Icon Mehr-Patientensicherheit
2025-045

Trotz akuter Infektion Behandlung erst in 2 Monaten

Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular

Fallbeschreibung:

Zahnwurzelentzündung: Lange Wartezeit trotz akutem Befund

Nachdem ich über die Feiertage starke Schmerzen beim Beißen im Unterkiefer bekommen habe mit Druck- und Spannungsgefühle im Zahnfleischbereich und Kribbeln in der Unterlippe, hat mein Zahnarzt eine akute Zahnwurzelentzündung diagnostiziert. Er hat mich an einen Oralchirurgen verwiesen zur Zahnwurzelspitzenresektion. Zur Unterdrückung der Entzündung hat er Amoxicillin für eine Woche angesetzt.

Der Beratungstermin beim Oralchirurgen war 3 Wochen später. Leider hat das Antibiotikum allerdings nur 2 Wochen vorgehalten, sodass meine Beschwerden sogar noch schlimmer wieder zurückkamen. Mein Zahnarzt hat zur Überbrückung bis zum Termin beim Oralchirurgen ein 2. Mal Amoxicillin angeordnet und darum gebeten, dem Oralchirurgen die Dringlichkeit klarzumachen.

Der Oralchirurg hat schließlich die Dringlichkeit erkannt, der Termin für die Behandlung war dann aber trotzdem erst knapp 4 Wochen später möglich.

Da ich befürchtete, dass ich bis dahin noch mindestens ein 3. Mal mit Antibiotikum behandeln werden muss, habe ich noch einen anderen Oralchirurgen aufgesucht, mit der Hoffnung, dass dieser früher einen Termin für mich hat. Dieser sagte mir allerdings, dass er sogar erst in 2 Monaten einen Termin für mich hätte.

In meinen Augen ist das bei einer so akuten Entzündung, die Antibiotika bedarf, unterlassene Hilfeleistung. Wie kann man einen Patienten mit dieser Diagnose 2 Monate laufen lassen und in Kauf nehmen, ihn über so einen langen Zeitraum mit Antibiotika zu behandeln, um die Zeit bis zum Termin zu überbrücken.

Für mich ist das grob fahrlässig und ein medizinisches Desaster. Jeder Zahnarzt ist dazu verpflichtet, Akuttermine freizuhalten. Und wenn das kein behandlungsbedürftiger Akutfall ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.

Gut gelaufen:

Keine Angaben

Schlecht gelaufen:

Verbesserungsvorschläge:

Keine Angaben

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

FALLANALYSE (intern): A) Der Fall ist überwiegend negativ – die Versorgung war mit erheblichen Wartezeiten verbunden, die Beschwerden verschlimmerten sich, mehrfache Antibiotikagaben waren nötig. B) Die betroffene Person hatte realistische Handlungsmöglichkeiten und hat diese auch genutzt (zweiter Oralchirurg aufgesucht, Dringlichkeit kommuniziert) → FALLTYP A. —

Was in solchen Situationen passieren kann

Starke Zahnschmerzen, ein Taubheitsgefühl in der Lippe und das Wissen, dass eine Entzündung behandelt werden muss – und dann wochenlange Wartezeiten: Das ist eine belastende Situation, die viele Menschen kennen. Wenn Fachärzte wie Oralchirurgen (Zahnärzte mit chirurgischer Spezialisierung) trotz dringendem Bedarf nur weit entfernte Termine anbieten können, entsteht eine Versorgungslücke, die für Betroffene schwer zu überbrücken ist.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Wer sich in einer ähnlichen Lage befindet, hat verschiedene Möglichkeiten, aktiv auf eine frühere Behandlung hinzuwirken.

  • Die Dringlichkeit klar und direkt benennen: Beim Anmelden in einer Praxis ist es möglich, die Symptome so konkret wie möglich zu schildern – zum Beispiel: „Ich habe eine diagnostizierte akute Zahnwurzelentzündung, nehme bereits zum zweiten Mal Antibiotika und mein Zahnarzt hat die Dringlichkeit schriftlich bestätigt.“ Eine solche Formulierung kann dazu beitragen, dass die Praxis die Lage realistisch einschätzen kann.
  • Ein Überweisungsschreiben mit Dringlichkeitsvermerk erbitten: Der behandelnde Zahnarzt kann gebeten werden, die Dringlichkeit nicht nur mündlich mitzuteilen, sondern auch schriftlich festzuhalten – etwa in einem kurzen Arztbrief oder auf der Überweisung. Dieses Dokument lässt sich bei der Terminvereinbarung direkt vorlegen oder vorab einscannen und per E-Mail übermitteln.
  • Mehrere Praxen gleichzeitig kontaktieren: Es ist möglich, bei mehreren spezialisierten Praxen zeitgleich nach einem früheren Termin zu fragen und sich auf eine Warteliste setzen zu lassen – häufig werden kurzfristig Termine frei.
  • Die Kassenärztliche Vereinigung oder den zahnärztlichen Notdienst einschalten: In akuten Fällen kann die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (erreichbar unter der bundesweiten Rufnummer 116 117) dabei helfen, einen zeitnahen Termin zu finden. Auch der zahnärztliche Notdienst – ebenfalls über 116 117 erreichbar – ist eine Option, wenn die Beschwerden sich verschlimmern.

Worauf Sie achten können

  • Symptome wie Kribbeln oder Taubheit (mögliche Zeichen einer Nervenbeteiligung) lassen sich dem Arzt oder der Ärztin gegenüber gezielt ansprechen – diese Informationen sind für die Dringlichkeitsbewertung relevant.
  • Wird ein Antibiotikum (Medikament gegen bakterielle Infektionen) verschrieben, ist es möglich, den behandelnden Arzt zu fragen, was zu tun ist, wenn die Beschwerden vor dem nächsten Termin wieder auftreten – so lässt sich ein Plan für den Notfall vorab besprechen.
  • Alle Diagnosen, Medikamentengaben und Termine lassen sich in einer kurzen persönlichen Notiz festhalten – das erleichtert die Kommunikation, wenn man bei einer neuen Praxis vorstellig wird.
  • Wer das Gefühl hat, dass die Wartezeit medizinisch nicht vertretbar ist, kann eine zweite Meinung einholen oder sich an die Patientenberatung wenden – zum Beispiel bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD, erreichbar unter 0800 011 77 22, kostenfrei).

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Zahnarztpraxis, Ambulante Praxis
Geschlecht: männlich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

Icon Pfeil nach unten

Wählen Sie eines der anderen Themen

Wählen Sie das Thema aus, das zu Ihrem Fall am besten passt oder über welches Sie weitere Informationen und berteits veröffentlichte Fälle lesen möchten. Alternativ können Sie Ihren Fall auch direkt über das Meldeformular berichten.
Ersatzkassen des vdek

Die Betriebskrankenkassen:

Ihre Meinung hilft uns!
Bitte helfen Sie mit das Portal weiter zu verbessern, damit unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit noch mehr Menschen erreichen.

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Wie gefällt Ihnen unser Portal insgesamt?

Zurücksetzen

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Haben Sie auf unserem Portal hilfreiche Informationen zur Patientensicherheit gefunden?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal besonders gut?

Zurücksetzen

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Was gefällt Ihnen an unserem Portal nicht so gut? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?

Zurücksetzen
Ihre Meinung 2/2

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Wie sind Sie auf unsere Website aufmerksam geworden?

Zurücksetzen

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Welche Themen haben Sie auf unserer Website interessiert?

Zurücksetzen

Wichtige Mitteilung:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,

Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.

Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team