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2024-1521

Ignorieren schwerer Nebenwirkungen von ADHS Medikation

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Fallbeschreibung:

ADHS-Medikation: Nebenwirkungen nicht ernst genommen

Ich habe als Erwachsener nach meiner ADHS Diagnose in einer psychiatrischen Institutsambulanz aus praktischen Gründen, um nicht zusätzlich einen Psychiater suchen zu müssen, mit der medikamentösen Einstellung auf Medikinet angefangen.

Die ersten Tage verliefen ganz gut, bis sich die Nebenwirkungen einstellten.

Diese waren unter anderem:
Nach kurzer Zeit immer stärker werdende Appetitlosigkeit, immer heftigere Rebounds, Gewichtsverlust sowie weitere.

Der behandelnde Arzt warf mir daraufhin vor, dass ich lediglich die Liste mit den theoretisch möglichen Nebenwirkungen zitieren würde.

Leider wurde zu keinem Zeitpunkt bspw. mein Gewicht überprüft, um meine Angaben zu verifizieren.

Es hieß lediglich, dass ich trotzdem essen müsse.

Leider war dies unter Medikamentenwirkung nicht möglich, sodass ich nachts regelrechte fresskicks entwickelte, um zumindest etwas Nahrung rein zu bekommen.
(Medikinet ist auch gemeinhin als Appetitkiller bekannt.)

Zudem wurde meine mehrfach wiederholte bitte der Umstellung auf ein anderes Präparat unter fadenscheinigen Gründen abgelehnt.
(Selbst als sich mein physischer Zustand augenscheinlich immer weiter verschlechterte, gab es für den Arzt keinen Handlungsbedarf.)

Kurz nachdem ich zu einem anderen Arzt wechseln konnte, schloss sich aufgrund der Vorkommnisse ein mehrmonatiger Klinikaufenthalt an, um die entstandenen Schäden in den Griff zu bekommen.

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Ignorieren der gesamten gemeldeten Nebenwirkungen, da dem Werbematerial des Herstellers über Wirkdauer und Intensität Glauben geschenkt wurde. Mir persönlich wurde jedoch unterstellt, dass ich mir das alles nur einbilden würde. Ignoriert wurde konsequent das Vorhandensein entsprechender alternativer Medikamente (um welche ich mehrfach bat), sowie unter Anführung von fadenscheinigen Ausreden, welche nach wenigen Sekunden Recherche im Internet als fachlich nicht haltbar herauszufinden waren.

Verbesserungsvorschläge:

Dringend bessere Schulungen / verpflichtende Informationsveranstaltungen zum Thema ADHS und Medikation, sowie den Hinweis, dass die medikamentöse Wirkdauer eben nicht statisch ist, sondern unter anderem vom Metabolismus sowie verschiedenen weiteren Faktoren abhängig ist. Ebenso, dass es durchaus Kreuzwirkungen geben kann, wenn verschiedene Medikamente über die gleichen Enzyme metabolisiert werden.

Weitere Infos:

Ausbau der allgemeinen ADHS Kompetenzen, Erweiterung der Kenntnisse über medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten sowie definitiv über verschiedene Wege der eindosierung. Zudem sollte die bisher erlebte „Angst“ vor dem verschreiben von BTM (ADHS Medikamente sind nun mal laut Definition Betäubungsmittel) reduziert werden. Habe mehrfach erleben müssen, dass eine Verordnung verweigert wurde, obwohl ich einen offiziellen Medikationsplan sowie Diagnosen vorlegen konnte.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Eine neue Diagnose und der Beginn einer medikamentösen Behandlung sind oft mit großen Hoffnungen verbunden – umso belastender ist es, wenn auftretende Beschwerden nicht ernst genommen werden. Wenn Nebenwirkungen (also unerwünschte Wirkungen eines Medikaments) wiederholt geschildert, aber nicht weiter untersucht oder dokumentiert werden, kann sich die gesundheitliche Situation unter Umständen erheblich verschlechtern.

Solche Situationen entstehen nicht selten dort, wo zwischen den Erfahrungen einer Person und der klinischen Einschätzung Behandelnder eine Lücke klafft. Wichtig ist: Wer körperliche Veränderungen wahrnimmt und benennt, handelt kompetent und verantwortungsvoll – das ist keine Einbildung und kein Widerspruch.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer Nebenwirkungen erlebt und das Gefühl hat, damit nicht gehört zu werden, hat verschiedene Möglichkeiten, die eigene Position zu stärken.

  • Nebenwirkungen schriftlich festhalten: Ein einfaches Tagebuch – auch als Notiz auf dem Smartphone – kann helfen, Beschwerden mit Datum, Uhrzeit und Schwere zu dokumentieren. Diese Aufzeichnungen lassen sich beim nächsten Gespräch vorlegen: „Ich habe mitgeschrieben, wann und wie stark die Beschwerden aufgetreten sind – darf ich das kurz zeigen?“
  • Konkrete Messgrößen ansprechen: Es ist möglich, gezielt nach messbaren Verlaufskontrollen zu fragen – zum Beispiel nach einer Gewichtskontrolle, einem Blutdruck- oder Herzfrequenzprotokoll. Das macht subjektive Wahrnehmungen für alle Seiten nachvollziehbarer.
  • Den Wunsch nach einem anderen Präparat klar benennen: Bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) gibt es mehrere zugelassene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkprofilen. Es ist möglich, direkt nach Alternativen zu fragen: „Gibt es ein anderes Präparat, das wir versuchen könnten, wenn dieses so starke Nebenwirkungen macht?“
  • Eine zweite Meinung einholen: Ein Wechsel zu einer anderen Fachpraxis oder einer anderen psychiatrischen Einrichtung ist jederzeit möglich – auch während einer laufenden Behandlung. Dies ist kein Vertrauensbruch, sondern ein legitimer Schritt zur eigenen Sicherheit.

Worauf Sie achten können

  • Nebenwirkungen lassen sich konkret beschreiben – mit Zeitpunkt, Häufigkeit und Auswirkung auf den Alltag (z. B. auf Schlaf, Gewicht, Stimmung).
  • Es ist möglich, ausdrücklich zu bitten, dass Nebenwirkungen in der Behandlungsakte dokumentiert werden.
  • Wenn eine Bitte um Präparatwechsel wiederholt abgelehnt wird, ist es möglich, nach den konkreten medizinischen Gründen dafür zu fragen – und diese gegebenenfalls schriftlich zu erbitten.
  • Anlaufstellen wie die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) können dabei helfen, Rechte einzuordnen und nächste Schritte zu planen – kostenlos und vertraulich.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, sonstiger Bereich
Geschlecht: männlich

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