2026-219
Schwerwiegende Behandlungsfehler, Zwangsmedikation und Hygieneleistungsmängel
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Patient, Ende 40, wird eingewiesen. Liegt zuerst in einem Mehrbettzimmer, später dann Einzelzimmer
1. chronologisches Eigenprotokoll
•Einweisung in das Klinikum wegen einer Entzündung am
Fuß mit Nekrotisierung.
• Über 4 Tage hinweg: Diagnostische Untersuchungen. Feststellung eines
Verschlusses im linken Bein. Beginn der Verabreichung von Antibiotika und
Schmerzmitteln.
•2 Tage später: Operation (Bypass am Bein). Anschließend Verlegung auf die
Intensivstation. Symptome: Massives Erbrechen und Übelkeit. Medizinischer Verdacht:
Süßstoffintoxikation und massive Blutzuckerentgleisung (< 18 mmol/l).
•weitere 2 Tage später: Verlegung auf Station. Anhaltende Übelkeit und
Erbrechen. Tägliche Abfrage nach Schmerzen, fortlaufende Schmerzmittelabgabe.
•Am nächsten Tag trotz mehrfacher Nachfrage nach einer Verlegung in ein Einzelzimmer erfolgte
keine Reaktion. Der Patient äußert geringe bis keine Operationsschmerzen. Fortlaufende
Schmerzmittelabgabe trotz ausdrücklichem Widerspruch und Ablehnung durch den
Patienten. Weiterhin Übelkeit und Erbrechen. Nachts: Anlage/Wechsel einer Infusion am
Zentralen Venenkatheter (ZVK) ohne Handschuhe und ohne Desinfektion durch das
Pflegepersonal.
•Am darauffolgenden Tag Vormittag/Mittag: Durchführung einer Bluttransfusion.
•Nachmittag: Durchführung einer Magenspiegelung (Gastroskopie) ohne
auffälligen Befund. Anhaltende Übelkeit und Erbrechen. Erst nach massiver Aufforderung
zur Umbettung/Verlegung erfolgte die Zuweisung eines Einzelzimmers (Erholung/Schlaf
möglich). Weiterhin Schmerzmittelabgabe trotz expliziter Ablehnung.
•Gegen Mittag am nächsten Tag: Nachfrage nach dem Stationsarzt. Antwort des Personals: "Der ist
nicht mehr da, erst morgen früh zur Visite wieder." Trotz massiver Nebenwirkungen ist kein
Arzt greifbar.
•bis nachmittags: Anhaltende Übelkeit und starkes
Drogenrauschgefühl infolge der unerwünschten und aufgezwungenen
Schmerzmittelabgabe. Anfertigung des Krankenhausprotokolls
•nachmittags/Abends des gleichen Tages: Beschimpfung und Leugnung durch zwei
Pflegekräfte bezüglich der fehlenden Desinfektion bei der nächtlichen ZVK-
Infusionsanlegung. Der Patient befindet sich weiterhin im Rauschgefühl und empfindet
akute Wehrlosigkeit.
2. Rechtliche und Medizinische Relevanz der Bluttransfusion
Die Ergänzung, dass vor der Magenspiegelung eine Bluttransfusion durchgeführt
wurde, ist aus folgenden Gründen für die Prüfbehörden von höchster Brisanz:
1. Fehlende medizinische Plausibilität / Dokumentationsprüfpflicht: Die Magenspiegelung
blieb ohne Befund (keine akute Magenblutung). Es muss strikt geprüft werden, ob für die
Gabe von Fremdblut eine echte medizinische Indikation (z. B. lebensbedrohlicher Hb-Wert-
Abfall) vorlag oder ob hier eine unzulässige Leistungsausweitung zur
Kostenmaximierung stattfand.
2. Erhöhtes Infektionsrisiko bei Hygienemängeln: Die Gabe einer Bluttransfusion über
einen ZVK, an dem nachweislich unter Missachtung der Sterilitätsketten (ohne
Handschuhe/Desinfektion) gearbeitet wurde, potenziert das Risiko einer lebensgefährlichen
ZVK-Sepsis (Blutvergiftung).
