Icon Mehr-Patientensicherheit
2024-649

Falsche Stationszuweisung & Entlassung nach einigen Tagen ohne Untersuchung/Behandlung

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Kopfverletzung nach Sturz: Fehlende Diagnostik im Krankenhaus

Meine Tochter ist im Badezimmer gestürzt und mit dem Kopf auf der Badewanne aufgeschlagen. Sie war sofort bewusstlos. Der Rettungsdienst wurde alarmiert und brachte sie in die Notaufnahme des Krankenhauses.

Dort wieder bei Bewusstsein wurde sie in der medizinischen Klinik auf Station aufgenommen. Über 4 Tage war kein Arzt für Angehörige zu sprechen. Sie selbst wurde immer wieder gefragt, warum sie denn „umgefallen“ wäre. Man wollte anscheinend unbedingt einen medizinischen Grund (Schwindel, Ohnmacht etc.) konstruieren, dabei war sie gestolpert. Alle Bitten nach einer weitergehenden chirurgischen Diagnostik (CT. MRT) wurden trotz Kopfschmerzen und extremem Brillenhämatom abgelehnt.

Nach 4 Tagen ohne Untersuchung/Behandlung entlassen, musste die weitere Diagnostik ambulant über den Hausarzt erfolgen. Im Krankenhaus würde übrigens an allen Tagen darauf hingewiesen, dass eine private Zusatzversicherung für stationäre Aufenthalte bestünde. Immer hieß es, auf Station noch mal sagen, auf Station hieß es , geht uns nichts an, bei Verwaltung sagen.

Kurz vor der Entlassung musste dann noch die Chefarztvereinbarung unterzeichnet werden. Dieser kam dann kurz vorbei und wünschte alles Gute.

Gut gelaufen:

Hausarzt hat anschließend die klinische Fehleinschätzung erkannt und die Versäumnisse aufgeholt.

Schlecht gelaufen:

Rettungsdienst überlastet, brauchte 35 Minuten. Aufnahmesituation in Klinik chaotisch, niemand fühlte sich zuständig, Privatabrechnung nach dieser Fehlleistung eine Frechheit. Warum hört niemand der Patientin und den Angehörigen zu?

Verbesserungsvorschläge:

ZUHÖREN, falsche Stationsentscheidung korrigieren, ausreichend Personal, erreichbare Ärzte. Diagnostikmöglichkeiten ausnutzen.

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Wenn ein Familienmitglied nach einem Sturz mit Bewusstlosigkeit ins Krankenhaus kommt, ist die Sorge als Angehörige oder Angehöriger enorm – und der Wunsch, dass alles Nötige schnell und richtig in die Wege geleitet wird, ist mehr als verständlich. In manchen Fällen kann es vorkommen, dass die Aufnahme auf eine Station erfolgt, die nicht auf Verletzungsfolgen wie Kopftraumata spezialisiert ist, und dass trotz deutlicher Beschwerden – wie anhaltenden Kopfschmerzen oder einem sichtbaren Brillenhämatom (blaue Verfärbungen um beide Augen, die auf eine Schädelverletzung hinweisen können) – bildgebende Untersuchungen wie CT oder MRT zunächst nicht veranlasst werden.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Angehörige können in solchen Situationen eine wichtige Rolle übernehmen – indem sie Informationen bündeln, Fragen stellen und bei Bedarf beharrlich nachfragen.

  • Den Unfallhergang klar und wiederholt schildern: Es kann helfen, den genauen Ablauf – zum Beispiel „Sie ist gestolpert und hat den Kopf an der Badewanne aufgeschlagen“ – bei jeder Übergabe an neues Personal erneut zu benennen und darauf zu bestehen, dass dieser Hergang in der Patientenakte dokumentiert wird.
  • Konkret nach Zuständigkeiten fragen: Ist unklar, wer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt ist, kann direkt nachgefragt werden: „Wer ist heute die zuständige Ärztin oder der zuständige Arzt für meine Tochter, und wann ist ein kurzes Gespräch möglich?“
  • Symptome schriftlich festhalten: Anhaltende Kopfschmerzen, Sehveränderungen oder Verfärbungen im Gesicht lassen sich täglich notieren – mit Uhrzeit und Beschreibung. Diese Aufzeichnungen können im Gespräch mit dem medizinischen Personal als Grundlage dienen.
  • Eine Verlegung oder fachärztliche Mitbeurteilung ansprechen: Bei einem Kopftrauma mit Bewusstlosigkeit ist es möglich, aktiv nach einer chirurgischen oder neurologischen Mitbeurteilung zu fragen – etwa so: „Wäre es möglich, dass jemand aus der Chirurgie oder Neurologie hinzugezogen wird?“

Worauf Sie achten können

  • Nach einer Bewusstlosigkeit infolge eines Kopfsturzes ist eine bildgebende Diagnostik (CT oder MRT des Schädels) medizinisch üblich – es ist möglich, gezielt danach zu fragen, ob und warum darauf verzichtet wird.
  • Ein Brillenhämatom – blaue Verfärbungen um beide Augen nach einem Kopfaufprall – kann ein Hinweis auf eine ernstere Verletzung sein und verdient ärztliche Aufmerksamkeit.
  • Wenn über mehrere Tage kein ärztliches Gespräch zustande kommt, ist es möglich, schriftlich – etwa per Notiz an die Stationsleitung oder den Pflegedienst – um ein Gespräch zu bitten und diesen Wunsch zu dokumentieren.
  • Fühlt sich die Versorgung unzureichend an, kann noch während des stationären Aufenthalts der Patientenfürsprecher oder die Patientenfürsprecherin des Krankenhauses kontaktiert werden – diese Anlaufstelle ist in vielen Häusern vorhanden und vermittelt bei Problemen zwischen Patient:innen und Einrichtung.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Behandlung nicht angemessen war, oder wenn Sie Fragen zu Ihren Rechten haben, steht Ihnen die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlos zur Verfügung. Ihre Erfahrungen können Sie außerdem auf mehr-patientensicherheit.de anonym melden – jeder Bericht kann dazu beitragen, die Versorgung für alle zu verbessern.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Ambulante Praxis, Rettungsdienst/Krankentransport, Arztpraxis, Krankenhaus, Normalstation, Notaufnahme
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team