2024-946
Erste Anzeichen einer Blinddarmentzündung abgetan mit: Muss das denn sein?
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Mein Erfahrungsbericht bezieht sich auf einen meiner wenigen Kontakte mit der Notfallnummer 116117.
Kurz nach einem Feiertag, am Wochenende, entwickelte ich am Abend/Nacht heftige Symptome: Schmerzen im gesamten Bauch, Durchfall, heftiges Erbrechen, Schwindel. Weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, was mit mir los war, rief ich – wie das empfohlen wird, die Notfallnummer 116117 an.
Ziel war, abzuschätzen, ob meine Symptome einen ärztlichen Kontakt erfordern würden.
Ich musste mehrmals die Nummer wählen, bis ich durch kam. Am anderen Ende fragte eine patzige Mitarbeiterin meine Daten und Beschwerden ab. Ich konnte wegen meines heftigen Symptome unmöglich selbst in die nächste kassenärztliche Notfallsprechstunde fahren – noch ein Anlass für den/die Mitarbeiter/in und später auch den Notarzt/ die Notärztin, unglaublich patzig zu werden.
Irgendwann rief der Notarzt/ die Notärztin zurück; es würde ihn/sie ungefähr 1-2 Stunden kosten, um bei mir vorbei kommen zu können. Und sowieso: Könne es sich nicht eh nur um Periodenbeschwerden handeln? Immerhin sei ich in dem Alter. Weitere Einordnungen meinerseits, dass ich zwar schon Episoden hatte, wo ich vor Periodenschmerzen ohnmächtig geworden bin, diese aber nie derart heftig und systemisch auftraten wie meine Symptome an diesem Tag (und dass ich sowieso noch zyklusmäßig nicht dran wäre) haben ihn schlicht nicht interessiert.
Das Gespräch endete mit einem sinngemäßen „ich habe besseres zu tun“ und ich solle mich nicht so anstellen und „halt eine Tablette Buscopan nehmen“. Zur Einordnung: Es handelte sich um Symptome einer akuten Blinddarmentzündung, wie ich später im Krankenhaus feststellen musste. Details dazu haben den Arzt/ die Ärztin nicht interessiert – er/sie sah offensichtlich nur eine Frau im gebährfähigen Alter.
Der patzige Ton und das medizinische Gaslighting haben mich ratlos zurück gelassen und dafür gesorgt, dass ich mich erst Stunden später ins Krankenhaus getraut habe. Immer noch mit der Angst, dort die selbe Antwort zu erhalten. Hätte ich auf den Arzt/ die Ärztin gehört, wäre ich Gefahr gelaufen, später wegen eines durchbrochenen Blinddarms mit Blaulicht ins nächste Krankenhaus gebracht werden zu müssen.
Wer mitten in der Nacht mit heftigen Schmerzen und dem Gefühl, kaum noch handlungsfähig zu sein, Hilfe sucht, befindet sich in einer sehr verletzlichen Lage. Wenn die eigene Einschätzung der Symptome dabei nicht ernst genommen wird, kann das dazu führen, dass notwendige Behandlung verzögert wird – mit möglichen gesundheitlichen Folgen.
Was in diesem Fall beschrieben wird, ist in der Medizin als „Gender Bias“ (geschlechtsbezogene Voreingenommenheit) bekannt: Symptome werden bei Frauen häufiger auf hormonelle oder psychische Ursachen zurückgeführt, auch wenn sie auf etwas anderes hinweisen. Das ist ein bekanntes strukturelles Problem im Gesundheitswesen – und kein Versagen der betroffenen Person.
Wer in einer vergleichbaren Situation ist, kann einige Möglichkeiten in Betracht ziehen, um die eigene Einschätzung besser zur Geltung zu bringen.
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose und unabhängige Beratung bei Fragen zu Beschwerden und Patientenrechten – erreichbar unter 0800 011 77 22 (kostenlos, Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr). Erfahrungen wie diese können außerdem auf mehr-patientensicherheit.de anonym gemeldet werden – jeder Bericht trägt dazu bei, Muster zu erkennen und die Versorgung zu verbessern.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Eine Frau berichtet, wie ihr Wunsch nach Sterilisation wiederholt abgelehnt und bagatellisiert wurde. Ein CIRS-Fall über Patientenrechte und Selbstbestimmung.
Fall lesen →Ein CIRS-Fall über Datenschutzverletzung in der Therapie, Stigmatisierung und verweigerte Weiterbehandlung – mit gravierenden Folgen für Beruf und Privatleben.
Fall lesen →Nach einem Auffahrunfall wurde ein Patient beim Durchgangsarzt nicht als BG-Fall anerkannt. Was bei der Versorgung schiefläuft.
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Fall lesen →Eine Patientin berichtet von 25 Jahren Fehldiagnostik, Medical Gaslighting und mangelnder Anerkennung chronischer Schmerzen. Was das System verbessern muss.
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Fall lesen →Eine Patientin wartete fast 10 Jahre auf ihre Rheuma-Diagnose. Der Fall zeigt, wie Symptome bei Frauen zu schnell als psychisch abgetan werden.
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Fall lesen →CIRS-Fall: Patientin mit Dissoziativer Identitätsstörung erlebt Ablehnung ihrer Diagnose im Krankenhaus. Was das für die Patientensicherheit bedeutet.
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Die Betriebskrankenkassen:
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