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2026-072

Sepsis zunächst durch Rettungsdienst nicht erkannt

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Fallbeschreibung:

Sepsis erkannt: Mediastinitis nach Weisheitszahn-OP

Ich rief die Rettungsleitstelle an, weil ich retrosternal Schmerzen und Schmerzen zwischen den Schulterblättern hatte, mein Blutdruck kurz vorher 210/110 war und ich schlecht Luft bekam. Mir war speiübel und ich hatte 39° C Fieber. Ich hatte das Gefühl, ich sterbe bald.

Der Rettungsdienst kam, schrieb ein EKG und meinte, es wäre kein Herzinfarkt. Der Blutdruck war normal bei 120/70. Sie wollten mich nicht mit in die Klinik nehmen. Auch, als mein erwachsenes Kind sagte, dass sie mich noch nie so elend gesehen hätte, meinten sie, sie würden dann den niedergelassenen Notdienst später nochmal vorbeischicken. Vielleicht wäre es eine Nerveneinklemmung. Ich bestand darauf, dass sie mich mit in die Klinik nehmen, was sie dann auch widerwillig taten.

In der Notaufnahme bekam ich dann schon so schlecht Luft, dass ich Sauerstoff bekam und der Blutdruck sank extrem schnell. Der diensthabende Arzt erkannte zum Glück die Sepsis und er hat mir mit Antibiotikum und Volumengabe wahrscheinlich das Leben gerettet.

Letztendlich hatte ich eine Mediastinitis, von einer Weisheitszahn-OP ausgehend. Mit Hirnbeteiligung, Lungenentzündung, Herzbeutel – und Muskel-Entzündung, Gerinnungsstörung.

Gut gelaufen:

Geholfen hat meine Angst zu sterben, die mich drauf drängen hat lassen, mitgenommen zu werden. Der Klinikarzt war offensichtlich mit Sepsis-Symptomen vertraut. Das war hilfreich.

Schlecht gelaufen:

Ungünstig war die Unwissenheit und Überheblichkeit der Rettungssanitäter, die mich beim Abtransport noch fragten, ob ich denn jemanden hätte, der mich dann später am Tag aus der Klinik abholen könne, weil mit einer Interkostalnerveneinklemmung würde ich ja bestimmt nicht aufgenommen werden.

Verbesserungsvorschläge:

Schulung der Rettungskräfte. Sowohl Sanitäter, Assistent als auch Notarzt haben die Situation völlig verkannt.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine Situation wie diese ist lebensbedrohlich und zutiefst belastend – körperlich wie emotional. Wenn trotz schwerster Symptome keine eindeutige Ursache sofort erkennbar ist, kann es vorkommen, dass die Einschätzung des Rettungsdienstes vor Ort von der tatsächlichen Schwere der Erkrankung abweicht.

Eine Sepsis (Blutvergiftung) – eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion – ist in frühen Stadien nicht immer leicht zu erkennen, da ihre Symptome viele Ursachen haben können. Gleichzeitig ist sie ein medizinischer Notfall, bei dem jede Stunde zählt. In diesem Fall lag die Ursache in einer seltenen und schwerwiegenden Entzündung des Mittelfellraums (Mediastinitis), die von einer Zahnoperation ausging.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wenn das eigene Körpergefühl und die Einschätzung des medizinischen Fachpersonals auseinandergehen, ist es möglich, die eigene Wahrnehmung klar und bestimmt einzubringen.

  • Das eigene Körpergefühl ernst nehmen und klar benennen: Es ist möglich, die eigene Einschätzung direkt auszusprechen – zum Beispiel: „Ich fühle mich so schlecht wie nie zuvor in meinem Leben. Ich möchte in die Klinik gebracht werden.“ Solche Aussagen können die Entscheidung des Rettungsdienstes beeinflussen.
  • Auf dem Transport in die Klinik bestehen: Patient:innen können den Transport in eine Notaufnahme ausdrücklich einfordern. Der Rettungsdienst ist verpflichtet, diesen Wunsch zu berücksichtigen und zu dokumentieren.
  • Begleitpersonen aktiv einbeziehen: Angehörige, die die betroffene Person gut kennen, können wertvolle Beobachtungen beisteuern – etwa: „Ich kenne sie seit Jahrzehnten und habe sie noch nie in diesem Zustand gesehen.“ Solche Einschätzungen können zusätzliches Gewicht haben.
  • Auf eine vollständige Untersuchung in der Notaufnahme drängen: Auch wenn eine einzelne Untersuchung – wie ein EKG – unauffällig ist, ist es möglich, um weitergehende Diagnostik zu bitten, solange die Ursache der Beschwerden unklar ist.

Worauf Sie achten können

  • Mehrere gleichzeitig auftretende Symptome wie Fieber, Schmerzen, Luftnot und ein starkes Krankheitsgefühl können auf eine ernste Erkrankung hinweisen – auch wenn einzelne Werte wie das EKG unauffällig sind.
  • Ein Fieber über 38,5 °C in Kombination mit anderen Symptomen ist ein mögliches Zeichen einer Infektion, die ärztliche Abklärung erfordert – besonders nach operativen Eingriffen, auch kleineren wie einer Zahnoperation.
  • Es ist möglich, beim Rettungsdienst oder in der Notaufnahme ausdrücklich zu fragen: „Könnte das eine Sepsis oder eine ernste Infektion sein?“ Das Benennen dieser Möglichkeit kann die Diagnostik gezielt anregen.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, nicht ausreichend gehört zu werden, ist es möglich, auf eine ärztliche Zweitmeinung zu bestehen oder den Transport in eine Notaufnahme aktiv einzufordern.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie eine ähnliche Erfahrung gemacht haben oder unsicher sind, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen können, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und unabhängige Beratung an. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie Ihren Fall anonym melden und damit dazu beitragen, dass andere von Ihren Erfahrungen profitieren.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Rettungsdienst/Krankentransport, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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