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2024-106

Auflösung jahrzehntelanger Zahnarztangst durch gute Behandlung

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Fallbeschreibung:

Zahnarztangst überwinden: Wie gute Kommunikation Vertrauen schafft

Als alternder Sportler mit mehr als 30 Jahren angstbedingter Zahnarztabstinenz biss ich auf eine knusprige Kartoffel und knacks. Der Plombe im linken Vorderzahn fehlt ein weiteres Stückchen Zahnschmelzhalt und sie springt fast aus ihrer Resthalterung, wenn mit der Zunge betastet.

Diesen Zustand des „Vorbeiessens“ habe ich nach 14 Tagen beenden können, als die Wackelplombe schließlich den Abgang machte. Ich besuchte die von einer Bekannten einmal empfohlene Zahnärztin. „Alle Kinder gehen gerne dahin.“

Ich gehe benommen, mit schwitzenden Händen, rasendem Puls und einem unguten Gefühl im Bauch und setze mich schließlich in den Behandlungsstuhl. Mahnte, meine Zahnhälse und Plomben nicht zum Testen der Schmerzempfindlichkeit mit einem Metallhaken zu berühren. 

Das einzige, was ich bei der ersten Erstuntersuchung nach 30 Jahren verspüre, ist einmal ein kühles Pusten aus einer Druckluftpistole. Mein zuckender Augenwinkel gibt der Zahnärztin Bescheid über die Tiefe des Lochs im Zahnhals dahin, ohne dass meine Hakenbefürchtungen Realität werden. 

Dann fragt sie: „Angst vorm Spritzen haben Sie nicht?“
Ich verneine.
Sie sagt:„Das piekt erst ein wenig, und …dann drückt das“
Während sie genau diese Empfindungen mit ihrer Betäubung auslöst.
Schon die Übereinstimmung des Erlebten mit dem Gesagten gab mir das Vertrauen zurück.

In der Folge der Behandlungen gingen auch die physiologischen Symptome wie Angstschweiß, hoher Puls und Übelkeit zurück, auch weil ich aufmerksam auf meine Körperspannung bzw. physiologische Stresssymptome gemacht wurde, die ich daraufhin selbstregulierend während der Behandlungen in den Griff bekam.

„Ich lüge Sie nicht an, Sie können mir vertrauen“, rief sie mir mit etwas Abstand in der ersten Behandlung zu, als ich nach unten wegrutschte, als sie eine kleine Ecke am (unbetäubten!) Vorderzahn unten, der Plombe (zer)störend gegenüber, begann, fein abzutragen. Sonst hätte ich die neue Plombe nachts sicher wieder fix kaputt gebissen.
Es war tatsächlich schmerzlos, der Feinschliff …

Ich bekam meinen Termin sehr schnell mit der Beschreibung: Vorderzahn, Plombe weggebrochen.

Ich hatte als Siebenjähriger eine traumatische Erfahrung: 
„Nein, tut nicht weh“
(Sprechstundenhilfe hält den Kopf, Maulsperre, Bohrer an.) Vielleicht hatte ich mich vorher gegen eine Spritze gewehrt …

Gut gelaufen:

Patientenverständnis, Traumatherapie, Anästhesie, Notversorgung, Extraktion.

Schlecht gelaufen:

nix

Verbesserungsvorschläge:

kaum was. Bezahlung der Helfer:innen, und auch deren Weiterbildung

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was hier gut gelaufen ist

Dieser Fall zeigt eindrücklich, wie eine einfühlsame zahnärztliche Behandlung dazu beitragen kann, eine über Jahrzehnte gewachsene Angst zu überwinden. Der Betroffene hatte nach einer traumatischen Erfahrung in der Kindheit mehr als 30 Jahre lang keine zahnärztliche Praxis aufgesucht – und fand schließlich eine Versorgung, die ihm Sicherheit und Vertrauen zurückgab.

Mehrere Dinge haben in diesem Fall besonders gut funktioniert:

  • Ankündigung vor jeder Handlung: Die Zahnärztin beschrieb präzise im Voraus, was der Patient gleich spüren würde – und diese Ankündigungen stimmten mit dem tatsächlichen Erleben überein. Das schuf unmittelbar Vertrauen.
  • Rücksicht auf geäußerte Befürchtungen: Als der Patient bat, empfindliche Stellen nicht mit einem Metallhaken zu berühren, wurde dieser Wunsch respektiert. Stattdessen wurden alternative Untersuchungsmethoden eingesetzt.
  • Aufmerksamkeit für körperliche Stresssignale: Die Behandlerin nahm Körpersignale wie Augenreaktionen und Muskelanspannung ernst und machte den Patienten gezielt auf seine eigenen Stresssymptome aufmerksam – sodass er diese im Verlauf selbst regulieren konnte.
  • Schnelle Terminvergabe bei dringendem Bedarf: Der Patient erhielt rasch einen Termin, nachdem er das Problem klar beschrieben hatte.
  • Transparente Kommunikation: Aussagen wie „Ich lüge Sie nicht an“ – und die konsequente Einhaltung dieses Versprechens – halfen dabei, ein durch frühere schlechte Erfahrungen beschädigtes Vertrauen wieder aufzubauen.

Wie Sie ähnlich gute Bedingungen aktiv herbeiführen können

Es ist möglich, vor oder zu Beginn einer Behandlung aktiv dazu beizutragen, dass die eigenen Bedürfnisse und Ängste bekannt sind und berücksichtigt werden können.

  • Eigene Ängste oder frühere schlechte Erfahrungen lassen sich beim ersten Kontakt – auch schon telefonisch bei der Terminvereinbarung – ansprechen. Ein Satz wie „Ich habe große Zahnarztangst aufgrund einer schlechten Erfahrung früher – können Sie das bei der Behandlung berücksichtigen?“ kann helfen, die Behandlung von Anfang an entsprechend abzustimmen.
  • Es ist möglich, zu Beginn der Untersuchung konkrete Bitten zu äußern – zum Beispiel: „Bitte sagen Sie mir vorher, was Sie gleich tun werden.“ Viele Behandlerinnen und Behandler richten sich gerne danach, wenn sie wissen, was hilft.
  • Ein vereinbartes Stoppzeichen – etwa eine erhobene Hand – kann als Signal dienen, um jederzeit eine Pause einzuleiten. Dieses kann vor der Behandlung gemeinsam abgesprochen werden.
  • Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld können bei der Suche nach einer Praxis hilfreich sein, die für einen einfühlsamen Umgang bekannt ist – wie es in diesem Fall durch den Hinweis einer Bekannten gelang.

Daran erkennen Sie gute Versorgung

  • Die Behandlerin oder der Behandler kündigt jeden Schritt an, bevor er ausgeführt wird – und hält diese Ankündigungen ein.
  • Geäußerte Wünsche und Befürchtungen werden ernst genommen und, soweit möglich, in die Behandlung einbezogen.
  • Es gibt die Möglichkeit, jederzeit eine Pause zu machen – ohne dass dies begründet werden muss.
  • Körpersignale wie Anspannung oder Unruhe werden wahrgenommen und angesprochen, nicht übergangen.

Teilen Sie Ihre Erfahrungen

Positive Erlebnisse wie dieses sind wertvoll – nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für andere Menschen, die ähnliche Ängste kennen. Auf mehr-patientensicherheit.de ist es möglich, eigene Erfahrungen anonym zu melden und damit zur Verbesserung der Versorgung beizutragen.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 50-69 Jahre
Art der Einrichtung:Zahnarztpraxis, Ambulante Praxis
Geschlecht: männlich

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Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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