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2024-1575

Röntgenbilder wurden nicht richtig interpretiert – Fraktur nicht richtig verheilt mit Folgeschäden

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Fallbeschreibung:

Kniebruch nicht verheilt: Fehlinterpretation von Röntgenbildern

Ich hatte einen schweren Skiunfall. Nach der Bergung wurde ich aus einem ausländischen Spital in eine Spezialklinik in Deutschland verlegt. Dort wurde der komplizierte Bruch am Schienbeinkopf (mehrfragmentäre Tibiakopffraktur) operativ versorgt.

Nach der OP wurde das Knie geröntgt. Der behandelnde Arzt bescheinigte mir einen sehr guten Verlauf der OP und gute Heilungsaussichten. Anschließend habe ich mich in Behandlung eines Orthopäden begeben. Dieser fertigte wieder eine Röntgenaufnahme an. Diese Aufnahme wurde sowohl von dem Orthopäden als auch vom behandelnden Chirurg im Krankenhaus begutachtet. Es wurde zu diesem Zeitpunkt ein guter Heilungsverlauf diagnostiziert. Die Hauptfraktur war zu diesem Zeitpunkt noch gut sichtbar und nicht konsolidiert. Einige Wochen später habe ich einen weiteren Orthopäden aufgesucht. Dieser hat wiederum Röntgenaufnahmen angefertigt. Weiterhin bestätigte mir der nun behandelnde Orthopäde den regelrechten Sitz des Osteosynthesematerials. Weiterhin gab es noch keine vollständige Konsolidierung der Hauptfraktur. Es wurde lediglich bemängelt, dass die Flexion im Knie zu gering ist. Einige Monate konnte ich eine ambulante Reha starten. Die Ärzte bescheinigten mir, auch aufgrund der Röntgenaufnahmen, eine volle Sportfähigkeit im Rahmen der Reha. Nach 4 Wochen Reha wurde ich arbeitsfähig entlassen.

Drei Monate später hatte ich bei meinem behandelnden Orthopäden eine Wiedervorstellung. Durch die weiterhin vorhandene Flexion von nur 105° wurde eine Röntgenaufnahme angefertigt. Auch auf diesem Röntgenbild zeigt sich die nicht konsolidierte Hauptfraktur. Aufgrund dieser Aufnahme wurde ein CT angeordnet. Dieses wurde durchgeführt. Der Radiologe teilte mir mit, dass die Fraktur nicht verheilt ist, und sich eine sekundäre Arthrose gebildet hat. Außerdem wurde eine Dehiszenz des im Gelenk festgestellt. Es wurden die CT-Aufnahmen von meinem behandelnden Orthopäden begutachtet. Dieser verwies mich an eine Spezialklinik.

Im Zuge der Diagnose stellte ich mich nochmal bei meinem Chirurgen im Krankenhaus vor. Er stellte die nicht vollständige Konsolidierung des Tibiakopfspaltbruches insbesondere im dorsalen Anteil der Eminentia mit hier Dehiszenz, fest. Außerdem entsprechend der Inkongruenz im lateralen Kompartment die Ausbildung einer sekundären Arthrose.

Ich holte eine weitere Meinung in einem Spezialzentrum ein. Der Arzt konnte mir sehr glaubhaft vermitteln, dass die nun entstandenen Folgeschäden nicht eingetreten wären, hätte ein Arzt bereits im März oder April reagiert. Auf allen Röntgenaufnahmen ist deutlich eine Dehiszenz des Tibiaplateaus sichtbar. Ich muss mich nun einer weiteren experimentellen OP unterziehen. Auf Nachfrage, welche weiteren Optionen ich habe, gab es nur die Aussicht auf einen vollständigen Knieersatz. Eine Verschlechterung des Zustands konnte ich bereits jetzt feststellen. Nach Aussage des Arztes im Kniespezialzentrum werde ich ohne weiteren Eingriff im nächsten halben Jahr durch die massive Arthrose nicht mehr laufen können.

Gut gelaufen:

Immerhin hat ein Arzt nach 9 Monaten reagiert und ein CT angeordnet.

Schlecht gelaufen:

Kollektives Versagen: 1. Der operierende Chirurg hätte mich angesichts der schwere der Verletzung an ein Kniespezialkrankenhaus verweisen müssen. 2. Kein behandelnder Arzt konnte die Röntgenbilder lesen! 3. Das fehlende Expertise für diese schwere Verletzung 4. Die Einsicht des Fachpersonals

Verbesserungsvorschläge:

Alles

Weitere Infos:

Ich finde es unfassbar, dass Ärzte nicht mal bei sichtbaren Fehlern reagieren und zugeben, dass etwas schief gelaufen ist. Dadurch ist mir ein gravierender Folgeschaden entstanden, der absolut vermeidbar gewesen wäre. Außerdem wir das Gesundheitssystem durch das Versagen unnötig mit einer weiteren OP inkl. Genesungszeit belastet.

