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2025-201

Gefährliche Ferndiagnose vom Gynäkologen

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Fallbeschreibung:

Vergessener Tampon fast übersehen – Risiko toxischer Schock

Ich hatte die bekannten Symptome einer Blasenentzündung: schmerzhaftes Brennen beim Wasserlassen, Schwächegefühl, starke Müdigkeit. Ich dachte, das kenne ich schon und bin zum Hausarzt, der mit ein Einmal-Antibiotikum verschrieb. Soweit so gut, nach 2 Tagen an denen ich weitestgehend zwischen Couch und WC pendelte ging es mir besser. Das hielt einen Tag an, dann war das Brennen zurück.

Der Hausarzt verschrieb mir das nächste Antibiotikum, das ich 6 Tage nahm. Die Symptome nahmen ab und es ging mir daraufhin 1 Tag wirklich gut. Das war ein Donnerstag, pünktlich zum Freitagabend bekam habe ich dann zunehmend Eiter und Blut im Urin bemerkt. Es wurde schnell mehr und hat furchtbar gestunken, so dass ich am Samstag die 116117 wählte und mit einem Frauenarzt telefonieren durfte. Der ist mir in dem knapp 3 minütigen Gespräch wirklich jedesmal ins Wort gefallen, bis ich laut wurde und gefordert habe, dass er mich doch bitte auch mal ausreden lässt.

Ernst genommen wurde ich trotzdem nicht, er hat das als einfache Blasenentzündung abgetan, mir aufgetragen dass ich mir desinfizierende Vaginaltabletten aus der Apotheke holen und am Dienstag (Mo war Feiertag) zu meinem regulären Arzt gehen soll. Hätte er sich mehr als 3 Minuten Zeit genommen und mich in der Praxis untersucht, hätte er den vergessenen Tampon bemerkt. So habe ich beim Einführen der Vaginaltabletten selbst etwas ertastet, bin furchtbar erschrocken und habe 24 Stunden Horrorszenarien durchlebt, weil ich dachte es wäre ein Geschwür.

Nach einem Tag (Sonntag Abend) habe ich mir ein Herz gefasst, mich selbst untersucht und einen 4 Wochen alten eitrigen Tampon herausgezogen. Hätte ich auf die „Beratung“ des Frauenarztes vertraut, wäre ich bis Dienstag vielleicht an einem toxischen Schocksyndrom oder einer Blutvergiftung gestorben. Vermutlich hatte ich schon Symptome davon und die Antibiotika des Hausarzt haben mich die vorigen 2 Wochen über Wasser gehalten.

Gut gelaufen:

Man sollte in einem Fall, in dem schon mehrere Antibiotika keine Lösung waren auf jeden Fall auf einen persönlichen Untersuchungstermin bestehen und sich nicht abwürgen lassen! Ich bin froh, dass ich mir schlussendlich selbst geholfen habe.

Schlecht gelaufen:

Der Frauenarzt hatte ganz offensichtlich null Bock auf seinen Wochenend-Notdienst und wollte mich schnell abkanzeln. Ich habe laut und vehement mehr Aufmerksamkeit gefordert, aber trotzdem hätte seine Nachlässigkeit und Bequemlichkeit für mich tödlich enden können.

Verbesserungsvorschläge:

Ein Arzt sollte erstmal zuhören! Nicht ständig den Patienten unterbrechen, nicht nur die naheliegendste Lösung im Blick haben.

Weitere Infos:

Das war eine unnötige und gefährliche Fehldiagnose. Eine Notfallsituation wurde nicht als solche erkannt.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden trotz Behandlung sind belastend – körperlich und emotional. Wenn sich die Situation dann weiter verschlechtert und gleichzeitig das Gefühl entsteht, im Gespräch mit einer medizinischen Fachkraft nicht gehört zu werden, ist das eine besonders schwierige Lage.

Symptome, die auf den ersten Blick vertraut wirken – etwa das Brennen bei einer Blasenentzündung – können in manchen Fällen auf eine andere oder zusätzliche Ursache hinweisen. Wenn mehrere Behandlungsversuche nicht dauerhaft helfen oder sich neue Zeichen zeigen wie Blut oder Eiter im Urin, kann das ein Hinweis sein, dass etwas Weiteres übersehen wurde. Eine körperliche Untersuchung – also eine direkte Untersuchung am Körper der Patientin – ist in solchen Situationen oft entscheidend, um die eigentliche Ursache zu finden.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer sich in einer ähnlichen Situation befindet, kann verschiedene Schritte in Betracht ziehen, um die eigene Versorgung aktiv zu unterstützen.

  • Wenn Beschwerden nach mehreren Behandlungen immer wieder zurückkehren oder sich neue Symptome zeigen, ist es möglich, ausdrücklich nach einer körperlichen Untersuchung zu fragen – auch und gerade im Notdienst. Ein möglicher Einstieg: „Ich hatte jetzt zwei Mal ein Antibiotikum, die Symptome kommen zurück und werden schlimmer. Ich möchte bitte persönlich untersucht werden.“
  • Im telefonischen Kontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (erreichbar unter 116117) ist es möglich, ruhig, aber bestimmt darum zu bitten, alle Beschwerden vollständig schildern zu dürfen, bevor eine Einschätzung gegeben wird. Falls das Gespräch zu schnell beendet wird, kann ein zweiter Anruf oder der direkte Weg in eine Notaufnahme eine sinnvolle Alternative sein.
  • Wenn sich neue oder ungewöhnliche Symptome zeigen – besonders solche, die bisher nicht da waren, wie auffälliger Geruch, Eiter oder Blut – ist es hilfreich, diese konkret und deutlich zu benennen: „Ich beobachte seit heute Eiter und Blut, das ist neu und hat sich schnell verschlechtert.“ Solche Angaben können dabei helfen, den Ernst der Lage besser einzuschätzen.
  • Wenn die telefonische Einschätzung nicht dem eigenen Körpergefühl entspricht oder die Beschwerden sich rasch verschlimmern, ist der direkte Weg in eine Notaufnahme immer eine mögliche Option – unabhängig davon, was zuvor empfohlen wurde.

Worauf Sie achten können

  • Kehren Beschwerden nach einer abgeschlossenen Antibiotika-Behandlung (also einem Medikament gegen bakterielle Infektionen) rasch zurück oder werden sie stärker, ist das ein Zeichen dafür, dass die Ursache möglicherweise noch nicht gefunden wurde.
  • Neue Symptome – etwa veränderter Geruch, Eiter, Blut oder deutlich stärkere Erschöpfung als zuvor – gehen über eine gewöhnliche Blasenentzündung hinaus und rechtfertigen eine erneute und gründlichere Abklärung.
  • Beim Einsatz von Vaginaltabletten oder ähnlichen Mitteln empfiehlt sich zunächst eine kurze Selbstbeobachtung; ungewöhnliche Wahrnehmungen können ein Anlass sein, die Situation neu einzuschätzen.
  • Wer das Gefühl hat, im Gespräch mit medizinischem Personal nicht gehört zu werden, kann das direkt ansprechen, einen zweiten Anruf wagen oder eine andere medizinische Anlaufstelle aufsuchen – das ist ein legitimer Schritt, keine Überreaktion.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Arztpraxis
Geschlecht: weiblich

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