Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-1516

2 Jahre brennende Zunge nach Narkose

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Nervenschaden nach Kieferoperation: Brennende Zunge seit 2 Jahren

Mein Kieferchirurg empfahl mir Implantate im linken Oberkiefer. Aufgrund des Zustands meiner übrigen Zähne sah er keine Alternative dazu. Zunächst mussten 2 alte beschädigte Implantate entfernt werden und der Kiefer musste 6 Monate heilen.

Ende erfolgte schließlich der notwendige Knochenaufbau in einer langwierigen Operation. Dazu mussten mehrere Narkosespritzen gesetzt werden. Anschließend hatte ich linksseitig das Gefühl mir die Zunge verbrannt zu haben, zudem fühlte sich die linke Wange geschwollen und überempfindlich an. Der Arzt meinte, das komme schon vor, ließe aber nach einer Weile nach.
Ich trug ein Provisorium.

Die Implantate wurden wiederum nach 6 Monaten eingesetzt und passten gut.
Seitdem kann ich aber links nicht kauen. Etliche Lebensmittel, wie Zucker, Gewürze, Obst und auch verschiedene Gemüsesorten rufen ein unerträgliches Brennen hervor. Im Grunde kannte ich nur fettige Substanzen problemlos zu mir nehmen.

Ich war bei HNO – Ärzten, Hautärzten Neurologen und meinem Hausarzt, die mir alle mitteilten, dass der Trigeminus nachhaltig gestört sei. Seither nehme ich abends 25 mg Pregabalin. Wenn ich Dosis erhöhe, was mir empfohlen wurde, fühle ich mich wie ein Zombie.

Das einzige, was mir etwas Linderung verschafft sind Gelorevoice Lutschtabletten, die meine Zunge einschleimen und das Brennen etwas lindern. Eine Packung reicht höchstens 2 Tage und kostet zwischen 8 und 10 €. Da die Tabletten nicht verschreibungspflichtig sind, zahle ich monatlich aus eigener Tasche gut 200 €.
Ich bin 74 Jahre alt und natürlich auch faltig, aber meine linke Gesichtshälfte sieht gruselig aus und sackt immer mehr ab.

Der Arzt und sein gesamtes Personal wirkten immer kompetent und gingen freundlich und respektvoll mit mir um. Sicher habe ich einfach Pech gehabt, sehe aber dennoch nicht ein, dass ich mit den äußerst misslichen Folgen des Eingriffs komplett alleine gelassen werde.
Welche Möglichkeiten zum Handeln bleiben mir?
Ich bin dankbar für jedwede Unterstützung.

Gut gelaufen:

Freundlich, zunächst kompetent wirkende Behandlung.

Schlecht gelaufen:

Die seit 2 Jahren unerträglich brennende Zunge.

Verbesserungsvorschläge:

Ich wünschte mir natürlich Abhilfe, habe aber kaum noch Hoffnung darauf. Mindestens erhoffe ich mir aber einen Weg wenigstens die Kosten für das Gelorevoice auf irgend einem Weg erstattet zu bekommen.

Weitere Infos:

Nein, nichts außer meiner Verzweiflung über diesen Zustand.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine lang geplante und medizinisch notwendige Behandlung erfolgreich abzuschließen – und danach mit dauerhaften Beschwerden zurückzubleiben, die den Alltag stark einschränken: Das ist eine belastende Erfahrung, die viele Betroffene an ihre Grenzen bringt. Anhaltende Missempfindungen wie Brennen oder Taubheit nach zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen können auf eine Schädigung des Trigeminusnervs (der Hauptnerv des Gesichts, der unter anderem für Tastsinn und Schmerzempfinden zuständig ist) zurückzuführen sein – ein seltenes, aber bekanntes Risiko solcher Eingriffe.

Wichtig anzuerkennen ist: Während des Eingriffs selbst gab es für die Betroffene keinen realistischen Spielraum, das Auftreten dieser Komplikation zu verhindern. Die Beschwerden entstanden unabhängig von ihrem Verhalten. Was jedoch jetzt – im Umgang mit den Folgen – möglich ist, lässt sich aktiv gestalten.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wenn nach einem Eingriff dauerhafte Beschwerden bestehen, gibt es verschiedene Wege, Unterstützung einzufordern und sich Gehör zu verschaffen.

  • Spezialisierte Anlaufstellen aufsuchen: Für Nervenschmerzen im Gesicht (sogenannte Trigeminusneuropathien) gibt es spezialisierte Schmerzambulanzen und universitäre Zahnkliniken mit oralchirurgischer Expertise. Eine Überweisung dorthin ist möglich – zum Beispiel mit dem Satz: „Ich würde gerne in einer Schmerzambulanz oder universitären Zahnklinik vorstellig werden – können Sie mir eine Überweisung ausstellen?“
  • Kostenübernahme für Hilfsmittel prüfen lassen: Auch wenn ein Mittel nicht verschreibungspflichtig ist, kann in bestimmten Fällen eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse beantragt werden – etwa wenn das Mittel dauerhaft und medizinisch notwendig zur Symptomlinderung eingesetzt wird. Ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der Hausarztpraxis über eine schriftliche Empfehlung sowie ein direkter Antrag bei der Krankenkasse ist möglich.
  • Unabhängige Patientenberatung nutzen: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose, neutrale Beratung zu Rechten als Patient:in, zu Kostenerstattungsfragen und zu weiteren Handlungsmöglichkeiten – telefonisch und online erreichbar unter 0800 011 77 22 (kostenlos, Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr).
  • Gutachterkommission oder Schlichtungsstelle einschalten: Wenn der Verdacht besteht, dass eine Komplikation nicht ausreichend aufgeklärt oder nachversorgt wurde, kann eine Begutachtung durch die Gutachterkommission der zuständigen Ärztekammer beantragt werden. Dieses Verfahren ist kostenlos für Patient:innen und erfordert keine anwaltliche Vertretung.

Worauf Sie achten können

  • Alle Beschwerden, Arztbesuche und Ausgaben schriftlich dokumentieren – Datum, Symptome, Kosten. Das kann bei einem späteren Antrag oder einer Beschwerde hilfreich sein.
  • Die Krankenkasse direkt kontaktieren und fragen, ob für dauerhaft notwendige Mittel zur Symptomlinderung ein Kostenübernahmeantrag gestellt werden kann.
  • Eine Zweitmeinung in einer Universitätszahnklinik oder spezialisierten Schmerzambulanz einholen – insbesondere zu den Möglichkeiten einer weiteren Behandlung der Nervenstörung.
  • Bei Bedarf anwaltliche Unterstützung durch eine auf Medizinrecht spezialisierte Kanzlei in Betracht ziehen – erste Orientierung bietet zum Beispiel der Deutsche Anwaltverein (anwaltauskunft.de).

Sie sind nicht allein

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) unterstützt kostenlos und vertraulich bei Fragen rund um Patientenrechte, Behandlungsfehler und Kostenerstattung – erreichbar unter 0800 011 77 22. Auf mehr-patientensicherheit.de finden sich weitere Informationen und die Möglichkeit, eigene Erfahrungen anonym zu melden, damit andere davon profitieren können.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 70-79 Jahre
Art der Einrichtung:Zahnarztpraxis, Ambulante Praxis
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team