2025-243
Stress nach Herz-OP und nicht katheterisiert
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Im Sommer musste ich mich nach der Zufallsdiagnose Vorhof-Myxom einer OP am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine unterziehen. In der Folge erlitt ich einen Schlaganfall. Am geplanten OP-Tag wurde die Narkose eingeleitet, doch die OP konnte aufgrund eines Notfalls nicht durchgeführt werden. Im Vorfeld hatte ich deutlich kommuniziert, dass ich eine Blasenentleerungsstörung habe, durch die ich gezwungen bin, meine Blase bei jedem Toilettengang mittels Katheter selbst zu entleeren. Des Weiteren habe ich erklärt, dass ich einen Blasenschrittmacher trage, der mittels Neuro-Stimulation die Weiterleitung von Schmerzreizen an das Gehirn stört.
Stunden nach der Narkotisierung erwachte ich auf der Intensivstation. Ich war noch intubiert und hatte starke Schmerzen im Unterleib. Schnell realisierte ich, dass ich nicht katheterisiert war und sich so der Harn staute. Verzweifelt versuchte ich, durch Gesten und Zeigen auf meine Not aufmerksam zu machen. Das anwesende Personal wähnte mich jedoch im Delir und unternahm lange nichts.
Endlich realisierte nach einer ganzen Weile jemand, dass gar kein Urinbeutel am Bett hing. Der Tubus wurde entfernt und ein Katheter gelegt. Im nächsten Moment füllte sich dessen Beutel mit gut 1,5 l (!) Harn. Die Schwester sagte: „Als ich den Katheter legen wollte, kam etwas dazwischen.“ Jeder andere Patient wäre in seinem Bett geschwommen. Doch bei mir kam es zu einem gefährlichen Rückstau. Ich hatte noch die Worte der Anästhesistin im Ohr: Schlafen Sie ruhig ein. Wir passen gut auf Sie auf.
Als Nächstes wurde ich auf die Intermediate-Care-Station verlegt. Ich lag auf der Türseite eines Zweibettzimmers, in welchem lediglich ein Vorhang als Raumteiler fungierte. Zwischen Bett und den Vorhang passte gerade so der Toilettensitz. Der männliche Patient auf der anderen Seite des Vorhangs war schwer verwirrt und aggressiv. 24/7 schrie er herum. Er hielt mich für seine Frau und forderte mich wiederholt auf, ihm zu helfen. Immer wieder bedrohte er mich. Statt mich von den Strapazen der OP erholen zu können, war ich stattdessen tagelang dieser Bedrohung ausgesetzt. Ich hatte große Angst und zeigte stärkste Stresssymptome. Ich flehte Ärzte und Pflegepersonal an, aus dieser Situation befreit zu werden. Leider vergebens.
Ein Pfleger sagte: „Und wenn Sie der Kaiser von China wären…“
Außerdem fügte er hinzu, es könne ja nichts passieren, da der Patient verkabelt sei und der Alarm dafür sorge, dass das Personal herbeieile. Kaum hatte er dies ausgesprochen, da griff der Patient ihn körperlich an. Im nächsten Moment warf mein Mitpatient die volle Schnabeltasse mit frisch eingegossenem Kaffee schräg über das Fußende meines Bettes, sodass diese an der Wand zerschellte. Irgendwann kam endlich eine Physiotherapeutin, die meine eigene Verkabelung mobil machte und mit mir auf den Flur hinausging zum Üben. So konnte ich endlich ein wenig Abstand gewinnen und sah nach Tagen endlich wieder mehr als den Raum. Auf dem Flur entdeckte ich einen Pflegesessel und setzte durch, dass ich dort eine ganze Weile unbehelligt sitzen konnte. Es war eine Wohltat, als die Stresssymptome nachließen. Doch dann musste ich zurück ins Bett und alles ging von vorn los.
Auch die behandelnden Ärzte kamen meiner Bitte um Erholung nicht nach. Mein Mann war mit der Situation überfordert.
Ich hatte unmittelbar nach der OP obendrein einen Schlaganfall erlitten und hatte dringend Ruhe nötig. Ich bestand daher auf Rückverlegung in das einweisende Krankenhaus zur Nachsorge und konnte mich damit zum Glück durchsetzen. Meine Erkrankung wurde dort mit mehreren Infusionen behandelt.
Eine Operation am offenen Herzen ist ein einschneidendes Erlebnis – körperlich und seelisch. Wenn in einer solchen Ausnahmesituation wichtige Informationen über individuelle Bedürfnisse nicht durchgängig berücksichtigt werden und die Erholungsbedingungen nach dem Eingriff zusätzlich belasten, kann dies die Genesung erheblich erschweren.
In diesem Fall hatte die Patientin ihre besondere medizinische Situation – eine Blasenentleerungsstörung sowie einen Blasenschrittmacher (ein implantiertes Gerät, das über gezielte Nervenreize die Blasenfunktion unterstützt) – im Vorfeld klar kommuniziert. Nach dem Aufwachen aus der Narkose auf der Intensivstation war sie intubiert (d. h. sie hatte einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre) und konnte sich nicht sprachlich äußern. Auch in den darauffolgenden Tagen auf der Intermediate-Care-Station (einer Überwachungsstation zwischen Intensiv- und Normalstation) war sie einer anhaltend belastenden Situation ausgesetzt und fand mit ihren Bitten kein ausreichendes Gehör. In einer Situation wie dieser – unmittelbar nach einer großen Operation, noch intubiert, in einer fremden Umgebung – gab es für die Betroffene keinen realistischen Spielraum, selbst einzugreifen. Das ist wichtig anzuerkennen.
Angehörige können in solchen Situationen eine wichtige Brückenfunktion übernehmen – als Stimme für jemanden, der sich selbst gerade nicht äußern kann.
Wer nach einem Krankenhausaufenthalt belastende Erfahrungen verarbeiten möchte oder Fragen zu Patientenrechten hat, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden – kostenlos und unabhängig. Auf mehr-patientensicherheit.de ist es außerdem möglich, eigene Erlebnisse anonym zu berichten und damit dazu beizutragen, dass solche Situationen künftig besser erkannt werden.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
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