3. Aufklärung und Einwilligung: Es ist zu prüfen, ob für diese Transfusion eine
rechtswirksame Aufklärung und Einwilligung vorlag. Eine Transfusion gegen den Willen
oder ohne umfassende Aufklärung erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung.
4. Sofortiges Aufforderungsschreiben zur Aktenherausgabe
An die Klinikleitung / das Qualitätsmanagement des Klinikums
Per Boten / Vorab per E-Mail
ANFORDERUNG DER VOLLSTÄNDIGEN PATIENTENAKTE GEMÄSS §
630g BGB
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich befinde mich derzeit in einer Ihrer Abteilungen in Behandlung.
Im Verlauf meines Aufenthalts kam es zu schwerwiegenden Zwischenfällen, unter anderem zu
Medikationsabgaben gegen meinen ausdrücklichen Widerspruch, Hygieneverstößen am ZVK sowie
verbalen Übergriffen durch das Pflegepersonal.
Ich fordere Sie hiermit gemäß § 630g BGB auf, mir unverzüglich eine vollständige Kopie meiner
gesamten Patientenakte auszuhändigen.
Die Herausforderung hat ausdrücklich zu umfassen:
• Den vollständigen ärztlichen und pflegerischen Behandlungsverlauf,
• Das lückenlose Kurvenblatt (Medikationsdokumentation) inklusive aller verabreichten
Schmerz-, Operations- und Sedierungsmittel,
• Den OP-Bericht der Bypass-OP sowie das Anästhesieprotokoll,
• Die Laborwerte (insb. Blutzuckerwerte und Hb-Werte über den ganzen Aufenthalt hinweg),
• Die Indikationsstellung, Aufklärung und das Protokoll zur Bluttransfusion
• Den Befundbericht der Magenspiegelung
• Sämtliche Pflegeberichte und Schichtprotokolle der Station
Ich weise vorsorglich darauf hin, dass eine nachträgliche Veränderung oder unvollständige
Herausgabe der Dokumentation zu einer Beweislastumkehr führen kann. Ich erwarte die
Aushändigung der Kopien (gerne auch in digitaler Form).
Mit freundlichen Grüßen,
[Unterschrift]
Ein Krankenhausaufenthalt mit mehreren schweren Erkrankungen gleichzeitig ist für Betroffene körperlich und emotional sehr belastend. In solchen Phasen kann es vorkommen, dass Kommunikation zwischen Patient:innen und dem Behandlungsteam schwierig wird – und dass Wünsche oder ausdrückliche Ablehnungen nicht so wahrgenommen oder umgesetzt werden, wie es Betroffene erwarten und erwarten dürfen.
Der vorliegende Fallbericht beschreibt eine Reihe von Situationen, die in ihrer Summe als besonders belastend erlebt wurden: die Gabe von Schmerzmitteln trotz ausdrücklicher Ablehnung, Mängel bei der Hygiene an einem Zentralen Venenkatheter (ZVK – ein direkt ins große Blutgefäß gelegter Zugang, der besonders keimfrei gehalten werden muss), mangelnde ärztliche Erreichbarkeit sowie verbale Übergriffe. Es ist wichtig anzuerkennen, dass die betroffene Person in Teilen dieser Situation – etwa durch medikamentös bedingte Beeinträchtigung – nur sehr eingeschränkt handlungsfähig war.
Wer sich in einer ähnlichen Lage befindet oder befunden hat, kann verschiedene Wege nutzen, um die eigene Sicherheit zu stärken und auf Probleme aufmerksam zu machen.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Tagelange Blutungen, Mangelernährung, Antibiotikareaktion: Ein Fall zeigt, wie Diagnosefixierung die Patientensicherheit gefährden kann.
Fall lesen →Nach einer Hüftoperation verlor eine Patientin fast 2 Liter Blut. Ein Fall über Komplikationen, fehlende Transparenz und den Umgang mit Betroffenen.
Fall lesen →Nach einer Gebärmutter-OP blieb eine nötige Bluttransfusion aus – weil das Team irrtümlich von einer religiösen Ablehnung ausging. Ein Fall über Kommunikationsfehler.
Fall lesen →Ein Patient mit blutenden Darmdivertikeln erlebte 2023 eine lebensbedrohliche Situation durch verzögerte Notfallreaktion. Was dieser Fall für die Patientensicherheit bedeutet.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team