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2024-178

Ignorieren der Patientin und wesentliche Fehler beim Entlassungsmanagementää

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Fallbeschreibung:

Entlassungsmanagement: Fehler bei älteren Patienten

Nach 2 wöchigem Krankenhausaufenthalt einer 80 jährigen Patientin, die nach einem Sturz im Bad (aufgrund einer akuten Blasen- und Lungenentzündung sowie Corona) fast einen Tag dort auf dem Boden lag und während des Krankenhausaufenthaltes einen Herzinfarkt erleidet, erfolgt die Entlassung überstürzt, obwohl die Patientin nicht laufen oder Treppen steigen kann, ohne abschließende Beratung des Sozialdienstes, ohne Aufklärung über erforderliche Maßnahmen oder Verhaltensregeln, vor dem Wochenende versehentlich ohne Ausgabe der Medikamente (9 versch. Mittel), mit 3 teilweise falsch ausgestellten Rezepten und beinahe gefährlicher Doppeldosierung.

Die danach aufgesuchte Hausärztin verarbeitet während des Termins lediglich den Krankenhausbericht. Klärt weder auf, noch nimmt sie sich Zeit, mit der Patientin (die bislang ein vollständig selbstständiges Leben führte) die für sie neue Situation zu besprechen. Nachdem die Patientin angibt, sich schwindlig zu fühlen, wird Blutdruck gemessen, als zu niedrig eingeschätzt und die Ärztin verlässt die Patientin mit Hinweis auf den nächsten Termin in 3 Monaten. Es wird kein Behandlungsplan ausgehändigt aber darauf hingewiesen, dass Hausbesuche ungelegen kommen und dann auch die 112 gewählt werden kann.

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Fehlende Kommunikation und Aufklärung der Patientin. Mangelnde Empathie. Fehlende Medikamentengabe zur Überbrückung bis zum Arztbesuch vor dem Wochende und nicht einlösbare Rezepte vom Krankenhaus.

Verbesserungsvorschläge:

Ein Patient ist keine Fallakte oder ein Störfaktor im System, auch wenn er schon älter ist, sondern ein Mensch mit Gefühlen, der es verdient, dass man ihm eine Minimum an Aufmerksamkeit entgegen bringt und ihm die erforderliche Aufklärung, zur Bewältigung seiner Situation erteilt.

Weitere Infos:

Auch die weitere Versorgung der Patientin ist kritisch. Die Suche nach einer anderen Arztpraxis sowohl im Nah- als auch im erweiterten Wohnbereich scheitert momentan aufgrund des Patientenaufnahmestopps anderer Praxen oder des Alters der Patientin; Physiotherapieverordnungen mit Hausbesuch, die mittlerweile vorliegen, können nicht eingelöst werden, wegen Ablehnung sämtlicher Praxen; alle angefragten Pflegedienste im erweiterten Wohnbereich erteilen Absagen.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Der Übergang vom Krankenhaus zurück nach Hause ist für ältere Menschen nach schwerer Erkrankung eine besonders verletzliche Phase – körperlich wie emotional. Wenn in diesem Moment mehrere Versorgungslücken gleichzeitig auftreten, kann das für Betroffene und ihre Angehörigen überwältigend sein.

Dieser Fall zeigt, wie es nach einem langen Krankenhausaufenthalt zu einer Reihe von Problemen beim Entlassungsmanagement – also der geplanten Vorbereitung der Entlassung und Weiterversorgung – kommen kann: fehlende Medikamente, fehlerhafte Rezepte, keine Beratung durch den Sozialdienst und ein anschließender Hausarzttermin, der die neue Situation der Patientin nicht ausreichend aufgreift. In einer solchen Situation gibt es für die Betroffene selbst oft keinen realistischen Spielraum zum Eingreifen – das ist wichtig anzuerkennen. Angehörige können jedoch eine entscheidende Rolle übernehmen.

Was Angehörige oder Begleitpersonen tun können

Wenn Sie eine ältere oder geschwächte Person begleiten oder unterstützen, gibt es einige Möglichkeiten, aktiv zur Sicherheit beizutragen:

  • Entlassung aktiv begleiten: Es ist möglich, beim Entlassgespräch anwesend zu sein und gezielt nachzufragen – etwa: „Welche Medikamente nimmt meine Mutter ab heute, und haben wir alles dabei?“ oder „Wer kümmert sich um die Weiterversorgung zu Hause?“ Das Einfordern eines Gesprächs mit dem Sozialdienst des Krankenhauses ist ausdrücklich möglich – dieser Dienst ist dafür da, genau solche Übergänge zu planen.
  • Medikamentenliste prüfen lassen: Vor der Entlassung kann gebeten werden, dass eine Pflegeperson oder Ärztin bzw. Arzt gemeinsam mit Ihnen die aktuelle Medikamentenliste (den sogenannten Medikationsplan) durchgeht und erklärt, welche Mittel wie einzunehmen sind – und ob alle Rezepte vollständig und korrekt ausgestellt wurden.
  • Beim Hausarzttermin dabei sein: Es ist möglich, Angehörige zum ersten Termin nach einem Krankenhausaufenthalt mitzunehmen. So können offene Fragen gemeinsam gestellt werden – etwa: „Gibt es einen Behandlungsplan für die nächsten Wochen?“ oder „Was tun wir, wenn sich der Zustand verschlechtert?“
  • Unabhängige Beratung in Anspruch nehmen: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose, neutrale Beratung zu Versorgungsrechten, Weiterbehandlung und dem Umgang mit Versorgungslücken – telefonisch, online und in regionalen Beratungsstellen.

Für die Zukunft: Was sich vorbereiten lässt

  • Eine Vorsorgevollmacht und ein Patientenbrief (kurze Zusammenfassung von Erkrankungen, Medikamenten, Allergien und Kontaktpersonen) können vorab erstellt werden – so haben Angehörige im Ernstfall eine klare rechtliche und medizinische Grundlage zum Handeln.
  • Ein aktueller Medikationsplan – den Hausärztinnen und Hausärzte auf Wunsch ausstellen – kann dabei helfen, im Krankenhaus oder bei Folgeterminen schnell einen Überblick zu geben und Fehler bei der Medikamentengabe zu vermeiden.
  • Es ist möglich, sich frühzeitig über regionale Unterstützungsangebote zu informieren: Pflegestützpunkte, kommunale Beratungsstellen oder die Pflegekasse können helfen, Pflegedienste, Physiotherapie mit Hausbesuchen oder andere Hilfsangebote zu organisieren – am besten noch vor einem Krankenhausaufenthalt.
  • Eine feste Vertrauensperson, die im Notfall alle wichtigen Informationen kennt und handlungsfähig ist, kann in kritischen Übergangsphasen eine wesentliche Unterstützung sein.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden oder Fragen zur Versorgung eines Angehörigen haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) unter 0800 011 77 22 (kostenlos) neutrale und kompetente Hilfe. Weitere Informationen und die Möglichkeit, eigene Erfahrungen anonym zu teilen, finden Sie auf mehr-patientensicherheit.de – denn jeder Bericht kann dazu beitragen, die Versorgung für andere zu verbessern.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Angehörige oder Angehöriger einer Patientin oder eines Patienten
Alter: 80+ Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Ambulante Praxis, Arztpraxis, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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