine Symptome hätten nichts mit der Wirbelsäule zu tun, und ich solle Schmerzmittel nehmen, „bis ich glücklich bin“ und Physiotherapie machen!
Ich habe dann in der gleichen Praxis einen Termin bei einer anderen Ärztin gemacht- sie hat MRTs angeordnet: Bandscheibenprotusionen im HWS und LWS Bereich sowie ebendort auch Arthrosen!
Dass ich keine Depressionen habe glaubt sie aber auch nicht, schliesslich hat ihr Kollege das ja behauptet!

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Verbesserungsvorschläge:

Keine Angaben

Weitere Infos:

Medical neglect und medical gaslighting sind die Schattenseite der Psychosomatik! Man kann nicht erst psychische Ursachen behaupten bevor man körperliche Gründe ausgeschlossen hat! Erst Recht nicht bei einer Patientin, die man nie zuvor behandelt hat!

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wenn körperliche Beschwerden nicht ernst genommen werden und stattdessen psychische Ursachen ohne weitere Untersuchung in den Vordergrund gestellt werden, kann das für Betroffene sehr belastend sein – und im schlimmsten Fall dazu führen, dass notwendige Diagnosen verzögert werden. Dieser Fall zeigt, wie das Vorhandensein eines Medikaments im Behandlungsplan zu Fehlschlüssen führen kann: Das Antidepressivum, das die Patientin ausschließlich wegen Wechseljahresbeschwerden einnahm, wurde offenbar als Hinweis auf eine Depression gewertet – ohne Nachfrage, ohne Untersuchung, ohne bildgebende Diagnostik wie ein MRT (ein Verfahren, das innere Strukturen wie Wirbelsäule und Bandscheiben sichtbar macht).

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Es gibt einige Möglichkeiten, wie Patientinnen und Patienten in vergleichbaren Situationen für sich eintreten können – wenn sie das möchten und es ihnen möglich ist.

  • Bei Medikamenten im Behandlungsplan ist es möglich, aktiv auf den genauen Einnahmegrund hinzuweisen – auch wenn dieser auf dem Plan nicht detailliert vermerkt ist. Ein Hinweis wie „Ich nehme dieses Mittel ausschließlich wegen meiner Wechseljahresbeschwerden, nicht wegen einer Depression“ kann Missverständnisse von Anfang an vermeiden.
  • Wenn Beschwerden ohne körperliche Untersuchung oder weiterführende Diagnostik erklärt werden, ist es möglich, konkret nach dem Grund zu fragen: „Welche Untersuchungen wurden durchgeführt, um körperliche Ursachen auszuschließen?“
  • Wenn das Gespräch mit einer behandelnden Person als nicht zielführend erlebt wird, ist ein Wechsel innerhalb derselben Praxis – wie in diesem Fall – oder zu einem anderen Fachbetrieb eine legitime und sinnvolle Option.
  • Eigene Beobachtungen, Symptome und deren zeitlicher Verlauf lassen sich vorab schriftlich festhalten. Das kann dabei helfen, im Gespräch nichts Wichtiges zu vergessen und die Darstellung der Beschwerden klar zu strukturieren.

Worauf Sie achten können

  • Für jedes Medikament im Behandlungsplan lässt sich der genaue Einnahmegrund notieren – das erleichtert die Kommunikation bei neuen Behandelnden.
  • Wenn eine Diagnose ausschließlich auf Basis von Vorgesprächen oder Aktenlage gestellt wird, ohne körperliche Untersuchung oder Bildgebung, ist eine Nachfrage oder eine zweite Meinung möglich.
  • Eine zweite ärztliche Meinung – auch innerhalb derselben Einrichtung oder bei einer anderen Fachpraxis – ist jederzeit in Anspruch zu nehmen und ein anerkanntes Recht von Patientinnen und Patienten.
  • Wenn das Vertrauen in eine Behandlungsperson durch eine frühere Aussage eines Kollegen oder einer Kollegin vorbelastet ist, kann dies im Gespräch direkt angesprochen werden: „Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam neu auf meine Situation schauen.“

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

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