2024-190
Krebsbehandlung an einem zertifizierten Kompetenzzentrum
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Ich wurde in einem Krebs-Kompetenzzentrum behandelt. Von Anfang an war Information nicht verfügbar oder sogar falsch. Einige Beispiele:
Als ich meine Krebs-Diagnose bekommen habe, wurden während des gesamten Gesprächs mir nicht bekannte Fachbegriffe verwendet. Obwohl ich einen Uni-Abschluss habe, hatte ich nur verstanden, dass etwas nicht in Ordnung ist. Als das Gespräch beendet war sagte mir die Ärztin, dass ich das ja zu Hause mal googeln könne. Ich fragte sie, wonach ich eigentlich suchen soll. Da fiel das erste Mal das Wort „Krebs“.
Das Aufklärungsgespräch vor meiner OP fand am Nachmittag vor der OP statt, nachdem ich seit 7 Uhr in meinem Zimmer auf die Ärztin gewartet hatte. Als sie dann kam, sagte sie mir dass ich eigentlich schon bei der Narkose-Aufklärung sein sollte und wollte es kurz machen. Ich hatte bereits keine Energie mehr, nur mein Mann bestand darauf, dass das Gespräch ausführlich stattfand. Dass mein Mann überhaupt dabei sein durfte, war eine Art Entgegenkommen der Klinik und wurde nur deshalb gestattet, weil in meinem Zimmer keine weitere Patientin war. Später las ich (im Internet), dass überall empfohlen wird, so wichtige Gespräche nie alleine zu führen sondern sich von einer vertrauten Person begleiten zu lassen.
In der Narkoseaufklärung erfuhr ich dass eine PDA empfohlen wurde. Auch dieses Wort hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben. Aufgrund der Risiken hatte ich große Bedenken. Immerhin wurde mir dahingehend entgegengekommen, dass ich die Entscheidung nicht sofort treffen musste. Zurück auf der Station hatte ich so die Gelegenheit zu googeln.
Beim Aufklärungsgespräch vor meiner Chemotherapie sagte man mir, dass ich während der gesamten Behandlung nur gekochtes oder geschältes Obst und Gemüse essen dürfe, kein Salat etc. Ich solle essen „wie in einem Entwicklungsland“. Ich war am Ende, googelte zu Hause mal wieder und habe diese Aussagen nirgendwo bestätigt gefunden. Mich dann auch nicht daran gehalten.
Mir wurde gesagt dass ich durch die Chemo meine Haare verlieren würde und bekam ein Rezept für eine Perücke in die Hand gedrückt. Nachdem nach der Hälfte der Zeit die Haare noch da waren, googelte ich mal wieder und habe recherchiert, dass bei dem bei mir verwendeten Medikament Haarausfall nur in sehr seltenen Fällen zu erwarten war. Netterweise bestand meine Friseurin nicht auf der Abnahme der bereits hinterlegten Perücke.
Nach den Anwendungen litt ich regelmäßig unter extremer Übelkeit und Erbrechen. Einmal musste ich Infusionen erhalten und es wurde in Erwägung gezogen, nicht stationär aufzunehmen. Ich sprach die zuständige Ärztin mehrfach darauf an. Ich habe jedes Mal die Aussage bekommen, dass es sein könne, dass ich mich mit der Zeit daran gewöhne. Als ich mal wieder googelte, las ich überall, dass Übelkeit kein unabwendbares Schicksal sei. Ich sprach meine Frauenärztin darauf an und bekam von ihr nach Konsultation der entsprechenden Behandlungsleitlinien ein Medikament verschrieben, das die Übelkeit stark verringerte und Erbrechen komplett verhinderte.
Es ist tatsächlich so, alles was ich über meine Krankheit weiß, habe ich aus dem Internet erfahren – obwohl ich mir für meine Behandlung eine nach dem Klinikführer meiner Krankenkasse als besonders qualifiziert ausgewiesene Klinik ausgesucht hatte.
Eine Krebsdiagnose ist eine der einschneidendsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann – und ausgerechnet in dieser Zeit ist verlässliche, verständliche Information besonders wichtig. Wenn Aufklärungsgespräche unter Zeitdruck stattfinden, Fachbegriffe unerklärt bleiben und Informationen je nach Ansprechperson unterschiedlich ausfallen, kann das tiefe Verunsicherung auslösen und die Fähigkeit beeinträchtigen, informierte Entscheidungen zu treffen.
Solche Erfahrungen sind kein Einzelfall. In komplexen Behandlungen mit vielen beteiligten Fachpersonen fehlt es manchmal an einheitlichen Informationsstandards und an einer zentralen Ansprechperson, die den Überblick über die gesamte Behandlung behält. Das hat nichts damit zu tun, ob Patient:innen sich ausreichend informiert haben – es ist ein strukturelles Problem, das auf verschiedenen Ebenen entstehen kann.
Wer eine ähnliche Situation erlebt oder sich auf eine komplexe Behandlung vorbereitet, kann einige Möglichkeiten nutzen, um sich besser zurechtzufinden.
Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
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