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2024-1506

Oberschenkelhalsfraktur: mangelnde Information und mehrere Re-Operationen mit Folgen

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Fallbeschreibung:

Oberschenkelhalsfraktur: Fehler bei OP und Kommunikation

Im Rahmen eines Fahrradsturzes hatte ich mir eine Oberschenkelhalsfraktur zugezogen. Mit dem Privat-PKW sind wir in ein Krankenhaus gefahren. Nach Diagnosestellung mittels Röntgenaufnahme und Empfehlung einer zeitnahen OP sind wir mit dem Privat-PKW in ein anderes Krankenhaus geschickt worden.

1. Trotz telefonischer Ankündigung des Arztes der ersten Notaufnahme incl. Nennung der Diagnose, musste ich mindestens 1,5h auf unbequemen Stühlen sitzend warten, bis ich zur Untersuchung der zweiten Notaufnahme gerufen wurde. Es wurden erneut Röntgenaufnahmen gemacht, obwohl ich den Ambulanz-Brief und die CD mit den entsprechende Röntgenaufnahmen abgegeben hatte. Die neuen Röntgenaufnahmen wurden in einer sehr ruppigen Art und Weise gemacht und mit dem Satz „die Hüfte ist ab“ kommentiert.
Die Informationen, die ich in der Notaufnahme erhalten habe waren dürftig, das Verhalten des ärztliches Personals /Pflegepersonals/MTR nicht einfühlsam. Auch in der Notaufnahme musste ich immer wieder lange warten. Erst nochmals 1,5h später erhielt ich ein i.v. verabreichtes Analgetikum und wurde auf eine chirurgische Station gebracht.

2. Am folgenden Tag wurde ich, ohne dass ich zuvor eine/n Anästhesisten/in gesprochen hatte, in den OP-Einleitungsraum geschoben. Ich hatte zwar vormittags einen Anästhesie-Aufklärungsbogen von einer Pflegekraft erhalten, den ich aber erst im Einleitungsraum unterschrieben habe. So war es mir nicht möglich rechtzeitig um eine Prämedikation zu bitten. Ich habe im Einleitungsraum kurze Zeit nach Umlagerung auf den OP-Tisch zunehmend Schmerzen in der Hüfte bekommen, zudem hatte ich große Angst und war nicht mehr in der Lage mich adäquat zu äußern. Ich lag zitternd und weinend vor Schmerzen und Angst auf der Liege. Da erst ein anderer Patient versorgt werden musste, entstand eine längere Wartezeit. Obwohl es sicherlich nicht zu übersehen war, in welcher Verfassung ich mich befand erhielt ich erst sehr spät Fentanyl i.v., was keinerlei Linderung brachte. Unverständlicherweise kam niemand auf die Idee mir ein Benzodiazepin zu verabreichen.

3. Am Folgetag wurde mir vom operierenden Chirurgen/ Chirurgin gesagt, dass die OP erfolgreich verlaufen sei und ich das Bein nun teilbelasten könne.
– mindestens eine Schraube wurde zu weit rein gedreht und dies trotz Durchleuchtung nicht erkannt, so dass es zu einer Schraubenperforation der Hüfte gekommen ist
– hierdurch war eine 2. OP und 2. Vollnarkose nötig, die erst 3 Tage später erfolgte und erneut mit starken Schmerzen verbunden war

4. 3 Tage später erfolgte die 2. OP zur Korrektur der Schrauben, des Weiteren erfolgte eine erneute Reponierung. Am Folgetag wurde mir vom Operateur berichtet, dass die OP geglückt sei und die Fraktur nun achsgerecht reponiert worden sei.
– 3 Wochen später zeigte sich beim niedergelassenen Orthopäden bei Durchsicht der postoperativen Röntgenbilder und Vergleich mit den neu angefertigten Röntgenaufnahmen, dass es auch in der 2. OP nicht zu einer guten Reponierung gekommen ist und ich erneut vom Operateur belogen wurde.

5. Von Seiten der Pflegekräfte bin ich z.T. auf wenig/kein Verständnis gestoßen, als ich z.B. an den ersten beiden Tagen in der Klinik darum bat, dass mir jemand z.B. Zahnputzsachen, Waschlappen ans Bett bringen möge (letzteres wurde mit einem „warum?“ quittiert). Auch musste ich um Selbstverständliches bitten, wie z.B. dass mir jemand etwas zu Trinken ans Bett bringt.

6. Im Entlassbrief werden im Procedere andere Empfehlungen aufgeführt als mir mündlich vom Chefarzt/ Chefärztin mitgeteilt wurden. Unter anderem wurde mir mündlich Zurückhaltung bezüglich der (Teil)belastung des Beines empfohlen. Im Brief steht allerdings, dass ich das Bein mit 20kg teilbelasten könne. Auch die Physiotherapeuten der Klinik sind von einer erlaubten Teilbelastung von 20kg ausgegangen. Möglicherweise habe ich deshalb mein Bein anfänglich zu stark belastet.
Zudem werden die Befunde der Röntgen- und CT-Aufnahmen nicht im Entlassbrief erwähnt.

Des Weiteren erhielt ich während des Klinikaufenthaltes andere Analgetika als im Entlassbrief aufgeführt sind.

Auch hat sich in den Visiten gezeigt, dass die unterschiedlichen Ärzte von anderen Medikamenten ausgegangen sind als die, die ich erhalten habe. Fragen hierzu konnten deshalb z.T. nicht beantwortet werden.

