Nach einer Nierstein-OP verspürte ich sehr starke Schmerzen und Übelkeit. Der Ultraschall erkannte bereits Wassereinlagerungen in und um der/die betreffenden Niere. Trotz von mir geäußerter Bedenken wurde ich ohne Urinuntersuchung und somit ohne Antibiotika 20 Stunden nach der OP entlassen.
Die Symptome verstärkten sich. 14 Stunden nach Entlassung (2 Uhr morgens) suchte ich mit Dauererbrechen und so massiven Schmerzen, dass ich nicht mehr stehen konnte, die Klinik auf. Es wurde eine aktue Urosepsis mit hohem Fieber festgestellt, die Schwestern kämpften zu Beginn damit, mich bei Bewusstsein zu halten. Psychisch kämpfte ich mit den typischen Sepsis Symptomen „Gefühl zu sterben“, hohes Fieber trotz (nicht passendem) Antibiotikum, Erbrechen. Es dauerte 3 Tage bis ein Antibiotikum für den Mulitresistenten Keim gefunden wurde. Ich verblieb 7 Tage in der Klinik.
Der aufnehmende Notarzt erkannte die Situation und nahm sofort eine Blut- und Urinprobe zur Bestimmung des Erregers und gab umgehend ein Antibiotikum (welches zumindest Schlimmeres verhinderte).
Ärzte und Pfleger waren sehr respektvoll und höflich.
Nach erneuter Aufnahme wurde ich regelmäßig auf verschiedenste Vitalwerte überprüft und überwacht und nach dem Befinden gefragt. Ich wurde über das weitere Vorgehen: Suche nach passendem Antibiotikum läuft leider noch/ wurde nun gefunden, Fieber sinkt nicht/ sinkt nun, Blutwerte sagen regelmäßig aufgeklärt. Auch das Pflegepersonal wusste über alle Schritte Bescheid.
Bei Entlassung wurden trotz eindeutiger Hinweise -Übelkeit, starke Schmerzen, Wassereinlagerungen- keine Urin- und oder Blutprobe genommen.
Es gab bei Entlassung keine Aufklärung darüber, was passieren könnte (wenn Symptome wie Erbrechen auftreten, dann…) und dass ich ggf. regelmäßig Fieber messen sollte. Ich fragte selbst: Was ist, wenn es schlimmer wird? – Antwort: Das kann schonmal vorkommen, zur Not kommen Sie zurück. (Was bedeutet hier „zur Not“? und wie komme ich zurück?)
Ich wurde nach Aufnahme nicht darüber aufgeklärt, dass es sich um eine Sepsis handelt (aufgrund meiner Fachausbildung war es mir aber klar, als gesagt wurde: Im Blut sind Keime und sagte irgendwann: Wir sprechen hier von einer Sepsis, korrekt?! – Antwort: Sozusagen.).
Ich wurde nicht darauf hingewiesen dass das Gefühl zu sterben Teil der Symptomatik ist.
Standardmäßige Urinprobe nach OPs vor Entlassung im urologischen Bereich.
Ernst nehmen von genannten Symptomen der Patienten und entsprechendes Handeln.
Bessere Aufklärung bei Entlassung zu was bedeutet „zur Not“: Wenn die Schmerzen stärker werden, messen Sie Fieber. Wenn Fieber, Schlaflosigkeit oder Erbrechen auftreten, kommen Sie umgehend zurück. Nutzen Sie den RTW (hätte mir sehr viel Zeit und schnellere Behandlung ermöglicht, mit den Symptomen konnte ich in der Situation nicht bedenken, wie bedrohlich es war und wartete somit auf Verwandte, die mich nachts fahren konnten).
Ehrliche Nennung der Diagnose statt Umschreibungen.
Entlastung, indem die Symptome eingeordnet werden: „Es kann sich anfühlen als würde man sterben, das liegt an…“ (ich hatte das Gefühl sehr klar und deutlich beschrieben, woraufhin auch ein EEG gemacht wurde).
Das Thema mulitresistenter Keime wird in Deutschland generell sehr nachlässig in Kliniken gehandhabt, ich kenne viele weitere Fälle auch mit tödlichem Ausgang. Nie wurde vor Entlassung eine Urin- und oder Blutprobe auf Keime genommen.
Unklar ist, über welchen Weg der Keim (der zuvor nicht in meinem Urin war) übertragen wurde (hier hatten Klinik und ich abweichende Theorien). Dies ist jedoch irrelevant für die früh mögliche Feststellung bei Entlassung. Gibt es hier Sorgen der Kliniken? Wenn ja, sollte auch den Kliniken Sicherheit und Schutz geboten werden.
Dies ist auch der Grund warum ich nicht „In der Einrichtung erworbene Infektion“ ankreuze, es ist schlicht nicht nachzuhalten.
Perspektive: Patientin oder Patient
Art der Einrichtung:Normalstation, Operationssaal, Krankenhaus