2026-010
Aufnahme in einer psychiatrischen Institutsambulanz wird wegen Überlastung abgelehnt
Dieser Fall hilft die Patientensicherheit für alle zu verbessern. Sie möchten ebenfalls einen Fall melden? Zum Meldeformular
Meine Ehefrau wurde gebeten, sich in einer psychiatrischen Institutsambulanz (PiA) einzufinden, weil die niedergelassene Psychiaterin meint, dass nur dort ausreichend behandelt werden kann.
Die zuständige PiA ist eine Stunde mit dem Auto entfernt und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unerreichbar. Diese PiA lehnt jegliche weitere Aufnahme ab, weil sie überlastet ist. Auch weil meine Frau eine niedergelassene Psychiaterin hat, bräuchte sie ja keine PiA, so die Patientenaufnahme der dortigen PiA.
Die PiA, die am nächsten gelegen wäre, nimmt nur Patienten aus dem Stadtkreis auf, aber nicht uns aus dem Landkreis. Das wird pauschal abgelehnt, wegen fehlender Zuständigkeit.
Eine dritte PiA lässt einen in der Warteschleife verhungern. Denn da wird man immer wieder nach hinten geschoben. Von Platz 1 auf Platz 7. Die Psychiaterin kann, trotz des gesetzlichen Auftrags der PiA, ihre Patientin nicht dorthin verweisen, und so sind Rückfälle und Krankenhausaufenthalte wahrscheinlich.
Es ist belastend und zermürbend, wenn man für einen nahestehenden Menschen dringend eine spezialisierte Behandlung sucht – und überall auf strukturelle Hindernisse stößt, die sich kaum überwinden lassen. In Situationen wie dieser liegt das Problem nicht bei den Betroffenen oder ihren Angehörigen, sondern in Versorgungslücken, auf die Einzelpersonen kaum Einfluss haben.
Eine Psychiatrische Institutsambulanz (PiA) – das ist eine spezialisierte ambulante Behandlungseinrichtung an einem psychiatrischen Krankenhaus – hat einen gesetzlichen Versorgungsauftrag für Menschen mit schweren und komplexen psychischen Erkrankungen. Dennoch kann es vorkommen, dass Betroffene aufgrund von Überlastung, Zuständigkeitsgrenzen oder fehlender Koordination keinen Zugang erhalten. In einer solchen Situation gibt es für Betroffene und Angehörige nur sehr begrenzten Handlungsspielraum – das ist wichtig anzuerkennen.
Auch wenn die strukturellen Barrieren nicht durch Einzelpersonen beseitigt werden können, gibt es einige Schritte, die in einer solchen Lage hilfreich sein können:
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) ist kostenlos erreichbar und berät zu Patientenrechten, Beschwerdemöglichkeiten und konkreten nächsten Schritten – auch in komplexen Versorgungssituationen. Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie ähnliche Erfahrungen melden und damit dazu beitragen, dass solche Versorgungslücken sichtbar werden und Verbesserungen angestoßen werden können.
Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:
Jugendliche mit Depressionen fallen durchs Raster: zu krank für ambulante Therapie, zu lange Wartezeit für stationäre Behandlung. Ein systemisches Problem.
Fall lesen →Kaum Physio, kaum Einzelgespräche, geschlossenes Schwimmbad: Ein Patient berichtet von massiven Therapieausfällen in der Reha. Was lief schief?
Fall lesen →Kaum Podologen verfügbar, Wartelisten bis Platz 85: Ein CIRS-Fall zeigt, wie der Fachkräftemangel die Fußpflege für Risikopatienten gefährdet.
Fall lesen →Ein Patientenbericht schildert die jahrelange Suche nach einem Therapieplatz und systematische Ablehnung bei komplexem Behandlungsbedarf.
Fall lesen →Nach einer StäB fehlte die Weiterversorgung: Kein Therapieplatz, kein Übergangsplan – und schnell kam der Rückfall. Ein Patientenbericht über Versorgungslücken.
Fall lesen →Ein CIRS-Fall aus der Orthopädie: falsche Auskunft über Kassenpflichten und Druck zum Kauf von Privatleistungen. Was Patienten wissen sollten.
Fall lesen →Eine über 90-Jährige erleidet im Krankenhaus schwere Frakturen und wird trotzdem als mobil entlassen. Ein CIRS-Fall über Patientensicherheit im Klinikalltag.
Fall lesen →Eine bewusstlose Krebspatientin wartet stundenlang im Flur der Notaufnahme – ohne ärztliche Aufklärung und mit Norovirus-Exposition. Ein CIRS-Fall über Versorgungslücken.
Fall lesen →Medikamentenverwechslung, mangelhafte Hygiene und unzureichende Kommunikation – ein Patientenbericht zeigt, wo Sicherheit im Krankenhaus versagt.
Fall lesen →CIRS-Fall: Mangelhafte Kommunikation, Medikationsfehler und fehlende Würde im Krankenhaus. Was dieser Fall für die Patientensicherheit bedeutet.
Fall lesen →
Die Betriebskrankenkassen:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Patient:innen und Angehörige,
Vielen Dank für Ihre wichtigen Meldungen. Unser System ist aufgrund der zahlreichen Eingänge im Moment an der Belastungsgrenze. Es ist daher zur Zeit nicht möglich, eine Meldung abzugeben. Wir arbeiten daran, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es in wenigen Stunden wieder.
Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Mehr-Patientensicherheit-Team