Gut gelaufen:

2. OP noch am Wochenende und nicht erst Anfang der Woche, welches nochmals 2d später bedeutet hätte

Schlecht gelaufen:

– 1. OP – keine Prämedikation – mangelnde Info/Fehlinfo

Verbesserungsvorschläge:

Keine Angaben

Weitere Infos:

Keine Angaben

Präventionsmaßnahmen:

Was in solchen Situationen passieren kann

Ein Unfall mit schwerer Verletzung ist für Betroffene eine körperlich und emotional außerordentlich belastende Situation. Wenn dann im weiteren Verlauf Informationen unklar oder widersprüchlich sind und Schmerzen nicht ausreichend behandelt werden, kann das zusätzliche Unsicherheit und Angst erzeugen.

Fälle wie dieser zeigen, dass in der Behandlungskette mehrere Schwachstellen gleichzeitig auftreten können: lückenhafte Übergaben zwischen Einrichtungen, fehlende oder verspätete Schmerzbehandlung, unzureichende Aufklärung vor einem Eingriff sowie Widersprüche zwischen mündlichen Aussagen und schriftlichen Dokumenten. Solche Konstellationen sind bekannte Risikofaktoren in der stationären Versorgung.

Was in einer ähnlichen Situation helfen kann

Einige Punkte lassen sich auch in einer akuten Situation ansprechen – am besten durch eine Begleitperson, wenn man selbst dazu nicht in der Lage ist.

  • Bei der Verlegung von einem Krankenhaus in ein anderes ist es möglich, gezielt nachzufragen, ob die aufnehmende Einrichtung bereits informiert wurde und welche Unterlagen mitgegeben werden. Eine Begleitperson kann dafür sorgen, dass Röntgenbilder und der Arztbrief tatsächlich beim aufnehmenden Personal ankommen und darauf hinweisen: „Diese Unterlagen wurden bereits vom ersten Krankenhaus übermittelt – bitte schauen Sie, ob Sie diese vorliegen haben.“
  • Vor einer Operation ist ein Gespräch mit der Anästhesie (Narkosearzt oder Narkoseärztin) vorgesehen. Es ist möglich, ausdrücklich darum zu bitten, dass dieses Gespräch rechtzeitig stattfindet – nicht erst unmittelbar vor dem Eingriff. Fragen wie „Kann ich bitte noch vor dem OP-Einleitungsraum mit jemandem aus der Anästhesie sprechen?“ sind jederzeit zulässig.
  • Wer vor oder während eines Eingriffs starke Schmerzen oder Angst verspürt, kann dies klar benennen – auch wenn das in der Situation schwerfällt. Eine Begleitperson kann stellvertretend auf die Verfassung der betroffenen Person aufmerksam machen: „Sie hat sehr starke Schmerzen und braucht jetzt Unterstützung.“
  • Nach einer Operation ist es möglich, sich die wesentlichen Informationen schriftlich geben zu lassen – zum Beispiel: Welche Belastung ist erlaubt? Was wurde operiert? Diese Informationen können dann mit dem Entlassbrief verglichen werden. Bei Widersprüchen zwischen mündlicher Aussage und schriftlichem Dokument ist eine Rückfrage sinnvoll, etwa: „Im Brief steht 20 kg Teilbelastung – mündlich wurde mir etwas anderes gesagt. Was gilt?“

Worauf Sie achten können

  • Entlassbrief vor der Entlassung lesen: Stimmen die aufgeführten Medikamente mit dem überein, was tatsächlich verabreicht wurde? Sind die Befunde der Untersuchungen (z. B. Röntgen, CT) enthalten?
  • Belastungsempfehlungen nach einer Knochenoperation am besten schriftlich bestätigen lassen – sowohl vom Operationsteam als auch von der Physiotherapie.
  • Beim weiterbehandelnden Arzt oder der Ärztin (z. B. niedergelassene Orthopädie) nachfragen, ob die Nachsorgebilder mit den Operationsbildern verglichen wurden.
  • Wenn etwas unklar oder widersprüchlich erscheint, ist eine zweite Meinung bei einer anderen Fachpraxis oder Klinik jederzeit möglich – das ist ein normaler und anerkannter Teil der medizinischen Versorgung.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie nach einem Krankenhausaufenthalt das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, oder wenn Sie Fragen zu Ihrer Behandlung haben, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kostenlose und neutrale Beratung an.

Auf mehr-patientensicherheit.de können Sie eigene Erfahrungen anonym melden – jeder Bericht hilft dabei, Muster zu erkennen und die Versorgung für alle zu verbessern.

Hinweis: Die Vorschläge zu den Präventionsmaßnahmen wurden mit KI-Unterstützung erstellt. 

Infos zum Fall:

Perspektive: Patientin oder Patient
Alter: 30-49 Jahre
Art der Einrichtung:Krankenhaus, Normalstation, Notaufnahme, Operationssaal, sonstiger Bereich
Geschlecht: weiblich

Vielen herzlichen Dank für Ihren wichtigen Fallbericht!

Jeder einzelne Bericht hilft die Patientensicherheit zu verbessern und konkrete Tipps daraus abzuleiten. Bitten haben Sie dafür Verständnis, dass wir aufgrund der hohen Fallzahlen nicht mehr alle Berichte veröffentlichen und individuell kommentieren. Wir sichten aber jeden einzelnen Bericht und aus jedem Fall nutzen wir wichtige Inhalte für unsere Tipps, Fokusfälle und Erklärfilme. Die bisher erstellten Dokumente auf Basis Ihrer Fälle finden Sie hier:

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