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Ein schwerer Unfall mit kompliziertem Knochenbruch ist eine belastende Erfahrung – körperlich wie emotional. Wenn nach einer langen Behandlungsphase festgestellt wird, dass ein Knochen nicht wie erwartet verheilt ist und sich bereits Folgeschäden entwickelt haben, kann das für Betroffene schwer zu verarbeiten sein.

Bei komplexen Frakturen, wie einem mehrfragmentären Tibiakopfbruch (einem Bruch des Schienbeinkopfes in mehrere Teile), ist die Beurteilung von Röntgenaufnahmen anspruchsvoll. Eine Dehiszenz – das bedeutet, dass Knochenteile auseinanderweichen oder eine Wundfläche auseinanderklafft – kann auf zweidimensionalen Röntgenbildern schwer zu erkennen sein. Eine Computertomografie (CT) liefert hier deutlich genauere Informationen über die räumliche Lage der Knochenfragmente. Verlaufen Heilungsprozesse nicht wie erwartet, kann das Zusammenspiel mehrerer Faktoren eine Rolle spielen – darunter die Komplexität der Verletzung, die Wahl der Bildgebung und die Einbindung spezialisierter Einrichtungen.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer nach einer schweren Knochen- oder Gelenkverletzung in Behandlung ist, kann durch aktives Nachfragen und gezielte Eigenbeobachtung dazu beitragen, den Heilungsverlauf gut begleiten zu lassen.

  • Fortschritte und Beschwerden dokumentieren: Ein einfaches Tagebuch oder Notizen auf dem Smartphone, in dem Schmerzen, Beweglichkeit und Veränderungen festgehalten werden, kann bei Arztgesprächen hilfreich sein. Konkrete Beobachtungen wie „Meine Beweglichkeit hat sich in den letzten vier Wochen nicht verbessert“ geben Behandelnden wichtige Hinweise.
  • Gezielt nach dem Heilungsstand fragen: Es ist möglich, beim Kontrolltermin direkt zu fragen: „Ist die Fraktur auf diesem Bild vollständig verheilt? Woran erkennen Sie das?“ Solche Fragen helfen, das eigene Verständnis zu schärfen – und regen zur gemeinsamen Betrachtung der Befunde an.
  • Bei ausbleibender Verbesserung eine Zweitmeinung einholen: Wenn Beschwerden wie eingeschränkte Beweglichkeit oder Schmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, ist es möglich, in einem Spezialzentrum für Knochen- und Gelenkchirurgie eine unabhängige Einschätzung einzuholen – auch ohne dass der bisherige Behandler zustimmt. Ein Formulierungsbeispiel: „Ich möchte zur Sicherheit eine zweite Meinung zu meinem Heilungsverlauf einholen. Können Sie mir die relevanten Befunde und Bilder mitgeben?“
  • Bildgebung aktiv ansprechen: Bei komplexen Frakturen kann es sinnvoll sein zu fragen, ob neben Röntgenaufnahmen auch ein CT oder eine andere detailliertere Bildgebung in Betracht kommt – besonders dann, wenn die Heilung nicht wie erwartet voranschreitet.

Worauf Sie achten können

  • Wenn Beweglichkeit oder Kraft im betroffenen Gelenk über Wochen trotz Therapie nicht zunehmen, ist das ein möglicher Hinweis darauf, dass der Heilungsverlauf genauer untersucht werden kann.
  • Alle Röntgenbilder, CT-Aufnahmen und Befundberichte können als eigene Kopie aufbewahrt werden – das erleichtert die Kommunikation mit weiteren Behandelnden und bei Zweitmeinungen erheblich.
  • Bei schweren Gelenkverletzungen ist es möglich, gezielt nach der Erfahrung der behandelnden Einrichtung mit der jeweiligen Verletzungsart zu fragen oder von Anfang an ein Spezialzentrum einzubeziehen.
  • Wenn eine Rückkehr zur vollen Belastung oder Arbeitsfähigkeit bescheinigt wird, obwohl noch Unsicherheiten über den Heilungsstand bestehen, ist es möglich, diesen Schritt kritisch zu hinterfragen und gemeinsam mit den Behandelnden abzuwägen.

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Rehaeinrichtung, ambulant, Ambulante Praxis, Arztpraxis, Krankenhaus, Notaufnahme, Operationssaal
Geschlecht: weiblich

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